Künstler Günter Dollhopf gestorben
Kunst als existenzielle Notwendigkeit

"Ich mache immer etwas Neues, die Körperbilder, die Papierplastiken, die gibt es so nicht noch einmal. Das ist der Sinn der künstlerischen Arbeit. Es wäre ja grässlich, wenn's das noch mal gäbe", sagte Günter Dollhopf über sein künstlerisches Schaffen. Bild: Peter Geiger
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
02.05.2018
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Zum 80. Geburtstag von Günter Dollhopf gab es im Amberger Stadtmuseum eine große Ausstellung. Bild: Hartl

Günter Dollhopf - dieser Name spricht für sich und bürgt seit Jahrzehnten für künstlerische Qualität. Der Kulturpreisträger der Stadt Amberg, der Erfinder der Bodybilder, der Erschaffer überdimensionaler Malplastiken, der temperamentvolle Organisator von "Amberg Progressiv" aus den 68er Jahren ist am Samstag in Amberg gestorben.

Nicht nur seine Weggefährten von einst trauern um den großen Sohn der Stadt, um einen Freund "mit Ecken und Kanten", um "einen immer konsequenten Menschen, unbeeinflusst von Strömungen, der für sich in Anspruch nahm, dass seine Kunst unpolitisch sei!" so würdigt Theatermann Winni Steinl den Künstler. Auch für die Kunstwelt im In- und Ausland geht mit ihm ein wichtiger Kunstschaffender von der Bühne, der Neues und Wegweisendes schuf, der bis ins hohe Alter seine Ideen künstlerisch umsetzte und der immer wieder außergewöhnliche Arbeiten ablieferte.

Ein politischer Mensch

"Günter Dollhopf hat sich nie instrumentalisieren lassen, weder von der Politik noch vom Markt", betont die Amberger Kunsthistorikerin Michaela Grammer. Für sie ist mit Günter Dollhopf "ein entscheidender Teil meines Lebens gegangen!" Schon als kleines Mädchen habe sie den Künstler im großen wilden Garten mit dem Vater, dem Musiker H. E. Erwin Walter, besucht und die riesigen Bodybilder bestaunt. "Günter Dollhopf war ein hoch handwerklicher Maler. Er war ein politischer Mensch, ist aber immer in der Kunst geblieben!", sagt Grammer. Bis zuletzt hat er sich lebhaft an der Organisation der Neuauflage "Amberg Progressiv" beteiligt, die für November 2018 geplant ist.

Günter Dollhopf wurde 1937 in Nürnberg geboren. Eine überdurchschnittliche Tendenz seiner künstlerischen Begabung hat sich schon in der Schule gezeigt. "Wo man normalerweise in der Kritzelphase ist, habe ich bereits Tassen und Teller perspektivisch gezeichnet. Später im Pro-Gymnasium versah ich in Karikaturen Mitschüler und Lehrer mit Entenschnäbeln. Wenn man so will, habe ich sozusagen die frühen Donald Ducks erfunden!", erzählte er schmunzelnd bei einem Besuch der Kulturredaktion in seinem Atelier.

Nach seinem Studium in München und Nürnberg war er Kunsterzieher an den Gymnasien in Sulzbach-Rosenberg und am Erasmusgymnasium in Amberg: "Ich wollte Kunsterzieher werden. Ich hab mir immer vorgestellt, ich möchte anderen etwas von Kunst und Kunstgeschichte erzählen und sie auf die Substanz der modernen Kunst hinweisen".

Von 1973 bis 1996 war er Professor für Freie Malerei und Kunsterziehung an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Von 1976 bis 1984 gehörte er zur "Gruppe Amberger Künstler". Seine Arbeiten und sein Engagement wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter der Kulturpreis der Stadt Amberg, der "Grand Prix der Internationalen Grafiktriennale Krakau" und das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.

Dollhopf arbeitete ausschließlich in seinem Atelier in Amberg, das neben seinem Wohnhaus steht. Seit 1963 ist er mit seiner Frau Erika, verheiratet. Sie stand voll und ganz hinter seiner Arbeit und ist stolz auf sein umfangreiches Lebenswerk, das große Beachtung verdient.

Ein geschlossenes Ganzes

Seit Mitte der Sechziger Jahre bis heute hat Dollhopf mehrere Werkphasen durchlebt. Trotz ihrer Vielschichtigkeit bilden sie ein geschlossenes Ganzes. Sie faszinieren durch die Intensität, die Kraft und Eigenart der künstlerischen Aussage. Sein Schaffen ist in der gegenwärtigen künstlerischen Landschaft etwas Besonderes, so ist es im Vorwort zu seinem Bildband "Dollhopf Malerei von 1970 bis 2002" nach zu lesen.

Bis ins hohe Alter blieb er wandlungsfähig. Trotzdem gibt es rote Fäden, die sich durch die Schaffenszeit hindurch ziehen. Schon früh schimmert die Verletzlichkeit des Körpers auf, Malerisches und Plastisches verschmilzt zu einer Einheit, die ineinander verschlungenen Figuren, und natürlich die mitunter gnadenlose Behandlung des Materials. Gewaltig sind aber seine Arbeiten. Nicht nur von der Größe her. Er konnte Großes auch in ganz kleinen Formaten schaffen. Der wichtigste Faktor für wirklich gute Kunst war für ihn die unverwechselbare Eigenständigkeit. "Ich glaube, dass Kunst aus einer ganz unverwechselbaren und eigenen Lebens- und Erlebnissphäre kommen muss. Kunst ist für mich mehr oder weniger eine existenzielle Notwendigkeit", so seine Äußerung dazu.

Günter Dollhopf hat sich nie instrumentalisieren lassen, weder von der Politik noch vom Markt.Michaela Grammer, Kunsthistorikerin
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