21.05.2017 - 15:26 Uhr
Oberpfalz

Thespiskarren gastiert mit Karaoke-Komödie in Amberg: Tussis in der Tiefgarage

Für Anhänger der hehren Hochkultur wäre es wohl das schlimmstmöglich vorstellbare Grauen, für die Freunde der leichten Unterhaltung jedoch ein absolutes Highlight: Eine vierfach geklonte Helene Fischer im Amberger Stadttheater.

Die locker-leichte Komödie "Tussipark" beendete mit viel Musik und Pep die Spielzeit 2016/217 im Amberger Stadttheater. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Johann FrischholzProfil

Natürlich ist es nicht Helene in Person, sondern vier Damen, die mit dieser Vorstellung ihrem Stück "Tussipark" einen krönenden Saison-Abschluss gaben. Das Stück, das der höchst originellen Gattung der Karaoke-Komödie angehört, zeigt anhand von verschiedenen weiblichen Charakteren - ein bisschen Tussi steckt in jeder von ihnen - vier Frauen an einem Wendepunkt ihres Lebens. Höchst originell ist auch der Schauplatz, an dem sich die Wege von Grit, Jennifer, Pascaline und Wanda kreuzen und an dem ihre ganz persönlichen Dramen ihren Lauf nehmen. Es sei vorweg bemerkt, dass die Darstellerinnen dieses munteren Quartetts allesamt hervorragende Komödiantinnen sind, bei denen auch mal ein etwas abgetragener Gag noch seinen Reiz entwickelt.

Karaoke-CD im Karton

Grit, Haus- und Ehefrau, Mutter von zwei Kindern - das dritte ist gerade unterwegs - hat so ihre Probleme nach ihren Wocheneinkäufen und dem Parkscheinautomaten und vor allem mit dem Wiederfinden ihres Fahrzeugs. Sie wird von Beatrice Kaps-Zurmahr sehr sympathisch und liebenswert-chaotisch dargestellt.

Zu ihr gesellen sich Dorothea Maria Kriegl als Jennifer und Heidi Jürgens als Pascaline. Die eine hat gerade ihren Job als Verkäuferin und als Geliebte des Chefs verloren, die andere ist die arrogante Unternehmensberaterin, die verantwortlich für diese Kündigung ist. Aber die etwas naive Jennifer, die so herrlich Probleme mit der Verwendung von Fremdwörtern - und der hochdeutschen Sprache, denn sie ist hörbar aus dem Schwabenland - hat, ist ein positiver Charakter, die jeder Situation etwas Gutes abgewinnen kann. Im Karton mit ihren wenigen Habseligkeiten findet sie noch eine Karaoke-CD vom letzten Betriebsfest. Und damit singt sie ihre Sorgen weg. Urkomisch ihre Version von "My Heart will go on", bei der sie, wie ihm Skript vorgeschrieben, wirklich keinen einzigen Ton richtig trifft. Ihre schnippische Kontrahentin, eine notorische Fremdgängerin versucht derweil, ihre Dates für diesen Abend unter Dach und Fach zu bringen.

Komisches Talent

Und dann taucht auch noch Wanda auf, die gerade direkt vom Altar weg vor ihrem Bräutigam geflüchtet ist, weil sie kurz vor der Trauung bemerkt haben will, dass er sie betrügt. Diese Rolle, in Brautkleid und verheulter Schminke im Gesicht, wird von Jasmin Wagner übernommen, die hier ihr komisches Talent zur Geltung bringt. Was danach genau geschieht, als das Quartett euphorisiert von Wachmann Holgers (Rolf Reininger) Schnapsflasche und der "homöopathischen Medizin gegen Schwangerschaftsdemenz" in den Feiermodus umschaltet, lässt sich nur noch aus dem desolaten Zustand der Tiefgarage am nächsten Morgen erahnen - und aus einem mit der Handykamera aufgezeichneten Video, nämlich der bereits oben erwähnten Helene-Fischer-Performance.

Nachdem also die vier Damen ihre Probleme geklärt und Jennifer wieder zu ihrem Chef, diesmal allerdings nicht als Verkäuferin, sondern als künftige Ehefrau, zurückkehrt, trennen sich ihre Wege und damit dem Publikum der Abschied nicht so allzu schwer fällt, gibt es als Zugabe noch einmal live die vierfache Helene zu sehen. Und dann geht's atemlos in die Nacht...

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