04.01.2018 - 11:50 Uhr
Oberpfalz

Sternsinger sind wieder unterwegs Kratzen sollte sich Melchior eher nicht

Sie ziehen durch die Straßen, ob es regnet oder schneit. In Vierergruppen suchen sie sich einen Anfangspunkt. Auch wenn man sie nicht sieht - ihre Spuren sind unverkennbar. Jetzt sind sie wieder unterwegs: die Heiligen Drei Könige.

Ministrantin Maja Güldenberg bereitet sich mit Emily Bodensteiner (Caspar), Emma Wiesent (Melchior) und Linda Schlierf (Balthasar/von links) auf den Sternsinger-Einsatz in der Pfarrei St. Michael vor. Bilder: dwi (2)
von Dagmar WilliamsonProfil

Amberg. (dwi) Die großen Kulleraugen strahlen durch die blaue Brille. Aufgeregt rutscht das Mädchen auf seinem Stuhl in der ersten Reihe hin und her. Das schulterlange Haar ist statisch geladen und Emma Wiesent grinst bis über beide Ohren. Es ist ihre Premiere als Sternsinger.

"Ich habe vergessen, den Anmeldezettel daheim abzugeben", erzählt die Neunjährige bei der Chor- und Ankleideprobe der Pfarrei St. Michael. Fast hätte es nicht mehr geklappt, denn ihre Mutter ist derzeit im Krankenhaus. Durch ihre Überredungskünste und das Versprechen, später alles zu erzählen, darf Emma dann doch mit ihren Freunden einen unvergesslichen Tag erleben.

"Machst du mit?"

Hannah Ludwig hält eine Liste mit Namen für die Gruppeneinteilung in ihren Händen. "Machst du mit?", fragt sie, als ein Junge in ihre Notizen guckt. Er wolle nur mal schauen, wer noch so da ist. "Nein, nein. Aussuchen gibt es nicht. Ja oder nein?" Er nickt und setzt sich. Wie auch Hannah nehmen Markus Mußemann, Martina Kratzer, Tanja Ludwig und Ursula Seidel die Organisation sehr ernst. Etwa zehn Gruppen gilt es einzukleiden und mit Accessoires auszustatten. Drei rollende Kleiderständer und zwei Tische mit Schatztruhen, Spendendosen sowie eine Kiste mit Schals und Kopfbedeckungen müssen sie nach Größe sortieren und den Melchoirs, Caspars und Balthasars zuordnen. Auch die Lieder für den Gottesdienst müssen geprobt werden. "Der Melchior ist nicht so gefragt", erklärt Tanja Ludwig. Die Farbe im Gesicht könne manchmal jucken und sei nicht leicht abzuwaschen. Kratzen darf sich der Mohrenkönig aber nicht, schließlich wird er sonst zum Bleichgesicht - und das ist nicht authentisch. Welcher der Heiligen Drei Könige aber nun der Mohr sein soll, ist ungeklärt. Deswegen wird diese ungeliebte Rolle unter den Sternsingern in vielen Pfarreien jedes Jahr auf eine andere Weise vergeben.

Ursula Seidel bewundert die Kinder und den Einsatz, den sie leisten. "Wenn ich da an das schlimme Glatteis vor fünf Jahren denke. Ausgerutscht, hingefallen - aber aufgegeben hat niemand", erzählt die 55-Jährige. Ministrantin Maja Güldenberg fügt hinzu: "Meistens gibt es ja auch etwas Süßes." Es käme auch vor, dass ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen werde. Die eingesammelten Süßigkeiten werden bei Ankunft in der Mitte des Saals auf einen großen Haufen gelegt und gleichmäßig zwischen allen Sternsingern aufgeteilt. "Da tragen manche ihr eigenes Körpergewicht an Guttis wieder nach Hause", sagt Pfarrer Alois Berzl lachend. Wer braucht da noch Halloween, wenn man als Sternsinger eine größere Ausbeute machen kann?

Viele Stunden unterwegs

Etwa fünf bis sechs Stunden sind die Gruppen in der Pfarrgemeinde unterwegs, um den weihnachtlichen Segen in die Häuser zu bringen. Die Tour umfasst das D-Programm, die Wohnanlage am Liebengrabenweg, das Areal der ehemaligen Möhlkaserne, den Ortsteil Gailoh und die Martinshöhe 2. Die Spenden werden noch am selben Abend gezählt. Der Erlös kommt traditionell dem Straßenkinderprojekt in Kenia zugute, das der Amberger Pater Helmut Huber ins Leben gerufen hat.

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