Traumfabrik in Weiden und Amberg
Traumhaft, diese Traumfabrik

Ein Spektakel der ganz besonderen Art: Wenn die vier Herren der österreichischen Truppe Jonglissimo ihre schier ungaublich präzise Nummer auf abgedunkelter Bühne zeigen, dann werden bunt beleuchtete Keulen zu einer Art Feuerwerk.
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
08.01.2017
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Zarahs grellrot geschminkter Mund, darunter ein Strichmännchen: Die Traumfabrik entführt ins Land der Illusion und lässt, wie es die Leander einst sang, Wunder geschehen. Bilder: Steinbacher (2)

In diesem Unternehmen steht neben der Belegschaft auch die Dunkelheit unter Vertrag. Denn wenn im Bergwerk der Illusion mit professioneller Hand geschürft wird, dann genügen Grubenlampen in allen Regenbogenfarben. Die Arbeiter der Traumfabrik haben dabei, zur Freude ihrer Beobachter, neue und bisher unbekannte Schätze zutage gefördert.

Amberg/Weiden. Toll, diese Firma. Immer so um den Dreikönigstag herum beginnt sie in Amberg und Weiden mit ihrer Schicht. Zwischenzeitlich weit über drei Jahrzehnte im Register eingetragen, stets auf der Suche nach neuen Ideen und erfolgreich so wie jene Leute, die einst den Gotthard-Tunnel durchs Gestein sprengten. Eine Knochenarbeit, die sich vor Publikum in die Leichtigkeit des Seins wandelt. Mit Zutaten, die wie der Stoff beschaffen sind, aus dem die Träume gewebt werden.

Zwei Stunden Einsatz in einem Unternehmen, das unzählige Alleinstellungsmerkmale hat. Jedes Jahr andere und mit dem Qualitätsstempel des Unverwechselbaren versehen. Einfach nur schön und vor allem spannend, denen zuzuschauen, die diese hauchzarte Wolke ans Firmament des Winterhimmels zeichnen. In Momentaufnahmen und unter perfektem Zusammenspiel zwischen Protagonisten, Requisiten und der Düsternis. Dann geschehen Dinge, die keiner so in Szene setzen kann, wie der Regensburger Reiner Pawelke und sein Team.

Astronauten in Zeitlupe

Traumfabrik: Nicht eine Sekunde geht sie einher mit ein wenig Schlaf nach all dem Feiertagsstress. Noch immer (man freut sich, sie zu sehen!) sind die Astronauten in Zeitlupe auf dem Mond unterwegs. Mit Originaltönen über Houston Ground Control und dem Erd-Ball, den sie sich zuspielen. "The Eagle Has Landed": Neil Armstrongs Satz für die Ewigkeit und hineingestellt in das fulminante Programm von Menschen, die sich gleich darauf um ein faltbares Sofa raufen. Wie Adler, die ihre Krallen ausfahren.

Pawelke und seine Leute nehmen auch die passende Musik mit hinein in ihren Spaziergang durch das Land der Fantasie: Mama Cass, Ray Charles, Andrea Boccelli, die Rockband Survivor. Julie Lavergne aus Kanada dreht sich scheinbar schwerelos in einem überdimensionalen Reifen. Dann wirbeln vier Österreicher, die sich den Namen Jonglissimo gegeben haben, über die Bühne. Ein Quartett, das reif ist für die Zirkusfestspiele von Monte Carlo. Beleuchtete Keulen vereinigen sich zu einem gigantischen Stakkato und schreiben bizarre Kunstwerke an eine Leinwand. Hat man so etwas schon einmal gesehen?

Die Dunkelheit wird zum Hauptdarsteller. Sie lässt den Neon-Rainbow zum faszinierenden Schauspiel werden. Zarah Leanders grellrote Lippen lassen ein Wunder geschehen, meterlange Tüllstoffe erheben sich in dem durch Ventilatoren erzeugten Wind zu tanzenden Ungetümen. Silberfolien-Berge geraten erst zur Eiger-Nordwand und dann zu drolligen Straußenvögeln.

Mit dem in allen Traumfabrik-Produktionen unverzichtbaren Georg Sosani als Dompteur.

Parterre-Akrobatik

Der Höhepunkt aber kommt in Gestalt zweier Herren. Das kanadische Duo Les Vitaminés zieht die Blicke mit schier unglaublichen Nummern der Parterre-Akrobatik auf sich. Auch das ist ein Traum aus der Fabrik. Dann wird das Schichtende eingeläutet. Mit einem wohltuenden Bad in Smetanas Moldau. Und man wünscht sich, dass der Schöpfer dieser zeitlos schönen Komposition es erlebt hätte, wie die fluoreszierenden Bänder seinem Werk zu einem Stück Unendlichkeit verhelfen.

"Time To Say Goodbye" ist als musikalische Untermalung für eine der Programmnummern gewählt worden. Nur symbolisch. Auf Pawelkes Traumfabrik passt sehr viel besser ein Elvis-Song aus den 1960-er Jahren. "Follow That Dream" hieß er. Einem Traum folgen und nicht erwachen. Denn dieser Traum, den die Traumfabrik auf das Kopfkissen projiziert, ist einfach traumhaft.
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