Neujahrskonzert im ACC
Symphoniker im Zeichen Londons

Ein etwas anderes Neujahrskonzert bieten die Nürnberger Symphoniker ihrem Publikum im ACC. Bild: Steinbacher

Keine Walzer, keine Märsche aus der Strauss-Dynastie und kein Radetzki-Marsch - das Neujahrskonzert der Nürnberger Symphoniker im ACC ist anders. Dem Publikum gefällt's.

Unter dem Motto "Mein London" bringen die Nürnberger Symphoniker eine anspruchsvolle Mischung von Komponisten mit, die in verschiedener Weise mit London verbunden sind. Das reicht von der festlichen "Wassermusik" Händels bis zu einer "Fantasie" von Nigel Hess. Das Orchester selbst tritt in großer symphonischer Besetzung auf, mit reichlich Streichern, dem kompletten Bläsersatz in Holz und Blech und einer Harfe, die zusätzlichen klanglichen Charme einbringt.

Jedes Orchester braucht eine "Anlaufphase", um sich auf die Akustik des jeweiligen Raumes einzuspielen. Die Nürnberger haben diese bei Händels "Wassermusik" . Doch trotz etwas sprödem Beginn und rhythmischer Seitensprünge bei der Ouvertüre verfehlt die Musik Händels ihre Wirkung nicht, vor allem im glanzvollen "alla Hornpipe".

Als Mittelpunkt des symphonischen Teils steht Edward Elgar's Cellokonzert auf dem Programm. Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs entstanden, ist es ein Werk des Abschieds, Elgar's letztes Werk überhaupt. Elgar verarbeitet darin Reminiszenzen aus Kriegserinnerungen. So ist der Charakter des Konzertes meist gedämpft, elegisch.

Emotionale Linien

Tom Hugh, der anstelle der ursprünglich engagierten Cellistin Meehae Ryo den Solopart übernimmt, ist erster Cellist des London Symphony Orchestra und ein genialer Interpret dieses Werkes. Sein Spiel zeichnet die melodiösen, emotionalen Linien des Werkes in bewegender Weise nach. Ohne Effekthascherei klingt sein Instrument edel, mit einem sicheren Gespür für angemessenes Vibrato und einer bewundernswerten, selbstverständlichen virtuosen Sicherheit. So wurde das Spiel zu einer klanglichen und gestalterischen musikalischen Einheit. Großen Anteil daran hat der Chefdirigent der Nürnberger, Alexander Shelley, der mit Souveränität und deutlichen, nie überzogenen Zeichen, seine Musiker zu einer tollen Leistung führt. Großer Beifall für Solist und Orchester.

Nach der Pause dann Musik zum Entspannen. Von Eric Coates (1886 bis 1957) zunächst die schwungvolle Miniatur-Ouvertüre "The Merrymakers" und eine interessante London-Suite, die eine rhythmisch betonte Tarantella, eine ruhige Meditation und den fast tänzerisch anmutenden "Knightsbrigge March" umfasst. Originell von Nigel Hess (1953) die kurze Fantasie für Violine und Orchester, wo die hauseigene Solistin Anna Resziak ihre Geige in dieser klangschönen, stimmungsvollen Musik eindrucksvoll zum Klingen bringt, oftmals allerdings durch das sehr üppig spielende Orchester überdeckt.

Eine tolle Sache ist das Medley aus "My Fair Lady" von Frederik Loewe (1901 bis 1988). Bei "ich hätt getanzt heut Nacht" bis hin zu "Bringt mich pünktlich zum Altar" - man möchte mitsingen bei diesen schwungvoll, mit Leidenschaft und erkennbarer Freude gespielten "Ohrwürmern" aus diesem fantastischen Musical.

Englisches Volkslied

Ralph Vaughan Williams (1872 bis 1958) formte das berühmteste englische Volkslied "Greensleeves" zu einer reizvollen Fantasie für Streicher, Flöten und Harfe, bei der die Korrespondenz der Flöte mit der Harfe einen besonderen "Aha-Effekt" erbringt und die Streicher den emotionalen Touch beisteuern.

Mit dem bekannten Militärmarsch "Pomp and Circumstanze" von Elgar, mit üppiger klanglicher Fülle, dargeboten in beinahe überschwänglicher orchestraler Pracht, endet unter riesigem Beifall das "offizielle" Konzert. Doch ohne Zugabe ist ein Neujahrskonzert nicht denkbar. Dirigent Alexander Shelley und das bestens aufgelegte Orchester setzten mit dem berühmten "River Kwai"-Marsch noch einen drauf. Shelley animiert das Publikum zu differenziertem Klatschen, lässt das Orchester laufen und macht aus diesem "Finish" eine richtige tolle Show.
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