18.09.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Saison-Auftakt im Amberger Stadttheater: "Treue ist auch keine Lösung"

Die Liebe mit ihren Irrungen und Wirrungen ist seit den Zeiten, als Homer seinen Odysseus auf Circe treffen ließ, ein unerschöpfliches Thema. Die Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy hat zu diesem auch ein Stück abgeliefert, in dem drei Freundinnen beim Mädelsabend in Erinnerungen schwelgen.

Zu wenig Zündstoff bot das Stück "Liebeslügen" im Amberger Stadttheater. Die drei Hauptdarstellerinnen - von links Jasmin Wagner, Anke Fiedler, Sandrine Guiraud, - sorgten aber trotzdem für einen vergnüglichen Abend. Bild: Steinbacher
von Johann FrischholzProfil

Komödie möchte man allerdings das Werk "Liebeslügen", das am Samstag im Stadttheater zu sehen war, im nicht unbedingt nennen, dafür waren die Pointen zu spärlich und ungenau gesetzt. Konversationsstück trifft es besser. Das Darstellerinnen-Trio müht sich redlich durch eine kaum vorhandene Handlung und erntet nur hin und wieder einen Lacher. Die Unterhaltung erweist sich zunächst als recht zäh, nimmt dann zu Beginn des zweiten Teils ein wenig Schwung auf und klingt am Ende wieder ruhiger aus.

Verruchter Untertitel

"Treue ist auch keine Lösung" lautet der etwas verruchte Untertitel und deutet schon an, auf was sich die Zuschauer da eingelassen haben. Ein Wort-Ping-Pong zum Thema "Wer betrügt wen und mit wem?". Wie konnte es passieren, dass Birgit, gespielt von Jasmin Wagner, schwanger wurde, obwohl ihr Gatte zeugungsunfähig ist? Warum hat Anke Fiedler alias Nathalie trotz häufig wechselner Sexualpartner noch keinen Mann fürs Leben gefunden? Solche Fragen zotenfrei zu diskutieren ist schon eine Leistung für die man Ildikó von Kürthy dankbar sein sollte. Allerdings ist der komplexen Beziehungskiste ohne Anzüglichkeiten kaum beizukommen, weshalb die Komödie nur mit gebremstem Humor glänzen kann - und manchesmal, wenn wieder eine besonders pikante Wahrheit aufgedeckt wird, sogar einen Hang zur Tragödie entwickelt.

Und auch die treusorgende Ehefrau und Mutter Julia, von Sandrine Guiraud glaubhaft dargestellt, die zur Überwachung ihres Nachwuchses ihr Babyfon mitgebracht hatte - das später noch für peinliche Momente sorgen würde - hat Abgründe in ihrem Lebenslauf aufzuweisen, wenn auch etwas diskreter verpackt als die ihrer Freundin Nathalie.

Das Muster des Stücks ist klar und auch nicht neu: Erstens man nehme drei Damen in den Dreißigern, deren Charaktere völlig konträr sind. Man fragt sich, wie konnten aus derart verschiedenen Frauen eine Freundschaft entstehen. Aber das liegt vor allem daran, dass sie sich gegenseitig über Jahre hinweg falsch eingeschätzt haben. Zweitens lasse man die Einstellungen zum Leben, zur Liebe und zur Treue, die sie in den vergangenen Jahren entwickelt haben, offenbar werden und völlig unvermutet aufeinander treffen.

Fehlender Funke

Das gibt Zündstoff für eine Screwball-Komödie erster Gute und wurde auch schon oft erfolgreich in den Theatern der Welt und auch im Film umgesetzt, aber in der Inszenierung von Regisseur Andreas Kaufmann fehlt der Funke, der die Dialoge scharf und witzig macht, der den tragischen Humor, der in den Lebensentwürfen der Protagonistinnen angelegt ist, zum aufblitzen bringt.

Die drei Darstellerinnen Sandrine Guiraud, Anke Fiedler und Jasmin Wagner, retten, was zu retten ist. Ihnen ist es zu verdanken, dass aus den "Liebeslügen" ein einigermaßen vergnüglicher Theaterabend wird, zum ersten Höhepunkt der neu eröffneten Spielzeit taugt es allerdings nicht.

 

 

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