Kunstkombinat präsentiert sich in ungewöhnlicher Umgebung
Das Ringtheater für zwei Tage wiederbelebt

Heike Lepke und Heike Herzog (rechts) nennen sich "Zitrone 17" und machen sphärische Glasmusik.
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
10.04.2018
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So sah es im Ring-Theater bisher noch nie aus. Möglich machen das (von links) Heike Lepke, Marion Mack, Michaela Peter und Andreas Wörz. Bilder: Hartl (2)

Michaela Peter trägt zwar in ihrer Begrüßung der Besucher von "Rot-Weiß-Zinnober" jede Menge negativer Synonyme vor, für die der Begriff Zinnober stehen können. Aber die treffen alle nicht auf die zweitägige Ausstellung im Ring-Theater zu.

Von Johann Frischholz

Amberg. Ein "Mords"-Zinnober war es für die Veranstalterinnen Heike Lepke, Marion Mack und Michaela Peter, die in Amberg auch als Kunstkombinat firmieren, aber schon. Denn sie hatten jede Menge Arbeit mit der Vorbereitung zu diesem Multi-Kunst-Event in den Räumen des ehemaligen Kinos in der Altstadt.

Nicht allein das künstlerische Schaffen beschäftigte die drei Initiatorinnen schon lange, bevor die Ausstellung die Türen im alten Filmpalast öffneten. Sondern es gehörten neben dem Schöpfungsakt für viele interessante Kunstwerke auch ein gut Teil Organisationsarbeit dazu, diese vielfältige Werkschau zu organisieren. Dabei half ihnen tatkräftig der Besitzer des ehemaligen Kinematografen, Andreas Wörz, der zum Gelingen mit zwei Gratis-Vorführungen beitrug. Da mussten alte Plakate abgehängt werden, um Platz für die Gegenwartskunst zu schaffen, Schnittchen geschmiert, Kuchen gebacken und Kühlschränke bestückt werden, damit das kunstsinnige Publikum bewirtet werden konnte.

Das ist Cyanografie

Aber nicht nur zum Essen und Trinken waren zahlreiche Amberger gekommen, sondern auch, um die aktuellen Werken der Kombinat-Damen zu betrachten und darüber zu diskutieren. Dabei konnten sie einiges über außergewöhnliche Arbeitsweisen erfahren. Heike Lepke hat sich ganz der Cyanografie verschrieben. Einer Technik, bei der ähnlich wie bei der Fotografie zunächst ein Negativ auf weißem Pergamentpapier gezeichnet wird, das dann mit Hilfe von Chemikalien in blauer Farbe auf das eigentliche Bildmaterial "belichtet" wird. "Ich verstehe meine Arbeiten als Momentaufnahmen, die mehrfach gegensätzlich gegenübergestellt werden, im Schwarz-Weiß des gemalten Negativs zum Licht, im Objekt zum Leben", bringt es die Künstlerin mit wenigen Worten auf den Punkt. Diese verschiedenen Versionen der Werke lassen dem Betrachter die Möglichkeit, zu wählen, in welchem Stadium der Bearbeitung ihm das Ergebnis am besten gefällt.

Marion Mack hat neben einigen ihrer "normalen" Glasarbeiten auch drei Werke beigesteuert, die durch ihren Produktionsprozess und ihre Präsentation herausragten. Sie hat auf winzigen, etwa zwei mal zwei Zentimeter großen Glasrohlingen extrem miniaturisierte Gravuren geschaffen, die nur über einen Projektor oder eine spezielle Vergrößerungslupe betrachtet werden konnten.

Abgerundet wurde die Ausstellung durch die Arbeiten von Michaela Peter. Sie sagt über ihre Collagen: "Ich verstehe sie als Wahrnehmungs- und Prozessberichte. Ich nehme etwas aus meiner Umwelt in mir auf, spiele damit, codiere und formiere es neu, löse ab, werte um, deute an. Dabei bleibt auch immer ein Teil, der sich auch für mich nicht in einem endgültig hermeneutischen Sinn erschließt." Es bleibt dem Betrachter überlassen, sich Gedanken über diesen endgültigen Sinn zu machen. Und wenn er oder sie dabei zu keinem Ergebnis kommt - macht nichts, die Künstlerin sucht auch immer noch nach der letztgültigen Deutung.

Rundum-Kunstgenuss

Zum Rundum-Kunstgenuss gehört natürlich auch etwas für die Ohren. Am ersten Tag lieferte DJ Tom Scheimer die passende Musik. Seine Tanzhits aus dem vergangenen halben Jahrhundert lockte die Musikfreunde auf die Tanzfläche, die damit einen schönen und interessanten Kulturtag ausklingen ließen. Die Musik war dann allerdings weniger zum Tanzen geeignet, sondern forderte zum intensiven Hinhören heraus.

Heike Lepke und Heike Herzog lieferten als "Zitrone 17" sphärische Glasmusik, die für eine kurze Zeit die Zuhörer in ihren Bann zog. Und am Ende waren sich alle einig: So ein Event muss einfach wiederholt werden. Aber das haben die Kunstkombinat-Mitglieder für nächstes Jahr schon eingeplant.
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