09.02.2018 - 20:10 Uhr

Sparda-Bank-Kunstpreis 2017 in der Alten Feuerwache Amberg Ausdrucksstarke Gegensätze

Man nehme einen Charakter aus einem Film oder findet vergilbtes Papier im Atelier; eine sinnfreie Übersetzung oder eine einfache Fotografie - preisgekrönt sind alle Künstler, die jetzt in der Städtischen Galerie "Alte Feuerwache" in Amberg ausstellen.

Ambergs Filialleitung der Sparda-Bank Sabine Seberak und Vorstandsvorsitzender Georg Thurner, Preisträger Barbara Muhr, Jonas Höschl, Johannes Steubl, Johanna Brunner, Referatsleitung Wolfgang Dersch und Kulturamtsleiter Thomas Boss sind verantwortlich für eine gelungene Ausstellungseröffnung in der Alten Feuerwache in Amberg. (Bild: dwi)
von Dagmar WilliamsonProfil

Die Arbeiten sind gleichermaßen geheimnisvoll und rätselhaft wie allgemeinverständlich. Der erste Blick trügt, und man muss schon vor den Werken verweilen, um das Wesentliche zu durchschauen. Nicht zuletzt deswegen sind vier junge Künstler in der" Alten Feuerwache" mit dem Kunstpreis der Sparda-Bank ausgezeichnet worden. Neu in diesem Jahr ist das Konzept der Sparda-Bank-Stiftung: Keine Themenvorgabe und vier Preisträger. Aus 13 Bewerbungen konnten sich die folgenden Schöpfer hervorheben:

Gesellschaftliche Missstände versucht Jonas Höschl fotografisch festzuhalten. In Zeiten der Digitalisierung ist ihm dennoch bewusst, dass eine objektive Darstellung des Zugetragenen schwierig ist - der Wahrheitscharakter gehe verloren. "Rave 1/2" hat die fünfköpfige Jury überzeugt.

Eine Kaltnadelradierung stellt die hedonistische Momentaufnahme feiernder Menschen in der freien Natur dar. Tanzend und lachend auf einer Wiese zwischen hohen Gräsern verleiht das Werk ein Gefühl der Leichtigkeit und Naivität. Höschl hat eine Hand für das Zeitgemäße. Leider ist sein "Selbstportrait in Handschellen" nicht ausgestellt - ein phänomenales und ausdrucksstarkes Werk, das den Charakter der erwachten Millennials präzise auf den Punkt bringt.

Sinnfreie Übersetzung

Ebenfalls der Fotografie widmet sich Johanna Brunner. Die 29-Jährige studiert an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und verbrachte einen Monat in Ghana. Dabei entstand die Momentaufnahme "No drowning". "Ich war sofort angetan von dieser sinnfreien Übersetzung und fand es zugleich irgendwie charmant", sagt Brunner. Im Hochformat ist ein Ausschnitt des Pools und des Hotels zu sehen. Mintgrün und Abstufungen dessen nehmen den größten Teil des Bildes ein; dabei fällt sofort das Schild "No drowning" im oberen Drittel der Fotografie ins Auge - eine Madonna wacht darüber. Dabei enthält diese Stille ebenfalls etwas Geometrisches. Rechteckige, dunkle Fenster, zwei Überdachungen und der Pool teilen die Blickpunkte in drei fast gleichmäßige Flächen auf.

"Stille Wasser sind tief"

Mischtechniken sind die Kennzeichen von Barbara Muhr. Ihre Darstellungen erhalten durch Acryl, Öl und Klebebänder einen collagenartigen Charakter und vereinen Abstraktes mit Realem. Muhr personifiziert das Sprichwort "Stille Wasser sind tief". Gegensätze sind ein Prinzip, dem sie in fast all ihren Werken treu bleibt. Die Verbindung von schön und hässlich, junges Leben und Tod, dem Greifbaren und Halluzination verleitet zum Träumen.

In "Sweet dreams" ist der erschreckende Pale Man aus dem Film Pans Labyrinth zu erkennen. Seine Farbgebung gleicht sich dem Hintergrund stufenartig an und erweckt den Eindruck des plötzlichen Erscheinens des Grauens. Prägend hingegen wirkt das Mädchen, das dem Betrachter den Rücken zukehrt. Man kann nur mutmaßen und von sich auf das menschliche Wesen schließen.

Wenn Johannes Steubl schöpferisch tätig wird, verbindet er Wissenschaft mit Kunst. Ein Blatt altes Büttenpapier fiel ihm in seine Hände und daraus entstand "Der Nekromantie-Nihilist". Auf zusammengestückeltem Millimeterpapier findet man die Alchemie des Mittelalters; darüber das gespiegelte Fossil eines Krebses. Abstraktion und Formeln aus Chemie, Physik oder der Mathematik sollen dazu auffordern, Entstehung und Dahinscheiden fächerübergreifend zu ermitteln.

Steubl prangert somit die Wahrnehmung der einzelnen Forschungsgebiete der Wissenschaft an. "Er hat den ersten Preis verdient, da er einfach alle Kriterien mit Bravour erfüllt hat", erklärt Kulturamtsleitung Thomas Boss. Dennoch sei die Entscheidung schwer gefallen, da alle Künstler "das gewisse Etwas" in ihren Werken zeitgemäß darstellen.

Sehenswert und faszinierend ist die Konzeption der Ausstellung. Das visuelle Ganze berührt die Sinne in der Galerie bis zum 11. März.

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Weitere Informationen:

https://stadtmuseum.amberg.de

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