Traumfabrik mit drei Vorstellungen in Amberg
Manege der imaginären Magie

Kultur
Amberg in der Oberpfalz
07.01.2016
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Wenn Lichtfetzen wie ein Neon-Regenbogen flirren und die Stockfinsternis zum Hauptdarsteller wird, ist Schicht in der Traumfabrik. Mit Arbeitskräften, die elegant ihren Dienst antreten und einen Weg zur Fantasie freischaufeln. Nie am Rand des Alptraums, alles andere als ein "Nightmare on Elm Street." Stattdessen zwei Stunden, die einem die Seele baumeln lassen. Einfach nur schön.

Von Wolfgang Houschka

Da war sie also wieder, diese Firma, deren Besuch im ACC, nach mancherlei Völlerei und Stress an den zurückliegenden Feiertagen, für Entspannung sorgte. Rainer Pawelkes Traumfabrik, bei der sich die Frage stellt: Ist es Varieté oder Zirkus, Show oder Spaziergang durch eine Welt des Imaginären? Die Antwort: Etwas von jedem. Perfekt inszeniert. Im Nebel des Unfassbaren verschwindet nichts. Anders als bei Copperfield, Klok und anderen Helden der Magie bleibt alles erklärbar.

Sanft, nicht laut


Keine Paukenschläge auf die Ohren. Dafür Sanftes aus den Lautsprechern. Mama Cass singt "Dream a little Dream of me", die Righteous Brothers steuern die "Unchained Melody" bei, Smetanas "Moldau" sorgt für ein furioses Finale. Mit Lichtbändern, die sich auf dunkler Bühne rhythmisch bewegen, zur Einheit werden mit dem Tanz der Wellen. Man kann die Fröhlichkeit förmlich greifen und begreifen. Astronauten spielen sich auf dem Mond in Zeitlupe die Bälle zu, farbige Schleier wabern, Einkaufswagen werden zur Requisite einer Truppe, die wie Irrwische über die Bretter fegt. Zwischen dunkel drohenden Wolken zeigen Artisten aus der Ukraine ihre Kunst und tauchen irgendwann, dank der Kunst eines Beleuchters, ins Nirwana ab. Dorthin begeben sich auch weiß verschleierte Nonnen nach ihrem Gesang unter kathedralem Dach. Ja, es gibt Nummern, die das Publikum schon einmal in dieser Manufaktur der Träume gesehen hat. Doch das macht nichts. Man kann sich immer wieder daran erfreuen und danach fragen, wie Pawelkes Leute das zustande bringen. Der knallrote Kussmund von Zarah Leander und die Straußenvögel, deren Mutation sich aus Gebirgsgipfeln vollzieht. Drei Mal Matterhorn aus Silberfolie, versinkend zu Schnabeltieren mit staksenden Beinen. Grandios. Auch die Senkrechtkamera, die aus am Boden liegenden Artisten stehende Akrobaten macht. Genial einfach, dieser Trick. Und doch eine bezaubernde Variante der Kunst.

Publikum macht mit


Augenblicke, in denen die Zuschauer mitmachen dürfen, sind eingebaut. Als Mitglieder eines von dem famosen Georg Sosani wortlos dirigierten Massenchors. Auch diese Szenen entbehren glücklicherweise der Peinlichkeit. In der Traumfabrik des Rainer Pawelke wird keiner als Schunkel-Opfer auf die Bühne geholt, gerät niemand zum Deppen der Allgemeinheit. Eine Wohltat. Da sollten sich andere ein Beispiel nehmen.

Gleichwohl ist viel geschmunzelt und gelacht worden bei diesen drei Traumfabrik-Vorstellungen in Amberg. Über gezielt eingestreute und intelligente Scherze. Von Leuten, die in ihrem traumhaft tollen Unternehmen nahtlos ineinander greifen und so auch 2016 für Auftritte sorgten, die Lust auf mehr machen. Ganz gewiss im nächsten Jahr, wenn sich der Vorhang wieder öffnet zu Vorstellungen, die sich nirgends einordnen lassen.
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