"Sonics" im Amberger Stadttheater
Traumgestalten aus einer anderen Welt

Die Gruppe "Sonics" zeigte atemberaubende Akrobatik. Bild: Steinbacher

"Duum" ist lautmalerisch und bedeutet "Sprung". Gemeint ist damit der Sprung an die sonnenlichtdurchflutete Oberfläche unseres Planeten, von den Bewohnern des unterirdischen Reichs Agharta. So kurz und knapp lässt sich der Inhalt des gleichnamigen Showprojekts der Gruppe "Sonics" aus Turin zusammenfassen.

Was die italienischen Schauspieler, Tänzer, Akrobaten und Gymnastikkünstler auf die Bühne des Stadttheaters zaubern, ist wesentlich komplexer und vor allem nicht so nüchtern zu betrachten, wie es der kurze Titel suggeriert. Unter Regie von Antonio Villela und Alessandro Pietrolini, die aktiv an der Aufführung teilnehmen, entspinnt sich ein Geflecht von ineinander übergehenden, höchst ästhetischen Tanz-Choreografien und atemberaubenden Akrobatik-Nummern. Sogar die Umbauten werden ins Programm mit einbezogen und erfolgen mit spielerischer Leichtigkeit.

Begnadete Körper

Leicht sind die einzelnen Teile des Programms, die ein ums andere Mal den Atem anhalten lassen, bestimmt nicht, auch wenn es so aussieht. Da steckt jahrelange Tanz- und Artistik-Erfahrung und ständiges Training dahinter. Die Kostüme aus der Werkstatt von Ileana Prudente und Irene Chiarle entblößen die begnadeten Körper mehr, als sie sie bedecken. So sind die gut definierte Muskulatur der Akteure bei ihren bewundernswerten und schier unglaublichen Verrenkungen zu bewundern.

Die musikalisch-poetische Akrobatik-Show wurde im Mai 2012 im "Teatro Nuovo" in Turin uraufgeführt und ist seither erfolgreich in mehreren Ländern gezeigt. Die darstellerische Routine, die dabei von den Regisseuren und ihrem Team, bestehend aus den Artisten Claudio Bertoloni, Artut Cacciolari, Jessica Pioggia, Federica Vaccaro und dem Schauspieler Micol Veglia - der die Rolle des Architekten Serafino, der die Gerätschaften für den Aufstieg in unsere Oberwelt entwirft, übernimmt - entwickelt wurde, ist in jeder Sekunde spürbar. Der Drang zur Perfektion treibt die Darsteller an und lässt keinen Gedanken an die Anstrengungen aufkommen, denen sich die Künstler bei ihrem Auftritt unterwerfen.

Musik speziell für "Duum"

Auch zwei Teammitglieder, die für das Publikum unsichtbar bleiben verdienen höchstes Lob: Zum einen Daniel Saraceno, der für Licht und Spezialeffekte zuständig ist und einen wahren Lichterrausch auf die Bühne zaubert, in dem die Akrobaten als Traumgestalten aus einer völlig anderen Welt erscheinen. Zum zweiten Komponist Sergio Mari, der die höchst dramatische Musik speziell für "Duum" geschrieben hat.

Eine derartig gut konzeptionierte Show kann nur auf die Bühne gebracht werden, wenn alle Beteiligten voll konzentriert zusammenarbeiten und sich blind verstehen. So ist "Duum" zwar einer Idee des künstlerischen Leiters Alessandro Pietrolini zu verdanken, wäre aber ohne sein großartiges und höchst engagiertes Team unmöglich umzusetzen. Das Publikum im Stadttheater sieht es wohl genauso. Als Indikator hierfür kann der begeisterte Schlussapplaus herangezogen werden, den die Künstler nach anderthalb Stunden Tanz und Akrobatik vom Feinsten einheimsen.
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