08.11.2017 - 17:56 Uhr
Oberpfalz

Martin Mitterrutzner singt Heine-Lieder beim Liederabend im Stadttheater Amberg Romantisches für die Ohren

In Musikmetropolen wie Wien, Paris, Hamburg und Dresden kennt man seinen Namen - Martin Mitterrutzner. Am Sonntagabend nimmt der noch junge Tenor aus Tirol auch das Amberger Publikum voll für sich ein. Gemeinsam mit seinem großartigen Begleiter am Flügel, Gerold Huber, heimst er beim Heine-Liederabend haufenweise Beifall ein.

Martin Mitterrutzner begeistert das Publikum. Er singt Heine-Lieder, begleitet von Gerold Huber (am Flügel). Bild: Wolfgang Steinbacher
von Marielouise ScharfProfil

Es ist ein musikalisch virtuoser Abend im gut besuchten Stadttheater Amberg. Mit Eleganz und Bravour übermitteln Sänger wie Pianist die besondere Ausdruckskraft der Heine-Texte, die auch rund 160 Jahre nach dem Tod des Dichters nichts von ihrer poetischen Strahlkraft verloren haben. Mit großem Respekt vor dem Dichter haben Mendelssohn, Schumann, Liszt und Wolf die Worte mit Musik unterlegt, Inhalte hervorgehoben und Gefühle fein formuliert.

Unauffällig zurückhaltend

Nun liegt es am Interpreten, die stimmliche Übersetzung zu liefern und die einzelnen musikalischen Kleinode individuell auszuleuchten. Das fordert nicht nur technisches Können und stimmliche Brillanz, dazu gehören auch Charakter und Sensibilität. Mitterrutzner bringt alles mit. Er stellt sich nicht als Startenor in den Vordergrund. Sein Aussehen ist eher unauffällig: modischer, grauer Anzug. Seine Gesten sympathisch-reduziert, die Textdeutung jedoch emotional, temperamentvoll und vielschichtig. Man spürt seine Liebe für den Liedgesang, einer Gattung, die unglaublich anspruchsvoll ist. Mit einer biegsamen, teils sehr weichen, aber auch metallisch klaren Stimme, dazu mit viel musikalischem Gespür für Dramatik formt der Tenor Gefühle und Wendungen. Sehr bewusst nimmt er sich zurück und meißelt melodische Linien, um so Stimmungslagen nuanciert herauszukristallisieren.

"Leise zieht durch mein Gemüt..." ist ein kleiner, musikalischer Edelstein, den Felix Mendelssohn Bartholdy zum musikalischen Strahlen bringt. Schön, dass auch die Vertonung Verlust, op 9 Nr. 10 von Fanny Hensel, Mendelssohns Schwester, auf dem Programm steht. Sie teilt das Schicksal vieler Komponistinnen und Musikerinnen des 19. Jahrhunderts, die damals ihre Werke nur im häuslichen Rahmen aufführen konnten.

Ausgewogenheit am Flügel

Robert Schumann vertonte sehr viele seiner Zeitgenossen. Mit Vorliebe nahm er Texte von Heinrich Heine. "Warte wilder Schiffsmann", diese Worte presst er in ein dramatisches Korsett, das die Klavierbegleitung in rasenden Tempi aufgreift. Pianist Gerold Huber mit der grauen Künstlermähne verfügt über die Tasten, wie ein Despot über seine Untertanen. Gewaltig der Ausdruck, den er ihnen entlockt, grandios sein Spiel, geradezu dahinplätschernd sanft sein Anschlag, wenn es um "Mein Liebchen..", ein melancholisches Lied von Hugo Wolf, geht. Huber baut den Hintergrund, rollt den Noten-Teppich aus und sorgt für die atmosphärische Ausgewogenheit für Martin Mitterrutzner. Ein besonderer Leckerbissen auf dem langen Notenblatt-Leporello, das Huber auf dem Flügel postiert, ist das Lied von der "Lorelei" in der Vertonung von Franz Liszt.

Auch hier passt die Kommunikation zwischen Sänger und Klavierpartner perfekt. Mit Instinkt, natürlicher Empfindsamkeit und hervorragender Textausdeutung überzeugen beide Künstler, die erst nach zwei Zugaben in die regnerische Nacht entlassen werden.

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