"Orgel-Konzil" im Luftmuseum Amberg gibt in zwölf Räumen faszinierende Einblicke in die Welt ...
Auf Rundreise durch musikalische Sphären

Reges Treiben herrscht am Samstagabend in den Räumen des Luftmuseums Amberg, als hier das erste "Positivtreffen" eröffnet wird. Ein Abend der besonderen Art steht bevor: In jedem Raum warten mobile Orgelpositive, Truhenorgeln, Mundorgeln und Regale auf ihren Einsatz. Zehn Minuten lang führt dann ein Organist jeweils ein Instrument vor, dann können die Besucher auf ein überall zu hörendes akustisches Zeichen hin den Raum wechseln und neue Klänge von einem anderen Orgel-Instrument genießen. Insgesamt stehen hier in zwölf Räumen tragbare Positive.

Dass die Vorführung von verschiedenen Orgeln als solche schon hochinteressant und sehr lehrreich ist, scheint klar. Dass sich dabei aber auch so viel Freude an den erläuterten Klängen entwickeln kann, ist einmal der Vielseitigkeit des Instruments zu verdanken, dann natürlich auch dem stets staunenswerten Können der Musiker und nicht zuletzt auch dem überzeugenden Konzept des Luftmuseums-Teams.

Wie eine Flöte, nur groß


Im größten Raum des Erdgeschosses spielt Maria Boßle das Orgelkonzert B-Dur op. 4/6 von Georg Friedrich Händel. Im Nachbarraum bedient Christian Farnbauer zwei mobile Regalorgeln: Die eine erzeugt einen weichen, die andere einen schärferen Klang. Beider Luftsäcke werden von einem Assistenten abwechselnd hochgehoben, fallen dann langsam zu und bringen damit die zum Spielen nötige Luft.

Man erfährt, wie die Tonerzeugung funktioniert: Nämlich wie bei der Blockflöte, nur in viel, viel größerem Maßstab. Und während die Flöte verschiedene Löcher für unterschiedliche Töne vereint, hat die "Orgelblockflöte" ein Loch pro Pfeife - je kleiner die Pfeife, desto höher der Ton. Die Luftzufuhr kann bei Mundorgeln wie bei dem kleinen Blasinstrument erfolgen. Vor 100 Jahren gab es in der Kirche noch jemanden, der den Blasebalg trat und damit gewährleistete, dass die Orgel auf Tastendruck funktioniert.

In einem anderen Raum betätigt Susanna Müssig eine recht große Orgel mit dem in sich geschlossensten Klang und den unterschiedlichsten Möglichkeiten, per Register die Tonfärbung zu bestimmen. Die Überschriften der vorgetragenen Stücke weisen darauf hin, was dem Komponisten vorschwebte - sei es eine ruhige "Reverie" oder ein unruhiges "Lamento". Das passende Register erzeugt die Klangwirkung. Den Rekord hält die größte Orgel der Welt im Passauer Dom: Sie hat 243 Register mit knapp 18 000 Pfeifen.

Rekordhalter in Passau

Unvorstellbar, wenn man erfährt, dass bereits im Jahr 300 vor Christus ein Grieche Feuerspritzen für die Feuerwehr umgebaut hat und damit zum ersten Orgelbauer der Welt wurde.

So allmählich lernt man auf dem Rundgang durchs Luftmuseum die anderen Besucher des Orgel-Konzils zumindest vom Gesicht her kennen. So etwa in der Welt, die sich auftut, wenn Hans Schanderl sein Paloma- Harmonium aus Mumbai in Handbetrieb setzt: Die Klänge sind nicht lange fremd, man ist schnell fasziniert von der anderen Welt des Schalls und der getragenen Tonsequenzen, die mit den Fingern der einen Hand angetippt werden, während die andere Hand den Deckel des Instruments hin und her bewegt. Die choralartigen Klänge bewegen die Zuhörer tief.

Barock und Exotik

Barockmusik für Flöte und Orgel hört man dagegen von Michaela Beha (Querflöte) und Markus Lommer (Orgelpositiv). Sie spielen zwei Sätze aus der Flötensonate C-Dur BWV 1033 von Johann Sebastian Bach in gefälliger und dennoch tiefsinniger Manier. Zwei Männer mit interessanten Instrumenten sind wiederum in einem anderen Raum: Der eine klopft mit beiden Händen abwechselnd rhythmisch auf einen runden Lampenschirm aus Glas, der andere spielt Khaen, eine laotische Mundorgel. Zusammen erzeugen Thomas Hahner und Franz Sales Tschetsch eine mitreißend fremde Klangmischung.

Der Abend hatte also viel mit Luft zu tun und mit der durch sie erzeugten Musik, die die Veranstaltung zu einem unvergesslichen Erlebnis machte.
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