07.05.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Nicht der ganz große Hit Operette "Im weißen Rössl" im Stadttheater

Es sind die Schnulzen, die das Singspiel "Im weißen Rössl am Wolfgangsee" zu einem Dauerbrenner auf den Bühnen werden lassen. Diese Ohrwürmer, garniert mit einer einfallsreichen Darbietungen, machen auch die Aufführung im Stadttheater Amberg zu einem unterhaltsamen Abend.

Die Operette "Im weißen Rössl am Wolfgangsee" war im Amberger Stadttheater zu sehen. Das witzige Stück ist dennoch nicht der große Hit. Bild: Hartl
von Helmut FischerProfil

Die Geschichte des "Weißen Rössl", die am Sonntag in Amberg aufgeführt wurde, ist etwas verstaubt. Angesiedelt im Jahr 1900, bringt sie eine Menge bekannter Handlungsstränge auf die Bühne. Das Urlauberhotel ist gut besucht und mit einem Zahlkellner als umtriebiges Faktotum ausgestattet, der seine attraktive Chefin liebt. Die aber hat ein Auge auf einen Gast, einen Rechtsanwalt, geworfen. Als Kontrastprogramm erscheint ein Berliner Fabrikant mit seiner Tochter. Schließlich reist noch ein mittelloser Gelehrter mit Tochter in das "Weiße Rössl". Natürlich kommt es zum erwarteten Happy End: Nach vielen Missverständnissen wird alles gut. Weil die Geschichte zur Kaiserzeit spielt, hat auch Franz Joseph I. seinen Auftritt als Vermittler in der verzwickten Situation.

Schmissige Lieder

Überaus originell ist die Handlung also nicht. Aber das Singspiel von Ralph Benatzky lebt ja auch von der Musik. Es ist eigentlich kein Singspiel, sondern eine Mischung aus Revue, Tanztheater und Operette, die wirkungsvoll kreiert wird. Da werden die schönen Schnulzen "Es muss was wunderbares sein, von dir geliebt zu werden" mit schmissigen Liedern wie "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist", kombiniert, da schmachtet der Zahlkellner "Zuschaun kann i net", und gleich darauf jubelt das Ensemble "Im Salzjammergut, da kammer gut lustig sein". Und weil das Ganze in Österreich angesiedelt ist, muss natürlich "Mein Liebeslied ein Walzer sein". Die Präsentation dieser "Singspiel-Tanz-Revue" vom Euro-Studio Landgraf hat Tempo, Pfiff und viele Einfälle, die das Publikum zum Schmunzeln bringen, Heiterkeit versprühen, zu Szenen-Applaus für die Darsteller führen.

Geschickt ist die Musik arrangiert: Eine Band mit Keyboard, Geige, Klarinette/Saxofon, Kontrabass, Schlagzeug bringt die Musik von Benatzky, Robert Gilbert, Robert Stolz und Bruno Granichstaedten zum Klingen und ist die passende musikalische Grundlage bei den Liedern. Das Bühnenbild suggeriert wirkungsvoll die Atmosphäre des "Weißen Rössl", und alle singenden Darsteller verkörpern ihre Rollen glaubwürdig und überzeugend. Und: Alle können wirklich gut singen.

Tollpatschig und aalglatt

Die Wirtin Josepha, von Antje Bornemeier verkörpert, ist eine so attraktive Erscheinung, dass man die Verliebtheit ihres Zahlkellners Leopold durchaus verstehen kann. Hermann Wallen stellt einen perfekten Leopold dar, der seine Emotionen in seinen so schön gesungenen Schnulzen fast zu Herzen gehend auf die Rampe bringt. Die Wandlung vom aalglatten Rechtsanwalt zum paktierenden Geschäftspartner gelingt Jan Reimitz ausgesprochen gut. Bernd Gebhardt bringt als Berliner Fabrikant, dem sein Müggelsee tausendmal lieber ist als der Wolfgangsee, derb-komödiantisches Flair ins Spiel. Julia Domke ist seine toll soubrettenhaft singende Tochter Ottilie, die auch in den Tanzeinlagen (steppend lässt Fred Astair grüßen) eine gute Figur macht, und in der ständig in höchsten Tönen singenden Briefträgerin Kathi eine "hektische" Zweitrolle spielt.

Klasse ist die Rolle des "schönen Sigismund" mit Sören Ergang besetzt, dem nicht einmal sein Kahlkopf die Attraktivität schmälert und der seine Szenen mit Marie-Audrey Schatz als zunächst schüchternes Klärchen spritzig und effektvoll zur Geltung bringt. Fehlt noch der unbemittelte Gelehrte, dem Alois A. Walchshofer Format verleiht. Nicht zu vergessen bei dieser turbulenten Singspiel-Tanz-Revue Pacal Jounais als ebenso tollpatschig wie pfiffiger Piccolo, Alois A. Walchshofer als zunächst etwas trottelig daherkommender, sich später als gütig-weiser Vermittler profilierender Kaiser Franz Joseph.

Kompliment auch an die Regie, für die Johannes Zurl verantwortlich ist. Die Regen-Szene unter dem großen Schirm - eine gute Reproduktion des Originals. Fazit: Der ganz große, mitreißende Hit ist dieses "Weiße Rössl" sicher nicht, aber es ist dennoch eine solide, gut gemachte, mit viel Tempo, Witz und originellen Einfällen gewürzte Show, der das Publikum am Ende den verdienten großen Beifall spendete. Weite Aufführungen des Stücks in Amberg sind nicht geplant.

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