21.11.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Premiere für Dorothea Prechtl im Kunsthotel Brunner Wo zur Hölle ist Gelb?

Der erste rote Punkt wurde kurz nach der Eröffnung auf einen Scherenschnitt geklebt. Verkauft. Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgte sogleich. Dorothea Prechtl eröffnete im Kunsthotel Brunner ihre erste Ausstellung.

Unter ihrem Eisbären kann sich Dorothea Prechtl entspannt zurücklehnen: Die Ausstellungseröffnung kommt bei den Gästen gut an.
von Dagmar WilliamsonProfil

Ein Wechselbad der Gefühle: Am liebsten hätte sie alles abgesagt, dann wiederum stieg die Vorfreude, immer untermauert von Ängsten. Diese wiederum hat Dorothea Prechtl gekonnt und damenhaft überspielt und sich am Ende doch sehr wohl gefühlt bei der Eröffnung ihrer Ausstellung. Erleichterung.

Die 66-Jährige nennt sich selbst eine Hobby-Künstlerin - eine leichte Untertreibung. 35 Exponate schmücken das Kunsthotel Brunner noch bis Mittwoch, 20. Dezember.

Im Frühstückszimmer hängt das Bild des Zornes "Where the fuck is yellow?". "Oh, da war ich grantig aufs Leben. Es entstand aus einem Wutgefühl", erzählte Prechtl. Die Leinwand hat es büßen müssen. Weder die Leinwand leidet, noch der Betrachter. Obwohl das Thema der Vernissage "Die Verlangsamung der Zeit" war, kann man des Künstlers Rage regelrecht beim Betrachten fühlen. Und je länger man davor steht - was zu einer Art Zeitstillstand führen kann-, desto hypnotischer wirkt diese moderne Kunst. Dennoch blieb Dorothea Prechtl ihrem Motto treu: realistische Hirsche im Schnee, Dave Dudley vom keltischen Ringwall - auch Seppi, die Dogge genannt, Vögel auf einem laubarmen Baum oder der Wecker im Glas und die passende horizontale Sanduhr laden zum Stehenbleiben ein. Hingucker.

Definitiv sind die Werke der Ambergerin Spiegelbilder ihrer Emotionen. Zwischen Lebensfreude, Farbspielerei und erlerntem Handwerk bietet die 66-Jährige ein breites Spektrum ihrer Vielfältigkeit. Inspiration kommt durch Reisen. Wie zum Beispiel zur Londons Flohmarkt-Meile Portobello Road. "Da laufen die kuriosesten Typen herum. So bunt und so viel Leben wollte ich auch auf die Leinwand bringen", sagte die Künstlerin bei der Vernissage selbst.

Sie liebt Kunst, ihr Favorit: Picasso. Auch Joseph Beuys beeindruckte sie mit seiner Aktion "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt". Wobei Prechtl diese schon als grenzwertig sieht. Absolut widerwärtig empfand sie die Ausstellung der serbischen Aktionskünstlerin Marina Abramovic, die sie in Dänemark besuchte. Diese wiederum provoziert und stößt mit masochistischem Verhalten und Gewaltverherrlichung an die Grenzen der menschlichen Empathie. Für die Ambergerin sollte Kunst das Gegenteil bewirken: Mehr Liebe unter den Menschen, weniger Kriege auf diesem Planeten.

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