31.05.2017 - 10:54 Uhr
Oberpfalz

Trotz Vernissagen-Fauxpas: Kaiser und Trepesch Freunde: Beinbruch-Teile im Einmachglas

Zehn Jahre Arbeit, 30 gegossene Figuren und am Ende war die Lücke zwischen den "Bei(n)spielen" schöpferisch: Gerd Kaiser und Marcus Trepesch, der bei der Vernissage im Rathaus aus Versehen eines der Ausstellungsobjekte kaputt gemacht hatte, besiegelten dennoch - oder gerade deswegen - am Dienstagabend symbolisch ihre langjährige Freundschaft.

Gerd Kaiser (links) kann wieder lachen. Nachdem Marcus Trepesch (rechts) aus Versehen eines seiner Kunstwerke zerstört hat, mussten sich die beiden Künstler weder aussprechen noch versöhnen. Sie waren schon vor dem Fauxpas miteinander befreundet und werden es auch bleiben. Bild: dwi
von Dagmar WilliamsonProfil

Aristoteles soll einst gesagt haben: "Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern." Das bewiesen auch die Amberger Künstler Gerd Kaiser und Marcus Trepesch bei einem Treffen nach dem Fauxpas bei der Ausstellungseröffnung. Als Zeichen ihrer gegenseitigen Anerkennung und Wertschätzung überreichten sie sich jeweils ein Andenken an den Tag, an dem ein Stück Kunst zu Bruch ging.

Kaiser legte die Hälfte der Beinbruch-Teile in ein Einmachglas - der andere Teil ruht bei ihm zu Hause. Trepesch schenkte ein Buch mit seinen Illustrationen und einer persönlichen Widmung. "Die ist aber privat. Das wird später gelesen", sagte er. Den genauen Wert des Schadens, der bei der Eröffnung zustande kam, wollte Kaiser nicht nennen: "Das kann ich nicht. Das waren acht goldene Beine aus Gips-Keramik und eine Bronzefigur. Durch das gefallene Bein verlor das Kunstwerk an Harmonie, an Bedeutung. Das kann man in Euro nicht ausdrücken." Die Figuren sind Unikate und stellen sogar echte Personen aus dem Leben Kaisers dar. Sie werden zunächst in Wachs hergestellt und dann in Bronze oder Gips gegossen. Jede Form kann nur einmal benutzt werden.

Natürlich bedauert Trepesch sein Missgeschick: "Aber das tut unserer Freundschaft nichts ab." Und ein Tipp für die Zukunft zur Vermeidung einer solchen Pech-Situation hat er auch parat: "Beim Duschen den Duschvorhang immer nach innen hängen." Gerd Kaiser fügte noch lachend hinzu: "Gut, dass wir darüber gesprochen haben."

Auf Kaisers nächste Ausstellung werden die Amberger wohl noch einmal zehn Jahre warten müssen. Er lasse sich da gerne Zeit. Marcus Trepesch hingegen eröffnet am Freitag, 4. August, im Kulturstift die düstere Einzelausstellung "Nachtmahr".

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