23.02.2018 - 09:02 Uhr

Meisterwerke des Expressionismus im Museum Schäfer, Schweinfurt Mit Münter und Kandinsky zurück ins Paradies

Die Oberpfalz und Unterfranken verbindet - kulturell betrachtet - nicht nur der alljährliche Auftritt der Altneihauser Feierwehrkapell'n bei "Fastnacht in Franken".  Das Museum Schäfer in Schweinfurt bietet immer wieder Einblicke und Querverbindungen, die sich so nur dem Besucher aus der Oberpfalz offenbaren. War es 2017 die Sonderschau "Mies van der Rohe und das Bauhaus", dessen Architektenkollege und Bauhaus-Berühmtheit Walter Gropius, als sein letztes Bauwerk, die imposante Rosenthal-Fabrik-Glaskathedrale in Amberg schuf, so ist es aktuell die große Ausstellung "Back to Paradise - Meisterwerke des Expressionismus", in der Werke von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky zu sehen sind. Zwei Künstler, die viel im "Künstlerdorf" Kallmünz malten, und das auch heute noch ein solches ist. 

Frau im weißen Kleid - Emil Nolde 1908
von Oliver EndresProfil

Von Oliver Endres

"Vor mehr als 100 Jahren gab es den Expressionismus. Dss ist eine Kunst-Art. Das Wort Expressionismus kommt aus der Sprache Latein. Das lateinische Wort ist expressio. Es bedeutet Ausdruck. Die KünstlerInnen dieser Kunst-Art wollen ihre Gefühle ausdrücken. Sie malen die Sachen anders, als sie in Wirklichkeit aussehen. Sie benutzen dafür sehr bunte Farben.  So malen sie blaue Pferde oder grüne Menschen. Die Formen in den Bildern sind auch anders. Viele Künstler dieser Zeit wollten in einem Paradies leben, das anders ist als ihr eigenes Leben. Und sie haben das Paradies gemalt, so wie sie es sich vorgestellt haben. Deswegen heißt die Ausstellung: Back to Paradise. Das bedeutet. Zurück ins Paradies.
Zwei sehr wichtige Künstler-Gruppen gibt es im Expressionismus. Sie haben die Kunst-Art stark beeinflusst. Sie heißen BLAUER REITER und BRÜCKE. Am Anfang haben die Menschen die Bilder nicht gut verstanden. Sie haben die Bilder für kindisch gehalten. Weil sie anders ausgesehen haben als die beliebten Bilder zu dieser Zeit. Heute sind die Kunst-Werke von diesen Künstlern sehr beliebt. Die Bilder die Sie in der Ausstellung sehen sind von berühmten Künstlern des Expressionismus. Sie heißen August Macke, Gabriele Münter oder Wassily Kandinsky."

Selten war eine Begrüßung in einem großen Museum so angenehm wie es sich im Geheft "Back to Paradise - Leichte Sprache" liest. Es liegt gleichwertig neben dem dicken Ausstellungskatalog im Foyer. Und es zeigt den Trend in der Museumskunst und moderner Ausstellungsgestaltung: weg vom elitären Sockel, hin zum leichten Zugang für alle.
Es läuft sich beschwingt durch bunte Räume mit großen Kunstwerken, die so zu dem werden was die Künstler wollten: anregen, schön sein, Sehnsüchte ausdrücken.
Die Ausstellung, noch zu sehen bis zum 22. April, vereint 155 hochkarätige Werke - aus zwei Museen und einer Privatsammlung - all jener Maler, die heute aufgrund der herausragenden Bedeutung ihrer Kunst unter dem Namen "Expressionisten" in den großen Museen der Welt vertreten sind. Die Zusammenführung dreier Sammlungen in Schweinfurt bietet die Chance, dem Betrachter sowohl den Expressionismus als Ganzes verständlich, als auch das Individuelle jedes einzelnen Künstlers erlebbar zu machen.

Sieht man diese Kunstbewegung aus der Sicht der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts, dem Schwerpunkt der Schweinfurter Sammlung, dann gleicht sie in ihrer Kraftentfaltung einem lange ruhenden Vulkan, der um 1900 ausbrach. Und sie widerspiegelte ein neues Lebensverständnis der Künstler: mehr Natur, mehr Heimat, mehr Wurzeln. Dinge die auch heute, in einer scheinbar aus den Fugen geratenen Welt, wieder intensiv herbei gesehnt werden. In dem Sinne: Kunst am Puls der Zeit.

Weitere Infos unter www.museumgeorgschaefer.de

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