15.05.2018 - 20:36 Uhr
Oberpfalz

Wolf Butter und die Klassiker der kleinen Bühne Klatsch und Tratsch

In Amberg ist Wolf Butter kein Unbekannter mehr, denn es ist bereits sein fünfter Besuch in der Stadtbibliothek. Nach Kästner, Ringelnatz, Tucholsky & Co. bündelt er diesmal gleich mehrere Poeten zu seinem aktuellen Programm "Klassiker der kleinen Bühne".

Wolf Butter kommt diesmal ohne Goethe und Shakespeare aus. Bild: Hartl
von Autor MSCProfil

Von Marielouise Scharf

Weder Goethe noch Shakespeare sind unter den Autoren zu finden. Schon eher mogeln sich da Otto Reuter, Frank Wedekind, Erich Mühsam oder Claire Waldorf ins Programm des literarischen Kabaretts. Einer Sparte, die es heute kaum noch gibt. Aber in Berlin und München waren die Dichter-Individualisten in den 20er-Jahren beliebt und berühmt. Ihre Auftritte wurden belacht und von der Zensur kritisch beäugt.

Wolf Butter studierte Musik, Schauspielkunst und Komposition. Er ist als Dozent am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und an der Hochschule für Darstellende Kunst in Berlin tätig. In seinem Soloprogramm erweckt er Verse zum Leben und begleitet sich ab und zu auch selbst am Klavier. Aber keine Angst! Der Professor gibt nicht den knochentrockenen Besserwisser-Typ. Er kommt mit Schnauzer, Jeans und Pagenkopf im Look wie einstmals Angela Merkel noch vor dem Besuch beim Designer-Friseur. Ihm steht die Prinz-Eisenherz-Version. Ihm stehen auch die frechen Gedichte, die lockeren Sprüche, die kritischen Bemerkungen. Es ist gepflegte Unterhaltung, anspruchsvoll und heiter, die der Rezitator auch diesmal dem handverlesenen Publikum bietet.

Butter trägt das Gedicht "Zäzilie" von Christian Morgenstern vor: "Zäzilie soll die Fenster putzen, sich selbst zum Gram, jedoch dem Haus zum Nutzen" beginnt er mit dunkler Stimme. Er stellt die Dichter vor: Otto Reuter als "den kleinen Dicken mit der Wampe" oder Ringelnatz, den "kleinen Sachsen mit den krummen Beinen". Lange Lesungen gibt es bei ihm nicht. Er liefert launige Plaudereien. Biografisches.

Zeitgeschichte und Poesie garniert er mit Klatsch und Tratsch von damals. Dabei arbeitet er freihändig. Kleine Holpersteine kaschiert er geschickt. Und er bindet die Zuhörer mit ein beim Couplet: "Das ist leicht, das ist schwer". Die erste Strophe lautet wie folgt: "Treu zu sein mit 60, 70, wo man schon ganz ausgeliebt sich, sowieso nichts mehr erreicht, das ist leicht. Doch treu sein mit 20 oder 30, wo das Herz noch jung und fleißig - dann nicht schaun nach andern mehr, das ist schwer."

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