Maria Reiser beim Amberger Sommerfestivla
Flott, frech und frisch

Viele sehen in Maria Reiser (links) die Erfinderin des "Bayerischen Jodelpop". Beim Sommerfestival lieferte sie Musik, die aus dem Herzen kommt - und direkt ins Ohr geht. Bild: Steinbacher

Herzhaft, deftig und gut - Maria Reiser & Band laden ein auf eine Bayern-Delüx-Genuss-Reise mit einer vielfältigen Lieder-Auswahl nebst korrespondierender Musikbegleitung - alles nur hochprozentig! Das kräftig gewürzte, außergewöhnliche Musik-Menue im "Bavarian Wildstyle" überrascht mit außergewöhnlicher Geschmacksvielfalt.

Für Leute mit Diagnose Hyperakusis, sprich Lärm Intoleranz, allerdings weniger zu empfehlen! Aber dem Publikum gefallen die unterschiedlichen, sehr stark geräuschgewürzten Jodel-Pop Gerichte beim vorletzten Sommerfestivalabend ausgezeichnet. Serviert wird mal wieder drinnen in der Stadtbibliothek, weil's draußen kalt, nass und ungemütlich ist. Dafür rückt man näher zusammen, überbietet sich beim Mitsingen und lässt sich das Programm zwischen den Geschmacksrichtungen Spaß, Ernst und Heimat richtig auf der Zunge zergehen.

"Dahoam" und "Bolizei"

Von den einzelnen Zutaten, sprich Texten, ist leider nur wenig zu identifizieren. Dialektfetzen wie "Dahoam" und "Bolizei" dröhnen aus den voll aufgedrehten Lautsprechertürmen. "Schau amoi", "Hand in da Taschn" O'gricht is" bleiben im Gehör hängen. Auch die G'schicht von den Kuppelversuchen von Papa und Onkel ist noch erinnerlich. Weil im Dorf kein gscheits Mannsbild da war, rieten die beiden Anverwandten: "Schau dir den Mo mal o!" und meinten dabei ein eher hässliches, altes und stinkerts Exemplar! Ihr Tipp: "Ribble eam im Bod sauber o, weil er hat Geld!"

Der Reiser kommen die Lieder flott, frech und frisch über die Lippen: Der Jodler als Geschmacksverstärker, der Juchzer als Geheimzutat, der Volksgesang zum allgemeinen Gaudium, der flotte Beat als Bewegungsbeschleuniger - MR und ihre Truppe ziehen alle Register. Schade, dass der Soundmixer viel zu viel von den resoluten Texten und der variablen Stimme verschluckt. Im bierzeltgeeigneten Bermuda-Landhaus-Look hüpft sie unermüdlich wie ein Flaschenteufelchen hin und her. Mit ihrem Temperament erobert sie nicht nur das Hofbräuhaus in Las Vegas und die halbe Welt, sondern auch im Nu die Fans in Amberg. Einmal mit Akustikgitarre oder Akkordeon, aber auch nur mit Mikrophon oder mit Flüstertüte, die sie bei "Bolizei" lautstark einsetzt, wirbelt sie zwischen ihrer Truppe hin und her.

Lautstarker Apllaus

Eingerahmt von Schlagzeug (Stephan Ebn), Tuba, Bass und Lederhose (Ludwig Beck), E-Gitarre und langer Haarmähne Marke "Robinson Crusoe" (Tassilo Männer), sowie der einzig weiblichen, leider namenlosen Unterstützung an der Posaune, gibt sie alles, um die Stimmung hoch zu halten. Man kann das Vibrieren der Schallwellen geradezu spüren und die Beats gehen richtig unter die Haut. Das Publikum kontert mit ebenso lautstarkem Applaus.
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