03.11.2017 - 11:56 Uhr
Oberpfalz

Wolfgang Ambros singt im ACC Letzte Abfahrt vom Steilhang

Das Ringelspiel dreht sich noch. Auch wenn der Inhaber des nun doch schon etwas betagten Karussells am Krückstock daherkommt. Früher nannten sie ihn Wolferl, heute ist er der Herr Ambros. Mit allem Respekt vor einer Barockfigur der Liedermacherkunst.

"Fria woa domois, heit is heit", singt Wolfgang Ambros in "Frage der Zeit." Es ist, als hätte Joesi Prokopetz den Text für das Lied damals schon in weiser Voraussicht geschrieben. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Autor HOUProfil

Von Wolfgang Houschka

Wie viele Schlachten hat dieser Mann geschlagen? Vor Zehntausenden auf der Donauinsel und jetzt oft in nur mehr halb gefüllten Provinzhallen. Wolfgang Ambros schleppt sich mühsam ins ACC, ist am Körper gebrechlich geworden. Man wartet auf den Sandler und den Zentralfriedhof. Vergebens. Aber in diese zweieinhalb Stunden kann ja nicht alles gepackt werden, was den Wolferl aus Austria zu einer Figur gemacht hat, die deutscher Konkurrenz Statistenrollen zuwies. Er und neben ihm der Prokopetz, der Kolonovits, der Steinbäcker, der Danzer, der Fendrich und der Cornelius - das war's, was Richtungen vorgab.

Ambros damals und jetzt. Das Blattgold am Korpus des schmal gewordenen Barockengels der Barden ist nachgedunkelt und blättert. Nur aber an der Leibhaftigkeit. Die mancherlei Botschaften verkündende Stimme ist noch da. In der ersten Stunde scheint es, als ob er sich durch dieses Programm quält. Doch dann, nach der Pause, explodiert der zwischenzeitlich 65-Jährige. Wie in alten Tagen geht die Post ab.

"Früher war damals, heute ist heut'", hat er ganz am Anfang gesungen. Richtig: Der Ambros im Rentenalter, gerahmt von den genialen Musikern Günter Dzikowski (Keyboards) und Roland Vogel (Gitarre). Sie braucht er dringend, um zu alter Form aufzulaufen. Sitzend, weil stehend nichts mehr geht. Die Jahre haben sich eingekerbt und Furchen hinterlassen,

Aber: Wenn Wolfgang Ambros mit der Trambahn Richtung Favoriten fährt, stinkt's drinnen immer noch und man muss ihn, wie früher, kräftig zwicken und "a Watsch'n geb'n", damit ernüchternde Realität einkehrt.

Danke, jetzt ist uns klar: Ambros ist nach wie vor vernarrt in die "Blume aus dem Gemeindebau", er kann die "Wintersunn" wie ein Poet beschreiben, bekennt hintergründig "Tendenz zur Demenz" und transportiert noch immer in genialer Weise einen Menschen namens "Da Hofer".

Ja, Wolferl. Alles in trockenen Tüchern: "Langsam wachs' ma z'samm". Auch nach Jahrzehnten ein Entwicklungsprozess. Mit dem "Schifoan" als obligater Schlussnummer. Rekorde unterbieten können wir alle gemeinsam nicht mehr. Aber zum Händeklatschen reicht es. Stehender Beifall im ACC.

Für einen, der rhythmisch auf seinem Hocker mit dem linken Bein wippt und irgendwann, so ist wohl anzunehmen, Farbe bekennen muss. Denn die Abfahrt vom Steilhang der Popularität ist auch für eine Legende irgendwann beendet. Aber vorher muss er uns noch den "Sandler" spielen, den Ambros viel besser machte als Bob Dylan im Original von "Drifter's Escape".

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