18.07.2017 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Reiner Zitta stellt im Amberger Kulturstift aus Wenn aus Abfall Kunst wird

Ein Phänomen der Gegenwart: Die Wegwerfgesellschaft. Minderwertige Ware, Massenprodukte, primitiv wirkende Inhalte. All das widerstrebt Reiner Zitta und er verdeutlicht seine Ansicht mit seinen Werken. "Magst du was zu deiner Kunst sagen?" Vorstandsvorsitzender des A.K.T. Kunstvereins Hans Graf bittet den Künstler um ein paar Worte. "Nee", antwortet der Künstler. Sein Jargon: Fränkisch. 1944 geboren im Sudetenland ist Reiner Zitta in seinem Charakter gefestigt. Fast ein wenig berlinerisch, aber ohne Grobheit. Jetzt residiert er in der "Alten Mühle" in Altdorf bei Nürnberg.

"Des mua ma scho kinna!" A.K.T. Vorstandsvorsitzender Hans Graf (links) und Reiner Zitta (rechts) unterhalten sich über das bewegte Leben des Künstlers. Bild: Williamson
von Dagmar WilliamsonProfil

Auferstandener Plunder

Reinkarnation ist für ihn nicht nur ein Wort mit religiösem Hintergrund. Zitta spielt Gott und lässt Plunder wieder auferstehen - haucht Leben in ein Stück Pappe, Draht oder Holz. "Menschen sind fasziniert von glatten Oberflächen. Alles muss sauber sein. Aber das ist falsch. Es ist eine Denaturierung!", fast erbost empörte sich der 73-Jährige über den Otto Normalverbraucher.

Seine Kunst ist ein Protest gegen die erwünschte Oberflächenstruktur. "Das Angebot der Bequemlichkeit geht ganz stark in Richtung Verdummung." Saubermänner mag er wohl nicht, auch zeigt er eine Abneigung gegen die gesellschaftlichen Regeln und Lebensformen. Er könne es einfach nicht sehen, wenn Dinge weggeworfen werden. Manchmal zucke er selbst zusammen, wenn er von sauberen Räumen nach Hause zu seiner Sammlung käme. Hans Graf erklärt "Reiner wohnt wie er Kunst macht: Ganz schwer zu finden. Da hilft auch kein Navi."

Als Kind wurde er religiös geprägt, eine wechselvolle Jugend erwartete ihn in Hof. Die Aufbruchstimmung der späten sechziger Jahre erlebte er als Kunststudent. Er reißt "Witzla" und macht ein "Späßle" und trotzdem ist er ein sehr Nachdenklicher. Gespräche mit Freunden beinhalten meist philosophische Themen - vor allem aber redet er gern über den Sinn des Lebens.

Spaß im Leben

Auch das spiegelt sich in seinen Werken wider, die derzeit im Amberger Kulturstift (Neustift 47) zu sehen und zu erwerben sind. Die Architektur seiner Heimat gestaltete Zitta aus einer alten Tür: Zwei Türme rechts und links und die Stadtmauer schützen die Kirche. Über dieser kreist das Firmament, aber nicht mit den üblichen Heiligen. "Ach, damit es nicht so ernst ist. Man braucht Spaß im Leben, deswegen schweben dort Spaßfiguren". Ein boxendes Kleinkind, das es laut dem Künstler ganz schwer erwischt hat - gebaut aus Pappmaché. Sakral hängt es mittig, auf es herab blicken zwei Grimassen. Zwei alte Fackeln bilden die Basis eines Segelflugzeuges. Der "zentrale Umkreisgestalter" macht seinem Namen alle Ehre.

Zu den ersten, die Abfälle und Materialreste in ihre Bilder integriert haben, zählen Georges Braque und Pablo Picasso. Wie Reiner Zittas Werke, liegen auch deren Arbeiten ein gesellschafts- und konsumkritischer Subtext zugrunde. Zur innerlichen Einkehr animiert das eine oder andere Stück allemal. Das Ziel, den etablierten Kunstmarkt zu provozieren, erreichte Zitta so mit Bravour.

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