04.12.2006 - 00:00 Uhr
Sport

Willy Astor kann auch mit "Leiden der jungen Wörter & Co" in Amberg begeistern Ein wahrer Schatz im Silbensee

Wer hat an dem Wort gedreht? Ein Fußballer, der im Interview ein weiteres Sprichwort vergewaltigt, ein Politiker, der am Ende des Satzes nicht mehr weiß, was er eigentlich sagen wollte, oder gar Paulchen Panther? Nein, es war wohl der Typ, der mit einem Buch in der Gitarrentasche am Freitag in die Buchhandlung Rupprecht marschierte und mal einen auf Bestsellerautor machte.

Willy Astor: Meister der Wortklaubereien. (Bild: tos)
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Zwar als Lesung aus seinem im Oktober erschienenen Buch "Unverrichter der Dinge" angekündigt, ist aber wo Willy Astor draufsteht, stets 100 Prozent Astor drin. So erlebten die 220 Comedy-Fans den Münchner Humoristen in fast gewohnter Bühnenperformance mehr spielend als lesend: Humor direkt vom Erzeuger.

Sein Erstlingswerk ist auch eher als Skript zur Show, denn als erste schriftstellerische Gehversuche zu verstehen. So brauchen seine Fans vorerst keine Angst zu haben, Willy Astor an die Welt der hohen Literatur zu verlieren. Dennoch schien der Kabarettist mit dem heute weit verbreiteten "Leiden der jungen Wörter" durch Biografien eines Küblböck oder Boris Becker Mitleid zu haben, griff zur Schreib- und Zeichenfeder und wollte das Wort wieder auf einen höheren Level erheben. Was dem feinsten Ohr in seiner Gilde für Intonation und die Verwendungs- und Neukombiniermöglichkeit unscheinbarer Worte und Silben auch gelang.

Gedichte wie die im Stroh rum liegende und am Strohrum nuckelnde Maus, das Anti-Gedicht "Wattebauschwespen" oder die Po-Trilogie aus der Po-mess-Bude erinnern an einen jungen Heinz Erhard und sind ein wahrer Schatz im Silbensee. Zudem hat wie in der Geschichte "Oberflächenspannung" wohl kaum einer je eine so elaborierte Beschreibung vom Spaßfaktor des Speichelflusses nach dem Genuss von rotem Chilli gehört.

Doch natürlich konnte man auf der Rupprechtbühne auch den anderen Willy Astor erleben, den klamaukigen Moderator des "Wortstudios". Zwar trifft bei den jeweils mehrminütigen Dauerfeuern mit Wortspiel-Themen wie Medizin, Gemüse oder Filmanalogien beileibe nicht jede seiner Pointensalven ins Ziel. Aber an den Lachern der Zuhörer war abzulesen, dass abstruse Abenteuer wie die des Don Kamille, der mit seinem homobonduellen Haushälter in einem Kartoffel-Puff mit dilligen Birnen Rinderkappa-Joe jagt, nach wie vor gut ankommen.

Den meisten Applaus bekam Astor aber, wenn er seine Wortspielchen in musikalische Klänge kleidete. Der auch als Gitarrist beachtete Kleinkünstler, dem der FC Bayern mit "Stern des Südens" die wohl ungewöhnlichste und witzigste Vereinshymne der Nation verdankt, glänzte als Rapper im Kapuzen-Pulli mit Eminem-Touch. Bei "Ein Kleiner macht Musik" gelingen ihm mit elegant durchdachtem Text und mitreißender Rhythmik über den "total Perückten Mozart", eine Verve, die den Sound der Straße weitaus besser repräsentieren als die Prolo-Reime von Möchtegern-Hip-Hoppern wie Bushido oder Sido.

Auch mit dem "Schiss-Katze-Blues" oder dem ethnischen Chanson der Sinti und Roma, "Zigeunerlunge", glänzte der päpstlich ernannte "Rat-Singer". Selten hat ein verdrehtes Wort so melodisch geklungen.

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