26.02.2018 - 20:00 Uhr

Lieder- und Chanson-Abend mit Holger Herrmann Augenzwinkernd wie Reinhard Mey

Von Marielouise Scharf

Holger Herrmann, seines Zeichens Informatiker, hat sich neben der irischen Musik den Chansons von Reinhard Mey verschrieben, von dem auch das "Klagelied eines sentimentalen Programmierers" stammt. Bild: Petra Hartl
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Amberg. Es ist eine frostige, kalte und sternenklare Nacht. In der Buchhandlung Mayr rücken die Zuhörer zusammen - nicht wegen der eisigen Temperaturen draußen, sondern weil am Freitag so viele einen Platz haben möchten, um Lieder von Reinhard Mey in der Interpretation von Holger Herrmann zu hören.

Im ganz besonderen Ambiente der Buchhandlung, zwischen Kunst und Klavier, Mobiliar der alten Druckerei und vollgestopften Bücherregalen, nostalgischen Stehlampen und bunten Glaslichtern sind die Stuhlreihen gefüllt. Rosemarie Mayr freut sich sehr, dass die Kulturangebote in ihrem Haus so ein überwältigendes Interesse finden. Ob Lesung, Ausstellungen oder Musik-Auftritte, das Publikum bleibt nicht aus, erzählt sie.

"Muck beziehungsweise Mücke", der freundliche Haushund, beschnuppert die Gäste, die sich noch schnell ein Getränk von der Hausbar ordern. Dann greift Holger Herrmann zu seiner Gitarre. "Ich wollte wie Orpheus singen" - mit diesem Mey-Klassiker beginnt er sein Programm. 20 Chansons, sehr beliebte und auch weniger bekannte, hat er herausgesucht aus dem umfangreichen Repertoire. Mit lockerer Plauderei leitet er über zu den Songs. Dabei kommt er auf den Hund. "Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund", tritt in diverse Fettnäpfchen. "Ist mir das peinlich" und verrät sein explosives Apfelkuchenrezept: "Das Geheimnis im Hefeteig". Er stellt Mey als den Geschichtenerzähler unter den deutschen Liedermachern vor, der ganz Alltägliches und Banales in den Mittelpunkt stellt.

Im kurzen Gespräch vor seinem Auftritt verrät er der Zeitung, dass es besonders diese augenzwinkernden Texte waren, die ihn schon als Jugendlicher begeistert haben. "Mey erzählt Kurzgeschichten, nachdenkliche, witzige, romantische. Und er schreibt wundervolle Liebeslieder!" Und mit der Gitarrenbegleitung habe er auch keine Schwierigkeiten: "Ich habe klassische Gitarre studiert, deshalb macht mir das Fingerpicking keine Probleme."

Genau das spürt und hört man bei seinem Spiel. Hermann zupft die Saiten natürlich leicht, lässt das Doppeldeutige mancher Formulierungen im Klang seiner Gitarre aufleuchten. Mit jungenhaftem Schmunzeln bringt er das melodiös-hinterlistige Lied "Es ist Weihnachtstag", worin pointiert die Geschichte von in der Nachbarschaft umherwandernden Weihnachtsgeschenken besungen wird. Wer den Menschen Reinhard Mey kennenlernen will, braucht nur seine Musik zu hören. Dort erzählt er, was ihn bewegt. Von der Liebe und vom Tod und allem anderen dazwischen. Auch an die Karriere in Frankreich erinnert Holger Herrmann. Reinhard Mey spricht akzentfrei Französisch und passt mit seiner Musik perfekt in die Kultur des Chansons. Unter dem Künstlernamen Frédérik Mey wurde er 1968 zum Chansonsänger des Jahres gewählt - als erster Ausländer überhaupt. Holger Herrmann nimmt ab und zu einen Schluck aus der Tasse, damit die Stimme geschmeidig bleibt. Mit viel Einfühlungsvermögen und doch mit Distanz gelingen ihm ganz eigenständige und stimmige Interpretationen, die nichts mit Imitieren zu tun haben. Das kommt beim Amberger Publikum hervorragend an.

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