10.09.2017 - 15:30 Uhr
Oberpfalz

Tag des offenen Denkmals: Die Zeichen einstiger Pracht

"Macht und Pracht" hieß heuer das Motto des Tags des offenen Denkmals. Ein Thema, wie geschaffen für die Stadt Amberg. Denn Zeugnisse der prächtigen Vergangenheit gibt es hier zuhauf. Angefangen vom Kurfürstlichen Schloss bis hin zur Schulkirche.

Zahlreiche Besucher ließen sich von Dieter Dörner in die Geschichte des ehemaligen Kurfürstlichen Schlosses einweisen. Das Glockenspiel im Hintergrund vermag übrigens rund 250 Melodien zu spielen. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Eine ganze Reihe von Gebäuden, die die einstige Macht und die vor allem aus dem Eisenerzabbau resultierende Pracht Ambergs verkörpern, öffnete am Sonntag ihre Türen - und die Besucher strömten herbei. Beispielsweise zum Kurfürstlichen Schloss samt ehemaligem Zeughaus, dem heutigen Landratsamt, in dem einst die Kurfürsten und ihre Statthalter mehr oder weniger prunkvoll residierten.

Kreisheimatpfleger Dieter Dörner, auch ein profunder Kenner der Amberger Stadtgeschichte, empfing im Hof des ehemaligen Wittelsbacher-Schlosses - und war durchaus erstaunt darüber, wie viele Menschen etwas über das Gebäude erfahren wollten. Ein Großteil der Besucher musste dann leider draußen bleiben, als die Führung im Innern seine Fortsetzung fand. Aber aus organisatorischen Gründen konnten eben nur maximal 25 Personen, die sich vorher angemeldet hatten, durch die Räume gehen, in denen heute der Landrat und seine Verwaltung "residieren".

Umzug an den Stadtrand

Gebaut wurde das Schloss übrigens im frühen 15. Jahrhundert. Bis dahin hatten die fürstlichen Herren über Amberg in der Alten Veste am Eichenforstplatz ihren Wohnsitz, dort wo heute die Stadtbau GmbH zu finden ist. Nach der Erweiterung der Stadtmauer im 14. Jahrhundert stand die Alte Veste plötzlich mitten in der Stadt. "Sie war ihnen dann nicht mehr sicher und wohl auch repräsentativ genug", stellte Dieter Dörner fest. Ein neues Schloss am Stadtrand musste her und so wurde am heutigen Standort gebaut.

Dörner, der seit vielen Jahren als Fremdenführer arbeitet, wusste zahlreiche Geschichten um die Geschichte des Schlosses zu erzählen, in dem die meiste Zeit nur die Statthalter der Kurfürsten von der Pfalz lebten, die ihr Reich gewöhnlich von Heidelberg aus regierten. Das Verhältnis der Amberger zu ihren Kurfürsten sei oft genug problematisch gewesen, wusste Dörner. So sei es in den Jahren 1452 bis 1454 zu schweren Zusammenstößen mit Friedrich I. gekommen - wegen eines ungeklärten Herrschaftsanspruchs.

In der Folge befestigte Friedrich sein Schloss zur Stadt hin - ein in Deutschland wohl einmaliger Vorgang. "Er machte es praktisch zum Wasserschloss, zu dem eine Zugbrücke hinüberführte." Im Zuge dieser Arbeiten sei übrigens der dritte Bogen der Stadtbrille mit dem anfallenden Erdreich zugeschüttet und später dann auch zugemauert worden. Erst im Zuge der Renovierungsarbeiten zur Landesgartenschau 1996 tauchte dieser dritte Bogen wieder auf und wurde freigelegt. "Die Stadt Amberg sollte übrigens damals 3000 Gulden für den Umbau zahlen."

Immer wieder wurde das Schloss danach umgebaut und renoviert. Oft bedingt durch Brände. 1621 nach der Niederlage des wahrscheinlich in Amberg geborenen kalvinischen Winterkönigs Friedrich V. am Weißen Berg bei Prag, zogen hier die katholischen Jesuiten ein. Nach und nach verfiel die Residenz, das Schloss diente als Materiallager. Erst 1716 wurde es wieder bewohnbar gemacht, die letzte Glanzzeit erlebte es im Jahr 1800, als hier der bayerische Kurfürst Max I. Josef für ein halbes Jahr lebte, weil er sich vor dem heranstürmenden Napoleon verkriechen wollte.

Prunk im Rathaus

Wer von der kurfürstlichen Pracht noch nicht genug hatte, konnte sich auch die prunkvollen Rathaussäle anschauen, mit denen die wohlhabenden Amberger ihre Macht demonstrierten. Oder aber die ehemalige Regierung der Oberpfalz, das heutige Landgericht, das nach seiner aufwendigen Restaurierung ein sehr beredtes Zeugnis ablegt von der Allmacht der Kurfürsten. Ebenso prächtig präsentierte sich die Beletage des Frank'schen Palais' in der Herrnstraße, in der oben erwähnter Max I. Josef wohnte, während sein Schloss bewohnbar gemacht wurde.

Weitere Ziele am Tag des offenen Denkmals waren das Staatsarchiv mit seinen Urkunden, den papierenen Zeichen der Macht, die prächtige Sakristei von St. Georg oder das Rokoko-Juwel Schulkirche. Gleichzeitig bot das Stadtmuseum Führungen zu den historischen Gewändern an, die während der Glanzzeit Ambergs getragen wurden. (Angemerkt)

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