19.02.2018 - 20:00 Uhr

Vier Hauptdarsteller zeigen im ACC das Beatles-Musical "Please Mr. Postman" Legenden auf dem Zebrastreifen

Die gigantische musikalische Leistung der "Fab Four" kann keiner kopieren. Aber es ist einen Versuch wert, den vier Herren aus Großbritannien nahe zu kommen. Mitunter gelingt das. Von daher: Beifall für die Hauptdarsteller im Beatles-Musical "Please Mr. Postman".

Die Musiker und Tänzer des "Please, Mr. Postman - The Beatles Musical" im Amberger Congress Centrum setzen die "Fan Four" ganz respektabel in Szene. Die Coverband in weißen Anzügen bemüht sich, dem Original so nahe wie möglich zu kommen. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Autor HOUProfil

Den Begriff des Musicals nehmen neuerdings vielerlei Aufführungen für sich in Anspruch. Dabei wäre es weit besser, gleich mitzuteilen: "Kommt rein Leute. Wir machen zwei Stunden lang Songs, die ihr aus euerer Jugend kennt." Die Rahmenhandlung bei "Please Mr. Postman" am Sonntag im ACC ist eher dürftig. Sie besteht aus zwei jungen Tanzpaaren und einer Aneinanderreihung von Stationen, die historisch nicht so recht passt. Aber das Publikum bekommt nach all den Jahren vor Augen geführt: Shea-Stadium in New York und der Kaiserkeller in Hamburg, ein Zebrastreifen vor den Londoner Abbey-Road-Studios und die Abschiedssession auf dem Dach dieser legendären Aufnahmestätte gehörten zur Karriere von John, Paul, George und Ringo.

Unerreichtes Original

Allerdings: Der Briefträger, den die Beatles heftig aufforderten, zum Teufel noch mal eine Karte oder ein Schreiben zu bringen, schüttet seine Umhängetasche vor dem Publikum aus. Heraus purzeln Juwelen der ewig jungen Geschichte des Rock 'n' Roll. Dargeboten von einer Band, die sich bemüht, den Originalen nahe zu kommen.

Genau da hört dann die kritische Betrachtung weitgehend auf. Einfach nur zurücklehnen und zuhören. "Dizzy Miss Lizzy" und die "Magical Mystery Tour", bei der schon die vier Liverpooler dazu animiert hatten, alles über Bord zu werfen und mitzukommen. Die Coverband tritt in Lederjacken und im weißen Frack auf, sie hat die seidenen und bunten Gehröcke aus dem bis heute wohl unerreichten Sergeant-Pepper-Album an und kreuzt mit dem gelben Unterseeboot durch friedliche Gewässer.

Eine Show mit Höhepunkten: "Ticket to ride" aus dem "Help!"-Film, "I should have known better" aus dem genialen "A hard days night"-Streifen und die "She loves you"-Hymne einer Generation, die nach großen Zeiten von Elvis zu neuen Ufern aufbrach. Doch es gibt auch Songs, bei denen der Abstand zu den "Fab Four" krass wird. Sorry: "Yesterday" konnte nur Paul McCartney machen und "I saw her standing there" bleibt ebenfalls bis heute ihm überlassen. Da kann keiner mit.

Keine kreischenden Fans

Dann rast der BOAC-Jet in die Halle und es erklingt dieses unglaubliche "Back in the USSR". Rote Fahne mit Hammer und Zirkel im Hintergrund. An der Rampe vier Tänzer im Kosakenkostüm. Wieso solche Staffage? Die Beatles selbst waren nie dort. Nur Sir Paul gab sich später die Ehre auf dem Roten Platz. Er war auch bei "Penny Lane" dabei. Schwer zu machen. Gute Fassung.

Zum Schluss ein Füllhorn von Perlen: "Get back" und "Day Tripper", "Revolution" und "Eight days a week". Bilanz zum Finale: Respektabel in Szene gesetzt. Die Musiker heißen Cyril Montreau (John Lennon), Nick Bird (Paul Mc Cartney), Julien Deguines (George Harrison) und Christophe Roussel (Ringo Starr). Wobei man sich des Eindrucks nicht erwehren konnte, als ob da nicht doch einiges aus der Konserve in diese Halle als Zutat eingespült wurde. Doch egal wie, es war ein unterhaltsamer Abend. Akustisch weit besser herübergekommen als damals am 24. Juni 1965 im "Velodromo Vigorelli" zu Mailand. Da sind wir hingefahren und haben eine knappe Stunde lang nichts anderes vernommen, als das schrille Geschrei von Fans, die ihre Idole feierten.

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