Les Théâtres de la Ville de Luxembourg gastierten mit schwarzer Tabori-Komödie im Stadttheater
Von Lügen, Verrat und der bitteren Wahrheit

Kultur
Amberg in der Oberpfalz
17.10.2017
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Der Ausgangspunkt in "Requiem für einen Spion" ist ein Treffen von ehemaligen Kollegen, die alte Erinnerungen auffrischen und dabei so manche Ungereimtheit in ihren Lebensläufen bereinigen. Aber es wäre kein Stück von George Tabori, wenn dabei nicht mit dem Entsetzen Scherz getrieben würde.

Die Protagonisten sind nämlich ehemalige Geheimagenten Ihrer Majestät, die mittlerweile in anderen Berufen tätig sind. In einer alten Tiefgarage, die einst als Geheimdienstzentrale diente, treffen sich Heinrich Zucker, genannt Sweets, ein jüdischer Emigrant, Maggie deren Codename "die weiße Rose" lautet und ihr Führungsoffizier Brian Murdoch. Zucker will seine Memoiren schreiben und möchte deshalb von den beiden anderen Informationen über einige Aktionen bekommen, deren Sinn, Zweck und Folgen ihm nicht so recht stimmig erscheinen. Und schon beginnt ein Vexierspiel über Lüge und Wahrheit, über Vertrauen und Verrat.

Schonungslose Offenheit

Wer hat Maggie verraten und an die Nazi-Schergen ausgeliefert? Hat einer der beiden Männer ein Verhältnis mit ihr, oder sogar beide? Warum wurde Zucker nicht eingesetzt, als es nötig war? War der Führungsoffizier vielleicht sogar ein Doppelagent? Aus diesen Fragen entstehen Antworten, die den Akteuren höchst unangenehm sind und deren schonungslose Offenheit den Kern der tiefschwarzen Komödie ausmachen. Durch das Wirrwarr von Lügen, Wahrheiten, Halbwahrheiten und plumpen Täuschungsversuchen kämpft sich das Darsteller-Trio des "Théâtre de la Ville de Luxembourg" unter der Regie von Johannes Zametzer.

Spezieller Humor

Changierend zwischen dem schnoddrigen Militaristenton und dem einfühlsamen eines Psychiaters für senile Sexualstraftäter zeigt Steve Karier seine Wandlungsfähigkeit. Er kann die leisen Töne, bei denen er ganz beiläufig bittere Wahrheiten voller Zynismus ausspricht ebenso, wie den fast als Karikatur seiner selbst erscheinenden, ehemals mächtigen, jetzt aber um sein Selbstbild kämpfenden Offiziers, der nur mehr ein lächerlicher Aufschneider ist. Josiane Pfeifer hatte als Maggie nur eine Nebenrolle inne, obwohl sich um diese Protagonistin eigentlich alles dreht. Sie ist die wichtigste Person im Stück, taucht aber nur kurz im Hintergrund als Opfer der Intrigen auf. Als vielseitigen Darsteller stellte sich Luc Feit dar, der dem Juden Zucker mit allen seinen Zweifeln, Gewissensbissen und seiner unbeirrbaren Suche nach der Wahrheit einen facettenreichen Charakter verlieh. Das mit nur knapp eineinviertel Stunden Spielzeit recht kurz bemessene Drama der drei Ex-Agenten ließ das Publikum schwanken zwischen dem Lachen über den außergewöhnlichen, ganz speziellen Humor von George Tabori und dem Schrecken darüber, dass die Darsteller unsagbares aussprachen.

Bild: Wolfgang Steinbacher

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