17.10.2017 - 10:42 Uhr
Oberpfalz

Münchener Lach- und Schießgesellschaft kommt beim Publikum nicht so gut an Lach-Nacht mit Ladehemmung

Wer zur Lach-Nacht geht, der will auch lachen! Viele Besucher dachten das am Sonntagabend im sehr gut besuchten Stadttheater. Im ersten Teil mit Stefan Kröll kamen sie voll auf ihre Kosten. Beim Auftritt des Ensembles der Münchener Lach- und Schießgesellschaft blieb das Lachen aber im Halse stecken.

Das Ensemble der Münchener Lach- und Schießgesellschaft trat bei der 7. Amberger Lach-Nacht nach der Pause auf. Die Beiträge animierten teils aber eher zum Nachdenken, als zum Lachen.
von Marielouise ScharfProfil

Es war bereits die siebte Ausgabe der von der Gewerbebau gesponserten Benefizveranstaltung. Den Erlös wolle man sozialen Einrichtungen und kulturellen Zwecken zuführen, sagte Geschäftsführer Karlheinz Brandelik in seiner Begrüßung.

Dann kam er, Stefan Kröll, der Lückenbüßer für die erkrankte Constanze Lindner. Und er legte einen furiosen Auftritt hin. Ganz in Grau. Vom Scheitel bis zur Hose. Diese Einheitsfarbe bezog sich nur auf sein Äußeres. Denn sein Programm "Gruam-Bayern von unten" ist bunt. Witzig und einfallsreich untersuchte er die Schratzellöcher, die Menschen in grauer Vorzeit gegraben haben. Warum? Das weiß man nicht genau.

Schuhbeck und Ingwer

Jedenfalls sind diese mittelalterlichen Anlagen so eng und so niedrig - Kröll deutete es an - dass ein Erwachsener nicht stehen kann. Vielleicht nur Peter Maffay?, frotzelte der Kabarettist ohne abgebrochenes Studium, dafür mit Schreinerausbildung, Meisterbrief und eigenem Planungsbüro für Innenausbau. Salopp plauderte er von der "Ingwerisierung durch Schuhbeck" und von besonderen "Kraftorten und Drachenlinien" in München. Er probiere alles, dass man ihn als "Künstler wahrnehme", verriet er, wobei er sich mit Seidenschal oder der SZ unterm Arm in der Öffentlichkeit zeige. Dann gab er sich wieder recht bescheiden. Sein Programm bestehe ja nur aus zwei Liedern "und a bissl daherreden". Halt, Stimmenimitator sei er ja auch. Und dann kopierte er den "Lageristen von der Baywa aus Bad Tölz!" Ehrlich gesagt, die fast 60 Minuten kam man aus dem Lachen gar nicht raus. Wenn Stefan Kröll noch von seiner geringen Begeisterung fürs Kleidung-Einkaufen erzählt und den Verkäufer skizziert, der "charismatisch wia a Salzstangerl" daherkommt, dann kullern die Lachtränen.

Programm- und Stimmungswechsel nach der Pause. Auftritt des Ensembles der Münchener Lach- und Schießgesellschaft mit Caroline Ebner, Norbert Bürger, Sebastian Rüger und Frank Smilgies (bekannt als Kabarett-Duo Ulan & Bator). Die vier lassen die Tradition des legendären Schwabinger Theaters, das mit Ursula Herking, Klaus Havenstein, Hans Jürgen Diedrich und Dieter Hildebrandt Kabarett-Geschichte schrieb, wieder aufleben. Ihr Programm mit dem wortverspielten, vieldeutigen Titel "Wer sind wieder wir" stellt den Bezug zu "Wir sind wieder wer" aus dem Wirtschaftswunder-Deutschland her, setzt sich aber mit aktuellen politischen Themen auseinander.

Flüchtlinge und Computer

Es geht um Deutschland und Europa, um die Flüchtlingskrise und die Computer-Datenflut. So richtig zum Lachen war das alles nicht, was das Quartett auftischte. Die Texte sind anspruchsvoll. Die Musik ist nicht nur Begleitung, sondern prägendes Stilelement. Flügel, Flöte, Gitarre und Koffer-Trommeln setzen die Vier gezielt ein. Sie legen ein Politik-Puzzle mit Zeit-Zitaten und klappern mit den Abgeordneten-Stühlen.

Sie beschimpfen sich gegenseitig als Blattspinat-Salafist und Esoterik-Fuzzi, planen den Urlaub mit "Achtsamkeitstours" und liefern musikalisch "Sex mit dem Ex". Die vier Lach- und Schießer sind sehr gut, selbstbewusst und mit ernsten Problemen unterwegs. Ihr Programm verdient es, eigenständig präsentiert zu werden, dann kommen die Themen auch an. Bei einer Lach-Nacht sind sie dagegen eine Fehlbesetzung.

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