11.02.2018 - 14:30 Uhr

Matthias Schöberl alias Bruder Barnabas über die Kritik an den Altneihausern Keine Angst vor Frau Macron

Die "Grenzüberschreitung" der Altneihauser Feierwehrkapelln, die beim Frankenfasching über das Alter der französischen Präsidentengattin Brigitte Macron Witze machte, ist immer noch Tagesgespräch. Was sagt ein Fastenprediger dazu, der für seine Respektlosigkeit bekannt ist?

Vorsicht bei humoristischen Äußerungen. Schnell ist da jemand beleidigt. Das weiß auch Matthias Schöberl, der heuer zum siebten Mal als Fastenprediger Bruder Barnabas auftritt. Bild: Steinbacher
von Markus Müller Kontakt Profil

Matthias Schöberl drischt als Bruder Barnabas beim Winkler-Bräu-Bockbierfest auch schon mal auf die örtliche politische Prominenz ein, als ob es kein Morgen gäbe. Heuer am 19. März. Doch der Amberger - selbst mal Mitglied im Stadtrat - bringt noch eine weitere Perspektive auf das Thema mit: die eines ZDF-Redakteurs, der verschiedene Sexismus- und Böhmermann-Skandale hautnah miterlebt hat.

Herr Schöberl, waren die Sprüche der Altneihauser über Brigitte Macron nun ein grober Fauxpas weit unter der Gürtellinie oder eine im Fasching erlaubte Zuspitzung?

Matthias Schöberl: Im Fasching darf es hart zugehen, diese Mischung aus Derbem und Feinsinnigem, die macht es ja aus. Bei Norbert Neugirg ist das immer sehr konfrontativ. Die ganze Macron-Passage fand ich handwerklich gut, wenn auch nicht ganz harmonisch komponiert.

Warum denn?

Schöberl: Das Problem ist: Er will den Präsidenten schlagen und trifft stattdessen seine Frau. Er hat sich viel zu lange mit ihr aufgehalten. Ich kenne das ja auch: Wenn man in einige seiner Gags zu sehr verliebt ist, dann entwickelt das eine Eigendynamik und man verliert das aus dem Fokus, was man eigentlich sagen will. Neugirg hat sich da quasi verfahren. Das Lied allein war doch richtig witzig komponiert, aber in der Geballtheit ist es den Leuten dann halt aufgestoßen.

Gibt es denn eine einfache Testmethode, was man als Kabarettist oder Fastenprediger bringen kann und was nicht?

Schöberl: Für mich ist der Maßstab: Ich muss es der Person, wenn sie im Publikum säße, ins Gesicht sagen können. Hätte Neugirg sich diese Situation vergegenwärtigt, hätte er wohl auf den Teil verzichtet, weil ihm dann bewusst geworden wäre, dass Frau Macron sich dabei zu Recht verletzt fühlen muss. Und das wär der Gag nicht wert gewesen.

Jetzt muss er mit den Reaktionen leben.

Schöberl: Wobei ich die Aufregung übertrieben fand. Er hatte ja auch eine Passage, in der er die Böhmermannsche Verbindung Erdogan und Ziegen aufgriff. Da könnte man sich auch drüber aufregen, aber Erdogan ist halt bei uns eher unbeliebt und Frau Macron ist beliebt.

Hätten Sie von Norbert Neugirg erwartet, dass er auf die Diskussion reagiert?

Schöberl: Nein, es ist richtig, dass er nicht reagiert. Was soll er denn auch sagen? Sollen die jetzt zu Kreuze kriechen? Das war ja sicher kein kalkulierter Tabubruch. Eigentlich war das in Veitshöchheim sogar genau so, wie es in einem solchen Fall sein soll: Das Publikum buht, wenn ihm was nicht gefällt. Der Diskurs hat funktioniert, da ist nichts schiefgegangen.

Haben Sie auch schon mal so was erlebt?

Schöberl: Diese heftige direkte Reaktion? Ja! Wir hatten mal ein Kabarettprogramm nach einem Preisschafkopf. Da bin ich als korrupter Kommunalpolitiker aufgetreten. Ein Zuhörer hat das nicht überrissen und geschrien: Hängt ihn auf! Und auf dem Malteserplatz habe ich mal bei einem Auftritt darauf angespielt, dass Italiener Singvögel essen. Da hat sich eine italienische Bedienung furchtbar drüber aufgeregt.

Wie entscheiden denn TV-Anstalten, was man im Fernsehen bringen kann?

Schöberl: Ich persönlich würde einen redaktionellen Eingriff nur dann richtig finden, wenn Leute lächerlich gemacht werden, die sich nicht wehren können. Klar ist außerdem: Wenn die Absicht einer Äußerung ist, jemanden nicht als - zum Beispiel - politischen Akteur, sondern als Person zu beleidigen, dann ist es in Ordnung, wenn ein Medium das nicht bringt.

Aber was genau ist in unzumutbarer Weise beleidigend?

Schöberl: Alles, was eine sexuelle Konnotation hat oder sich auf das Aussehen eines Menschen bezieht, ist immer besonders schwierig. Darf man Witze über das Gesicht der Kanzlerin machen? Oder über das Gewicht von Herrn Gabriel? Im Fasching und bei einer Bockbierrede erwarten die Leute die Derbheit ja geradezu. Und ich muss zugeben, dass ich das Publikum dahingehend nicht enttäusche.

Wie reagieren die Ziele ihres derben Spotts dann für gewöhnlich?

Schöberl: Es gibt tatsächlich politische Figuren, die sehr schlecht mit dieser Form von Kritik umgehen können. Aber das ist denen ihr Problem, nicht meins. Wer in der Öffentlichkeit steht und sich als Politiker öffentlich inszeniert, der muss das aushalten können. Und die Kritik wird in der Situation ja auch erklärt. Ich sage sozusagen nicht: Das ist ein Depp. Ich sage: Das ist ein Depp, weil ...

Merkt man während des Vortrags an der Reaktion des Publikums, dass man gerade etwas ganz Blödes gesagt hat?

Schöberl: Ja, ein gutes Publikum hält dagegen. Mir geht es öfter so, dass Gags, die ich für besonders gelungen halte, gar nicht zünden, und andere, die ich als Sicker-Gags mit eingebaut habe, unglaublich großartige Reaktionen hervorrufen. Aber gerade diese Interaktion finde ich toll. Der Oberbürgermeister Michael Cerny etwa ist einer, der kontert so gut, wenn ich ihn direkt anspreche, dass im Schlagabtausch oft noch was ganz Spontanes, Schönes dabei rauskommt. Das ist sehr bereichernd.

Ist Ihre Fastenpredigt für heuer denn schon fertig?

Schöberl: Praktisch ja, ich sortiere nur noch aus.

Haben Sie daran wegen der Altneihauser-Diskussion irgendetwas geändert?

Schöberl: Nein, überhaupt nichts.

Verraten Sie uns schon, welche Themen Sie auftischen?

Schöberl: Die Frau Macron kommt bei mir auch vor, aber das steht schon länger fest. An Amberger Themen herrscht auch kein Mangel; Politik und Verwaltung der Stadt haben sich redlich bemüht, mir die Rede vollzumachen, da kann ich mich nicht beschweren. Und ich rufe zu einem Präventivschlag gegen den Landkreis auf.

Was werden Sie bestimmt nicht ansprechen?

Schöberl: Ludwig Spaenle konnte sich dieses Mal trotz enormer Anstrengung nicht qualifizieren. Er hat zwar Schreckliches gesagt, aber es war noch nicht schrecklich genug.

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