Stadtbibliothek Amberg feiert 70. Geburtstag mit Fünferl-Ensemble
Herrliches Durchanand auf der Bühne

Ein großartiger Kleinkunst-Abend: Listig, launig, lustig spielt "Fünferl" im Innenhof der Stadtbibliothek das Erfolgsprogramm "Um a Fünferl a Durchanand". Bild: exb

Mit Leichenbittermiene kommen sie herein, die zwei Herren in Schwarz. Der eine hält ein Kinder-Xylofon in den Händen, der andere ein knallrotes Mini-Klavier. Lockerungsübung, Atemgymnastik und das herrliche "Durchanand" im sommerlichen Innenhof der Stadtbibliothek beginnt.

Gute zwei Stunden werden mit Posaune, Trompete, Trommel und Tuba alle wesentlichen Themen behandelt. In Texten und Sketchen geht es um Leben, Liebe und Tod, um die Unpünktlichkeit der Bahn und die Nahrungsquelle von Aalen. Das Fünferl-Ensemble eröffnet mit seinem musikalisch-literarisch-theatralischen Programm "Um a Fünferl a Durchanand" das Feierwochenende zum 70. Geburtstag der Stadtbibliothek Amberg.

Chaotisch und erotisch

Ein außergewöhnlicher, aber gelungener, wenn auch etwas chaotisch-erotisch-philosophisch-katastrophischer Abend ist das, bei fast Vollmond und herrlichen Sommertemperaturen. Die vier Fünferl-Leute sind Vollblutkomödianten. Das haben sie schon vielfach auf Bühnen, in Film- und Fernsehauftritten bewiesen: Johanna Bittenbinder, (wortgewaltige Textautorin und Sängerin) ist bekannt aus dem "Tatort" und Spielfilmen von Marcus H. Rosenmüller.

Ihr Ehemann Heinz Josef Braun, (Trompete, Gitarre, Rezitator und Komponist extravaganter Blasmusik-Stücke) war jahrelang bei der Gruppe "Haindling" und spielte unter anderem in "Wer früher stirbt, ist länger tot". Der Dritte im Bunde, der Sizilianer Sebi Tramontana, (Jazzer und quirliger Musik-Komödiant) studierte Posaune und gehört im Bereich der improvisierten Musik zu den herausragenden Solisten. Und dann ist da natürlich noch Andreas Knoll vom "Valentin Musäum", (blöd- bis tiefsinnige Überleitungstexte und Tuba). Ihn kennt man noch von Krimilesungen mit Udo Wachtveitl.

Makaber und amüsant

Morbide, makaber und amüsant, ob mit Hüatl oder Regenschirm, Kopftüchl oder Schnurrbart, im Tango- oder Rumbarhythmus, mit jazzig-bayerischer Blasmusikfolklore oder festlich-frommen, weihnachtlichen Glockenklängen, die vier blasen und plaudern, dass das Publikum aus dem Lachen nicht mehr rauskommt. Sie begeistern mit einem gezwitscherten Balz-Drama für drei Musiker plus Blechmusik unterm Herzkirschenbaum und verabschieden sich mit der leicht anrüchigen "Bandlwurm-Ballade". Dazwischen packen sie ihr Wissen vom Würm-Aal und seinen Fressgewohnheiten - was irgendwie mit dem Ableben des "oiden Mühltaler, der im Würmsee dasuffa is" zu tun hat. Makaber wird die Geschichte deshalb, weil der tote Großvater von seinen Enkeln nicht aus dem See geborgen wird, weil er als gute Nahrungsquelle für Aale dient und diese wiederum in der Großstadt verkauft werden können.

Weiter geht es zu Alois, der die Damen erotisch verzaubert, "wenn seine Schnurrbartspitzeln beim Küssen kitzeln...." Die W-Wörtererzählung berichtet von der willigen Waltraud und anderen "wuiden Woidweibern; von Weißwürscht, wollenen Wegweiser und weniger werdenden Wartehäusl". Die winselnde Posaunen-Performance dazu liefert der feurige Sizilianer. Reduziert im Spiel und saftig im Text, die G'schicht von der "Wildmoserin", die nach München zu einem Rechtsanwalt eilt, weil es ihr Mann "mit der Magd hat". Das Ende vom Lied? Keine Scheidung aber glühende Liebesbriefe vom Advokaten.

Können und Charme

Es folgen die Umdeutung des Originals von Adolf Gondrell zur "Münchnerin im Himmel" und Bally Prells "Schönheitskönigin von Schneizlreuth", die für Johanna Bittenbinder maßgeschneidert ist. Zum Abschluss sang sich Sebi Tramontana mit "Ciao, Ciao Bambina" endgültig in die Herzen seiner Fans.

Mit wenig Krimskrams, aber viel Können, umwerfendem Charme und liebevollem Blick kreieren die Künstler einen chaotischen Bilderbogen. Jedes Wort, jede Geste und Mimik sitzt wie angegossen. Jede Szene, jede Situation wird voll ausgekostet und immer wieder mit amüsiertem Schmunzeln und stürmischem Beifall honoriert.
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