06.10.2017 - 15:40 Uhr
Oberpfalz

Winnie Steinl arbeitet als Dialekt-Coach für den WAA-Film Der Sound der Oberpfalz

Wackersdorf - vor 30 Jahren spaltete dieser Begriff die Oberpfalz. Aktuell steht das Thema wieder auf der Tagesordnung. Doch nun fasziniert es die Menschen der Region. Ein Spielfilm soll diese Zeit in bunten Bildern ins Kino bringen. Viele Amberger sind mit vor der Partie. Vor und hinter der Kamera.

Der WAA-Widerstand in Wackersdorf eskalierte an Pfingsten 1986. Brennende Autos und Hubschrauberattacken mit Reizgas sind denen, die dabei waren, noch gut in Erinnerung. Bild: Gerhard Götz
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Der eine wurde regelmäßig am Bauzaun in Wackersdorf verhaftet, der andere besprühte Ambergs Hausmauern mit Anti-WAA-Parolen. Fast jeder kennt jemand, der damals mit dabei war. Der als Demonstrant oder Polizist diese Zerreißprobe für die Oberpfalz mitgemacht hat. Und viele von uns waren ohnehin damals dabei - egal auf welcher Seite. Die Wiederaufarbeitungsanlage für gebrauchte Brennstoffe, die im kleinen Örtchen Wackersdorf gebaut werden sollte, ist immer noch präsent in Amberg, Sulzbach-Rosenberg und natürlich Schwandorf. Höchste Zeit, darüber einen Spielfilm zu drehen. Viele von denen, die damals als junge Menschen gegen die WAA demonstriert haben, sind wieder da. Als Statisten und Kleindarsteller wollen sie das Gefühl von damals noch einmal erleben. Sie haben sich bei den Castings beworben oder bieten in Facebook vom Citroen 2CV, der legendären Ente, bis zum original Wasserwerfer - Mercedes Rundhauber - alles an, was diese Ära wieder lebendig machen soll.

Winnie Steinl mischt mit

Mittendrin in den quirligen Vorbereitungen für den Film, zu dem die Dreharbeiten am Donnerstag begonnen haben: Winnie Steinl. Der Theatermacher und Leiter des Jugendclubs hat eine ganz besondere Aufgabe übernommen: Er soll den Haupt- und Nebendarstellern, die zum größten Teil ja nicht aus der Oberpfalz stammen, den "Sound" der Region näherbringen. Damit das, was sie da auf der Leinwand von sich geben, wenigstens nach Oberpfalz klingt.

Unvergessen das Fiasko im Film über das oberfränkische Mödlareuth, in dem die Darsteller mit oberbayerischen Zungenschlag redeten. Aber wie kommt der Winnie Steinl zu dieser wichtigen Aufgabe? Eigentlich ganz einfach: Der Produzent des Films, Ingo Fliess, stammt aus Sulzbach-Rosenberg, wo Steinl ja als Lehrer am dortigen HCA-Gymnasium viele junge Menschen zum Theaterspielen brachte. "Der Fliess war 1983 bei der Band dabei, die unser Stück musikalisch umrahmt hat", erzählt Winnie Steinl. Über Umwege erinnerte sich Fliess nun an den alten Lehrer und engagierte ihn als Dialekt-Coach für den WAA-Film.

"Die sollen jetzt natürlich nicht alle plötzlich oberpfälzisch reden", sagt Winnie Steinl. Es geht um den Klang, dieser schönen Sprache. "Es geht auch um den Gegensatz der Dialektsprecher auf der Seite der WAA-Gegner zum Fernsehoberbayerisch der Politiker." Natürlich hat Winnie Steinl den Job angenommen. Schließlich ist er selbst überzeugter Dialektsprecher, liebt seine Heimat, die Oberpfalz, und war, wie er sagt "früher schon auch immer wieder da hinten bei der WAA."

Eine schwierige Sprache

Das Oberpfälzisch, so archaisch es für manche Ohren klingen mag, hat ganz eigene Laute. Vokale vor allem, die es sonst im Dialekt nicht gibt. "Unser tiefes A ist ganz typisch", doziert Steinl. Und natürlich das für unsere Sprache so einzigartige Ou. Wichtigster Kandidat für den Theatermann aus Amberg war Johannes Zeiler, der im WAA-Film den damaligen Schwandorfer Landrat Hans Schuierer spielt, die Ikone des WAA-Widerstands. "Der Johannes Zeiler ist ein Steiermarker." Den hat Winni Steinl in Wien gecoacht. Und die Überraschung war groß: Gerade das Steirische ist in vielen Bereichen der Sprache der Oberpfälzer verwandt, die Aufgabe erwies sich als einfach.

Nicht immer läuft es so problemlos. Viele der Darsteller sprechen von Haus auf keinen Dialekt. Mit von der Partie sind unter anderem August Zirner, Fabian Hinrichs vom Franken-Tatort und Peter Jordan. Nur Anna-Maria Sturm, die Tochter von Irene Sturm, die sich im WAA-Widerstand einen Namen gemacht hat, kann auf original Sprachkenntnisse zurückgreifen. Die schwierigsten Kandidaten aber kommen aus der direkten Nachbarschaften. "Die Niederbayern sind das größte Problem", sagt Winni Steinl. "Die sagen neda, wenn sie nicht meinen, das bringst du denen nicht raus." Er versucht es weiter. (Angemerkt)

Die sagen neda, wenn sie nicht meinen, das bringst du denen nicht raus.Winnie Steinl zum Problem, einem Niederbayern das Oberpfälzische nahe zu bringen.
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