22.01.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Sophie Pacini (25) präsentiert bei der Konzertreihe der Stadt Schubert, Chopin und Schumann: Rallye flinker Finger

Ihr sportliches Outfit suggeriert, die Münchener Pianistin käme geradewegs aus dem Fitness-Studio ins Stadttheater. Für das anspruchsvolle Programm mit Schubert, Chopin und Schumann tut Training Not für die Finger, aber auch für Kopf und Herz.

Alle Achtung: Sophie Pacini (25) hat - gemessen an ihrem Alter - schon eine beachtliche Reihe an Erfolgen eingefahren, dies legt die Messlatte auch in der Provinz hoch, Ehrensache! Bild: Hartl
von Peter K. DonhauserProfil

Sophie Pacini beweist mit souveränem Auswendig-Spiel ihr zuverlässiges Töne-Gedächtnis. Wenn das Herz Sitz der Gefühle ist - ihres kann wohlig warm bis fiebrig heiß, aber nie kalt sein: Ein akademisch an den Buchstaben klebendes Klavierspiel, das zwar alles richtig machen will, aber unter emotionaler Dürre leidet, liegt ihr fern. Dennoch wirkt die Balance zwischen analytischem Intellekt, kontrollierter Emotion und dienstbarer Spieltechnik an diesem Abend nicht so ganz ausgewogen: Fixe Finger stehen zuoberst auf dem Siegerpodest, bei den schnellen Sätzen reißen sie die Musik wie im Sog mit sich nach vorne.

Angst vor Stille

Klang-Unterschiede zwischen Melodie und Begleitung verschatten. Ohne viel Punkt und Komma scheint der Mund überzugehen, wenn das Herz voll ist. Dazu kommt reichlich Pedalnebel, wie bei den Punktierungen (1. Satz) und Triolen-Läufen (3. Satz) in Schuberts a-Moll-Sonate D 784, bei Chopins Polonaise-Fantasie As-Dur op. 61, bei den Tonleitern in Schumanns Carnaval op. 9 (Préambule), bei den teuflisch schweren Oktaven im "Paganini".

Generell scheut die Pianistin Pausen im Notentext. In Schuberts 1. Satz häufen sie sich. Ein Bild, wie dem unheilbar erkrankten Komponisten schier die Worte im Hals stecken bleiben: Halbe Note plus Achtel - Pause. Zu hören sind zwei halbe Noten, wenig Unterschied zwischen gebunden und getrennt. Worte und Sinn der Schubert'schen "Klangrede" ändern sich. Das Hadern Schuberts mit dem Schicksal wird geschönt.

Schumanns Masken

Chopin spielt Pacini mit überbordendem Rubato, sie dehnt und verkürzt Rhythmen, da gerät schon mal die Physiognomie eines Motivs, ja das Takt-Metrum in Gefahr. Nicht vergessen seien ihre Erläuterungen zur Idee des Programms, zu Schumanns kontrastreich gespielten Intermezzos op. 4, zu seinem "Carnaval".

Gerne hätte man das Motiv mit den vier Tönen "A-(E)s-C-H", das diesen prägt, vorweg gehört. Gern hätte man Hilfe bekommen, die 22, wegen der Spannung im Verbund, gespielten Stücke auch ohne Noten klar zu identifizieren. Plastisch gestaltet Pacini die Rollen, in die Schumann schlüpft: Den lethargischen Adagio-Eusebius, der mit seinen Rhythmus-verschleiernden Septolen und Quintolen nicht so recht weiß, wohin er will. Den kühn auftretenden Passionato-Florestan, den pompös gespielten Marsch der Davidsbündler. Viel Applaus für die Pianistin mit den virtuosen Fingern, darauf ihre viel erprobte Zugabe, die 6. Ungarische Rhapsodie von Liszt.

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