Windsbacher Knabenchor im Stadttheater Amberg
Spirtualität und Perfektion

Der Windsbacher Knabenchor unter Leitung von Martin Lehmann und begleitet von Joachim Pliquett (Trompete) und Arvid Gast (Orgel) begeisterte im Amberger Stadttheater. Bild: Hartl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
07.12.2016
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Der Windsbacher Knabenchor bewegt im Amberger Stadttheater mit Text wie Musik, berührt mit Spiritualität, fasziniert mit geschliffener Perfektion. Seit dem letzten Auftritt vor drei Jahren sind Chor und Chef Martin Lehmann zur Gemeinschaft zusammengewachsen.

Das Chorprogramm umfasst theologisch die Zeit von Advent bis Weihnachten - unter fast katholisch anmutender Würdigung Marias - von "Macht hoch die Tür" über "Unser lieben Frauen Traum" (Reger) bis zu "Stille Nacht". Stilistisch reichen die Chorsätze von Frühbarock bis zur Gegenwart, sie sind abwechslungsreich und sorgsam ausgewählt.

Instrumentaler Kontrast

Trompeter Joachim Pliquett - er agiert im Laufe des Abends immer souveräner - und Arvid Gast an der Truhenorgel bringen instrumentalen Kontrast ins Programm und Schnaufpausen für die Chorknaben. Zumindest die barocken Trompeten-Sonaten und -suiten wirken dennoch ein wenig unverbindlich-austauschbar. Sie haben auch keinen inhaltlichen Bezug zum gesungenen Programm.

Gast improvisiert vor den Chorstücken Orgel-Intonationen - man würde sie sich fantasie- und anspruchsvoller wünschen. Sie ersparen dem Dirigenten die Tonangabe. Fantasie und Anspruch auf überragendem Niveau verwirklichen Martin Lehmann und seine Burschen. Zu hören sind der wunderbar ausgewogen besetzte Gesamtchor, wie auch ins Parkett ausgelagerte kleine Gruppen, und hervorragende Solisten.

Alle singen mit perfekt sitzenden, lockeren und präsenten Stimmen, die Knabensoprane und -altisten mit der typischen samtenen Schärfe, mit lupenreiner Intonation und Stimmhaltung, optimaler Textverständlichkeit, hervorragender Aus- und Absprache wie aus dem Lehrbuch, mit seismographischer Feinfühligkeit.

Neue Erkenntnisse

Anders als sein extrovertiert herrischer Vorgänger ist Lehmann ein eher introvertiert lauschender "Klang-Sensibilissimus". Seine ebenso einfallsreiche wie reflektierte "historisch informierte" Interpretation überrascht immer wieder und erschließt neue Erkenntnisse. Viele der bekannten Weihnachtslieder erklingen wie neu: Nicht süß und süffig romantisierend, nicht Weihrauch-umwölkt, sondern als intime persönliche Kunde, gesungen im natürlichen Rhythmus der Sprache, ein hervorragender Redner könnte es kaum besser. Wir erleben eine atemberaubende Pianissimokultur. Besonders schön anzuhören sind die suggestive "Hymn to the virgin" von Benjamin Britten und die überirdisch-magische zwölfstimmige Cluster-Motette von Jan Sandström über "Es ist ein Ros' entsprungen".

Die Windsbacher spielen in der ersten Liga der Knabenchöre. Ihre frohe Botschaft will nicht großmäulig triumphieren, einschüchtern, klein machen. Sie will berühren, aufrichten, Hoffnung wecken. Jubilate Deo!
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