25.04.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Schultheater am Erasmus-Gymnasium: Pilatus selbstherrlich und witzig

Peter Seidl, bis Februar noch Direktor des Erasmus-Gymnasiums und nun im Ruhestand, hat gewissermaßen sich selbst und seiner Schule zum Abschied die Neuauflage eines Theaterstücks geschenkt, das er 1992 am Gymnasium Neubiberg konzipiert hatte.

Peter Seidl hatte sich das "Innsbrucker Osterspiel" als Grundlage genommen. Er modernisierte die Sprache, fügte zeitgemäße Anspielungen und slapstickartige Handlungselemente hinzu - und versah das Ganze mit einer Reihe von Songs, die live vorgetragen wurden; unterstützt wurde er bei der Aktualisierung von Mitgliedern der engagierten Theatergruppe. Bild: Hartl
von Autor RPEProfil

Seidl hatte sich das Innsbrucker Osterspiel, das vor 700 Jahren in Thüringen entstand, als Grundlage genommen; es geht darin um teils in der Bibel erwähnte, teils frei erfundene Ereignisse, die sich um die Auferstehung Christi drehen. Die musikalische Begleitung kam von der schwungvollen Lehrerband.

Niklas Bauer verlieh der Figur des Kaiphas - sowie danach auch der des Salbenhändlers und des Petrus - eine wunderbare komödiantische Präsenz, und Johann Schneider war ein selbstherrlicher Pilatus (und später ein überzeugender Thomas). Natürlich haben die daraufhin als Wachen abgeordneten Actionhelden (Michael Meckl, Katinka Himmelhuber, Niklas Bauer, Johann Schneider) keine Chance gegen himmlische Mächte.

Der Auferstandene (ruhig und würdevoll dargestellt von Randell Sliman) begibt sich sogleich in die Hölle, um die dort Festgehaltenen aus der teuflischen Gefangenschaft zu befreien, allen voran das rettungslos zerstrittene Paar Adam (Michael Meckl) und Eva (Lisa Brandel). Diesen Personalverlust will sich Oberteufel Luzifer (Gizem Göz, Leyla Hamaloglu) nicht gefallen lassen, und so schickt er seine Unterteufel aus, um neue Seelen für die Hölle zu fangen (Victoria Eckroth, Maritta Singer, Hanna Theiss, Lisa Brandel, Ceyda Hos, Andrea Anthofer).

Leichte Beute für die Teufel findet sich reichlich, unter anderem der Salbenhändler Unguentus Quackus (Niklas Bauer), der kein einziges Fremdwort richtig verwendet, aber jedes Mal prompt von seiner Frau (Andrea Anthofer, Ceyda Hos) verbessert wird. Quackus stellt einen Gehilfen ein, den verschlagenen Rubin (mit rabiatem Charme: Michael Meckl), der sich sogleich vornimmt, bei erstbester Gelegenheit die Kasse zu plündern. Doch zunächst muss er sein Verkaufsgeschick unter Beweis stellen, und da kommen die drei Frauen gerade recht, die eine Salbe zum Einbalsamieren erwerben wollen (Sandra Weiß, Christina Metz, Viktoria Eckroth). Rubin führt das Verkaufsgespräch so tölpelhaft, dass Quackus ihn wutentbrannt hinauswerfen will - doch seine Frau hat ihrerseits ein Auge auf den dynamischen Rubin, und so wird Quackus kurzerhand mit seinen eigenen Ingredienzien ins Jenseits befördert.

Die drei Frauen erhalten nun die Nachricht, dass das Grab bereits leer sei - und vor allem Maria Magdalena, "Ex-Sünderin, jetzt fromm" (wie es im Programmheft heißt), ist enttäuscht darüber, denn sie wäre so gern ihrem Meister noch einmal begegnet. Diese anspruchsvolle Passage gelang Sandra Weiß mit schöner Ernsthaftigkeit. Doch lange bleibt es nicht ernst: Schon gibt es eine Live-Übertragung auf RadioTele Galiläa zu verfolgen, eine Radiostation, die den als Sport-Event aufgemachten Wettlauf der Jünger Petrus und Johannes zum Grab kommentiert (Niklas Bauer, Michael Meckl; am Mikrofon: Felicitas Groth, Maritta Singer).

Nicht unerwähnt bleiben soll der Engel mit dem Tablet (Marie Siegler), der teils als Auskunftsbüro, teils als Bodyguard für Jesus, für Ordnung sorgt. So auch am Ende, als der Auferstandene rechtzeitig auf die Bühne kommt, um Maria Magdalena zu trösten und dem ungläubigen Thomas zum Glauben zu verhelfen.

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