16.04.2018 - 17:50 Uhr
Oberpfalz

Probe für neues Stück im Stadttheater Jugendtheaterclub lotet die Grenzen aus

"Ruhe dahinten", sagt Winfried Steinl energisch. Und als das nicht fruchtet, schreit er: "Ruuuuuhe!". Ihm ist es zu laut im Theater, eindeutig zu laut. Disziplin verlangt er nicht nur bei den Aufführungen, sondern auch schon bei der Probe. Selbst wenn mal so richtig der Wurm drin ist.

Mit dem neuen Stück "AN AUS AB Grenzen" wagt sich der Jugendtheaterclub erneut an eine Eigenproduktion. Vor den 14 jungen Leuten ab 16 Jahren und ihrem Spielleiter Winfried Steinl liegt noch jede Menge Arbeit: Feinschliff für die beiden Aufführungen im Mai im Stadttheater. Bilder: Petra Hartl (2)
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Der Jugendtheaterclub steht mal wieder auf der Bühne des Stadttheaters. Noch sind die Ränge leer, doch Disziplin fordert Regisseur Winfried Steinl jetzt schon von den jungen Leuten ein. Schließlich ist die heiße Probenphase und an den beiden Samstagen, 12. und 19. Mai, wird vor Publikum gespielt. Der Jugendtheaterclub, den es seit sechs Jahren gibt, wagt sich erneut an eine Eigenproduktion mit dem Titel "AN AUS AB Grenzen".

Man darf das, was die Jugendlichen inszenieren, getrost als eine sozialkritische Collage bezeichnen. Gezeigt wird, wie Menschen ausgegrenzt werden. Genauso aber, wie sie sich von anderen abgrenzen. Wie sie sich fragen, was andere gegen sie haben. Und warum? Mit großem pantomimischen Geschick agieren die jungen Leute auf der Bühne. Sie beißen herzhaft und genussvoll in imaginäre Leberkässemmeln, mimen Small Talk und verstauen ebenso souverän ihre ebenfalls fiktiven Einkäufe, während sie darüber sinnieren, warum auf dem Land einfach alles besser ist. Weil der Sonntag nach Braten riecht. Und nach Kompott. In der Stadt hingegen, da flitzen gehetzte Menschen hin und her. Die Darsteller tun so, als hielten sie sich Telefone ans Ohr, während sie kreuz und quer über die Bühne laufen. Oder sie mimen das Tippen in ihre Smartphones. Doch selbst auf dem Land ist die Welt nicht heil. Die Dörfer veröden, Maschinen ersetzen den Menschen. Das Klima wird kälter.

Die Stühle müssen weg

Noch ist nicht alles perfekt, was die jungen Leute zeigen. Und diesbezüglich ist Winfried Steinl, der erfahrene Regisseur unerbittlich. "Halbkreis auflösen", tönt es in einer Szene aus dem Parkett. Die Anweisung des Spielleiters setzt das Team sofort in die Tat um. Und dann wäre noch das Problem mit den zwei übrig gebliebenen Stühlen auf der Bühne zu lösen. "Die müssen weg", macht Steinl klar. Ein Darsteller verpasst seinen Einsatz, der andere ist zu leise. Winfried Steinl geht beim Feintuning akribisch ans Werk.

Im Oktober hat der Jugendtheaterclub mit dem neuen Stück begonnen. Wobei zunächst das Grundlagentraining im Vordergrund stand. "Nach einer Romanvorlage wollten wir wieder eine Eigenproduktion machen." Deshalb musste sich das Team auf der Suche nach passenden Texten machen. Fündig wurden sie unter anderem bei Rainer Maria Rilke und Erich Kästner. Aber auch bei Josef Wittmann, einem Lyriker und Schriftsteller. "Er hat vieles im oberbayerischen Dialekt verfasst, das mussten wir erst ins Hochdeutsche übersetzen", erklärt Steinl. Und so ergab sich das Thema, wie Menschen miteinander umgehen. Die angrenzende Nachbarschaft spielt ebenso eine Rolle wie Grenzüberschreitungen. Es geht um Abgrenzung, aber auch darum, wie andere ausgegrenzt werden. Auf der Bühne lamentiert einer der Akteure, dass er einen Hundehaufen vor seiner Tür fand. Das juckt die anderen nicht. Ein weiterer beklagt, ihm sei die Scheibe eingeworfen worden. Der Glaser winkt ab, in den nächsten drei Wochen habe er keine Zeit für die Reparatur.

Die jungen Darsteller auf der Bühne spielen munter weiter. Doch in einer Szene ist so richtig der Wurm drin. "Fangt's halt noch mal von vorne an", schlägt Steinl vor. "Das ist aber auch schwer", versucht sich einer der Darsteller zu rechtfertigen. Hilft nichts, Winfried Steinl ist unnachgiebig. Für ihn hakt es noch zu sehr an vielen Ecken und Enden. Wer Winfried Steinl kennt, weiß, dass er erst zufrieden ist, wenn alles sitzt und wie am Schnürchen klappt. Das ist auch längst den 14 Darstellern bewusst. "Da gibt es noch einiges an Kleinarbeit zu tun", sagt Steinl.

Ohne den Holzhammer

Der von ihm geleitete Jugendtheaterclub wird eine sozialkritische Collage zeigen, in der kein moralischer Holzhammer geschwungen wird. Sondern eine Inszenierung, die durchaus viel Humor, ja fast schon Gaudi verträgt, und bei der nicht der Pessimismus die Oberhand gewinnt, sondern auch optimistische Töne zu hören sind. Auch wenn Winfried Steinl an diesem Probenabend einiges zu kritisieren hat, vollauf zufrieden ist er mit dem Licht, für das Thoralf Kotlenga verantwortlich zeichnet. "Er ist für uns eine tolle Unterstützung", freut er sich Steinl über das Engagement des Stadttheater-Mitarbeiters.

Derweil quälen sich die jungen Akteure nochmals durch besagte Szene. Nach ein paar Anläufen klappt's endlich. Und auch ihr Regisseur ist zufrieden - für diesen Probentag.

Termine & Tickets

Das Stück "AN AUS AB Grenzen" führt der Jugendtheaterclub des Stadttheaters an zwei Samstagen im Stadttheater auf: am 12. und 19. Mai. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigte Karten gibt es für sechs Euro. Die Tickets können bei der Tourist-Info (10-1233) und an der Abendkasse im Stadttheater. (san)

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