Selten gewordene Tradition lebt in Basilika St. Martin
Neujahrsanblasen klingt im Gotik-Gewölbe doppelt gut

Zwölf verschiedene Musik-Stationen beinhaltet das Programm des Neujahrskonzerts in der Basilika St. Martin auf. Mitwirkende sind das Trompeten-Ensemble Zephir, Kirchenmusiker Bernhard Müllers und Schlagzeuger Christoph Indrist. Sie spielen kleine Melodien und überraschende Variationen, entweder im Bläser-Klang oder mit Alphörnern und dann auch als Orgelsolo oder Schlagzeug-Einlage - immer gut aufeinander abgestimmt. Bild: gf
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
08.01.2018
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Eine seltene Tradition ist das Neujahrsanblasen. Musiker ziehen von Haus zu Haus und überbringen Glückwünsche fürs neue Jahr. Am Vorabend des Dreikönigsfestes übernimmt das Trompetenensemble Zephir mit Kirchenmusiker Bernhard Müllers an der Orgel und Schlagzeuger Christoph Indrist aus Bregenz diesen Brauch.

Von Marielouise Scharf

Amberg. Beim Neujahrskonzert in der Basilika St. Martin spielten die Musiker Werke von Richard Strauss, Marcel Dupré, Felix Mendelssohn Bartholdy, Charles-Marie Widor und anderen, meist modernen Zeitgenossen. Die Musiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zogen also quasi von Stück zu Stück und beschenkten die Besucher mit ihrem fantastischen Spiel. Im leicht abgedunkelten Kirchenschiff leuchteten die Kerzen an den Christbäumen, und der Stern mit dem Schweif funkelte im Gotik-Gewölbe hoch über dem goldschimmernden Altar. Schon die Atmosphäre nahm gefangen.

Spezielle Basilika-Akustik

Doch die spezielle Akustik in der Basilika rief noch mehr Begeisterung hervor. Klang und Nachhall verschmolzen zu einem großen Ganzen. Als mit strahlenden Trompetenklängen, gewaltigem Orgel-Einsatz und mit Schlagzeug-Unterstützung der feierliche Einzug (Richard Strauß) von der Empore ertönte und zum Schluss ein gewaltiges Klanggewitter (Symphonie f-Moll, 5. Toccata) über das ehrfürchtige Publikum hereinbrach, dann lagen dazwischen gut 75 Minuten mit kleinen, fein ausgewogenen Musik-Kostbarkeiten, von denen Georg Birner einige eigens für das Ensemble arrangiert hatte. Wie zum Beispiel "Flowerdale" von Philip Sparke. Ein musikalisches Landschaftsbild aus Schottland, voll Romantik und Harmonie. Oder auch Christian Mühlbachers Komposition "Dahaam" hatte er für die Bläsergruppe transkribiert. Diese spielte wie aus einem Guss. Laute und leisere Töne, sanfte und starke Melodien, harte und weiche Töne, die Blechbläser beherrschten den samtigen Ansatz genauso wie die harte Nummer, die grelle Höhe, die den Nerv traf und doch so großartig feinfühlig geblasen war. Hier zeigten die Zephir-Musiker Patrik Arnold, Georg Birner, Michael Feldner, Johannes Kellermann, Patrick Lorbach und Christina Schauer, dass sie ihr Blaswerk beherrschen und einen eigenen, unverwechselbaren Klang finden.

Den meditativen Zauber steuerte Christoph Indrist mit drei Marimba-Soli dazu. Unverzichtbar war sein Trommeln beim zentralen Werk des Abends, bei dem alle Musiker mitwirkten und von der Empore aus das sinnlose Sterben auf den Schlachtfeldern der Weltkriege, allen voran in Verdun, künstlerisch-akustisch erfahrbar machten. Anlässlich des Endes des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren erklang die Originalkomposition Poème Héroïque op.33 von Marcel Dupré für Blechbläser, kleiner Trommel und Orgel, die der Komponist 1935 zum Gedenken an die Gefallenen komponierte. Bei diesem Stück liefen dem atemlos lauschend Publikum Schauer über den Rücken.

Zwölf Stationen

Zwölf Musik-Stationen wies das Programm auf, kleine Melodien und überraschende Variationen, mal im Bläser-Klang, mal mit Alphörnern, dann auch als Orgelsolo oder Schlagzeug-Einlage - stets gut abgestimmt und mit langem Atem geblasen. Ohne Zugabe durften die Künstler nicht nach Hause. Donnernden Applaus zollte das Publikum nach dem zarten "Guten Abend, gute Nacht".
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