07.02.2018 - 20:10 Uhr

Mathias Kellner und Otto Schellinger im Musikomm Bittersüß und melancholisch

Mittags noch in Dingolfing, abends schon im Musikomm. Mit seinem neuen Album "Kettnkarussell" tourt Mathias Kellner durch Bayern. Es dreht sich um das Leben mit all seinen Tücken, und wie man das Gute darin erkennen kann.

Mathias Kellner (links) und Otto Schellinger erzählen auf der Bühne des Musikomm über Verkehrskontrollen: 50 Euro oder sechs Stunden Gefängnis - so ist es in Österreich: "Da fährst so lang rum, bisd hald a schees Wochenende host." Bild: Dagmar Williamson
von Dagmar WilliamsonProfil

Amberg. (dwi) Mathias Kellner, die musikalische Größe aus Niederbayern, entführt mit Hilfe des Kollegen Otto Schellinger zu einer wunderbaren persönlichen Zeitreise: Von der ersten großen Liebe, und warum die Polizei sein Auto meidet.

Früher war alles besser. "Also, vielleicht auch ned, aber irgendwie scho'", sagt Mathias Kellner und zuckt mit den Schultern. Damit meint der 33-Jährige zum Beispiel das Radio. Man höre nur zwei unterschiedliche Musikarten: Tanzmusik mit höchst intellektuellem Text - Ironie aus - und Schmachtfetzen, die ein attraktiver Jüngling mit Akustik-Gitarre vor sich hinwinselt. Jaulend würden die Reime untereinander nur noch ausgetauscht werden.

Kellners Englisch hört sich dabei unglaublich charmant an, was nicht zuletzt seinem niederbayerischen Dialekt zu verdanken ist. Geprägt von Bayern 1 in seiner Kindheit, versucht er sich mit einer neuen Variation. Zumindest soll es eine positive Schnulze sein; so positiv, wie es einem Niederbayer gelingen kann. Denn diese seien von Geburt an Pessimisten. "Hey, Ihr habt geheiratet? Wie ist es?" Die Antwort aus der Heimat laute "Gar ned so schlimm". So benennt Kellner auch seinen Country-Song. Und zwischendurch darf das Publikum auch "Yeehaw" rufen. Seine große Liebe ist blau und heißt Sigi. "Sigi und i gegen den Rest der Welt", sagt er lachend und erzählt von seinem ersten Auto, das er mit einer Goasmass taufte. In seinem Ford hört er die Lieder, die er auf Kassette aufgenommen hat. Weil der Radiomoderator immer dazwischenquatscht, nennt er diese auch so: "Des ist der Song mit dem Unfall auf der A3." Sein Sigi und er hatten auch ein Hygieneproblem. Was mit einem Papierfetzen auf dem Boden des Beifahrersitzes beginne, ende in einer fahrenden Müllhalde. So ein Cheeseburger-Käse-Bungee-Seil könne eine Verkehrskontrolle schon verkürzen.

Der Niederbayer imitiert gekonnt die Stimmen von Joe Cocker und Bob Dylan, gibt seine Version von Robert Palmers "Johnny and Mary" zum Besten und erinnert mit seinem Glanzstück, dem Wirtshauslied "Geh' hoam", an den ersten Liebeskummer. Es klingt wie eine poetische Tragikomödie: realistisch, bittersüß und zwischendurch zum Schmunzeln.

Mathias Kellner überzeugt durch seine Integrität, Ehrlichkeit und Leidenschaft. Mit seinen Liedern verarbeitet er Erlebtes - ein Grund, warum eine gewisse Melancholie zwischen den Klängen mitschwinge, erzählt er der Amberger Zeitung. Dabei vergisst er aber nie die richtige Prise Humor gemischt mit Eigenkritik. Durch seine gefühlvolle Art und diese unverkennbare Reibeisenstimme wirkt der gesungene Text noch intensiver. "Manchmal fällt es mir schwer, mich nicht anzupassen, um gemocht zu werden", ärgert sich Kellner. Dabei ist er ein richtiger Pfundskerl und das Publikum liebt ihn so, wie er ist.

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