12.10.2017 - 18:26 Uhr
Oberpfalz

"Vincent Eberle Quintett" im Amberger Casino-Saal Mit viel Zeit und Luft

Gegründet wurde das "Vincent Eberle Quintett" im Januar 2014 von fünf jungen Studenten der Hochschule für Musik und Theater München. 2017 gastieren sie als Gewinner des LAG-Jazzpreises im Casino-Saal.

Innerhalb der Veranstaltungsreihe „Jazz is back in town“ eröffnete das Vincent Eberle Quintett die neue Konzertsaison im Casino Saal. Fünf junge Musiker, die Tradition und Gegenwart auf ideale Weise verbinden.
von Louis ReitzProfil

Die Landesarbeitsgemeinschaft Jazz in Bayern (LAG Jazz in Bayern) besteht aktuell aus 41 Mitgliedern und Institutionen der bayerischen Jazz-Szene. Den Gewinnern des alljährlich vergebenen Jazzpreises winkt eine Tournee durch die bayerischen Jazzclubs. Pianist Leo Betzl, der mit seinem Trio im Vorjahr den Preis gewann, äußert sich äußerst positiv zu den gemachten Erfahrungen: "Ohne diese Tour wäre es uns nicht möglich gewesen, die Clubs und die dazugehörigen Menschen kennenzulernen."

Auf der Bühne im Casino-Saal fünf junge Musiker, jeder ein Meister auf seinem Instrument, gereift im Landesjugend-Jazzorchester Bayern und mit Preisen wie "Jugend Jazzt" dekoriert. Im Mittelpunkt steht Bandleader Vincent Eberle. Mit wunderbar samtigen Ton am Flügelhorn und heißen Bebop-Phrasen auf der Trompete steht er voll in Fahrwasser des modernen Jazz. Souverän und ausdrucksvoll interpretiert er Balladen, spielt mit viel Zeit und Luft, und erinnert auch in seinem Gestus an Musiker wie Dusko Goykovich oder Art Farmer. Sein Lehrmeister war Professor Claus Reichstaller, eine Koryphäe der deutschen Jazz-Szene.

Ohne elektronische Tricks

Gitarrist Paul Brändle steht ebenfalls mit beiden Füßen in der Jazz-Tradition. Er verzichtet vollkommen auf elektronische Tricks und spielt eine solide Jazz-Gitarre in der Tradition eines Wes Montgomery, Barney Kessel oder Jim Hall. Auch er setzt dynamische Kontraste als Stilmittel ein und versteht es, Spannungsbögen zu erzeugen. Da gibt es schwebende Töne mit viel Luft und Freiraum, aber auch rasende Bebop-Phrasen oder raffinierte Akkordfolgen. Manchmal werden die Saiten auch mit dem Daumen angeschlagen, ein Markenzeichen von Wes Montgomery. Unglaublich präzise das Zusammenspiel von Gitarre und Trompete, halsbrecherische Unisono-Passagen wechseln mit harmonischen Akkorden, Vergleiche mit Art Farmer und Jim Hall drängen sich auf.

Fantastisch auch die Rhythmusgruppe mit Leo Betzl, Maximilian Hirning und Sebastian Wolfgruber. Die drei verstehen sich blind, sorgen für dynamische und spannungsgeladene Abläufe und verarbeiten auch aktuelle Entwicklungen. Feinfühlig und mit viel Gespür agiert Sebastian Wolfgruber am Schlagzeug. Er untermalt mit feiner Besentechnik die lyrischen Passagen und erzeugt zusammen mit Maximilian Hirning am Kontrabass Spannungsbögen, wobei auch modernere Rhythmen eingebaut werden. Leo Betzl füllt am E-Piano die Zwischenräume, unterstützt Melodie und Rhythmus und setzt einige solistische Glanzlichter.

Nur ein Song aus dem Standard-Repertoire steht auf dem Programm: "Tenderly", aber auch die eigenen Kompositionen können sich hören lassen. Vincent Eberle studierte bei Michael Abene und Ed Partyka Komposition und präsentiert neben Titeln aus seiner CD "Holding" auch etliche neue Werke, die bisher noch nicht aufgenommen wurden.

Furioser Ohrwurm

Zu einem Ohrwurm mit furiosem Ende wird der letzte Titel im Programm: Über kubanischen Rhythmen mit Hand-Percussion entwickelt sich ein Dialog zwischen Schlagzeug und Trompete, der Bass gesellt sich dazu und schon ist man mitten in einem Calypso. Dieser wandelt sich zu einem Shuffle-Rhythmus und mündet in einem fulminaten Schlagzeug-Solo mit Anklängen an Max Roach: Lebendige Musikgeschichte in einem einzigen Song.

Als Zugabe gibt es noch eine frische Bebop-Nummer mit Erinnerungen an Dizzy Gillespie, feinfühlig unterlegt von Snare-Drum und Besen. Hier agieren junge Musiker auf einem unglaublich hohen Niveau: Man wird wohl auch in Zukunft mit diesen "Young Lions" rechnen müssen.

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