15.01.2018 - 09:30 Uhr
Oberpfalz

Zuckmayers Schauspiel "Des Teufels General" zeigt persönliche Konflikte von Nazi-Helfern auf Ein Klima der Angst und des Misstrauens

Seit über 70 Jahren steht Carl Zuckmayers Drama "Des Teufels General" immer wieder auf den Spielplänen und wird von namhaften Theatermachern neu inszeniert und gedeutet. Jetzt hatte das Amberger Publikum Gelegenheit, die Auffassung von Regisseur Klaus Kusenberg im Stadttheater in Augenschein zu nehmen.

Noch können sie feiern! Aber das Rad des Schicksals nimmt unaufhaltsam seinen Lauf. Und am Ende stirbt ein fragwürdiger Held. Bild: Steinbacher
von Johann FrischholzProfil

Klaus Kusenberg lässt das Ensemble um "General" Gerd Silberbauer die dramatischen Geschehnisse und das unnatürliche Ende von Carl Zuckmayers persönlichem Freund, dem hochdekorierten Flieger-Ass des Ersten Weltkriegs, Ernst Udet in einer eindrucksvollen Inszenierung auf die Bühne bringen. Udet alias General Harras hatte sich, obwohl selber kein Parteigenosse, mit den Nationalsozialisten gemein gemacht, um auch im Zweiten Weltkrieg dem Vaterland mit seinen Kenntnissen im Bereich der Fliegerei zu dienen. Leider ist das Stück in weiten Teilen wirklich nur etwas fürs Auge, denn die - nicht elektrisch per Mikrofon verstärkten - Darsteller sind vor allem in den hinteren Reihen des Parketts und auf den Rängen nur schwer zu verstehen.

Pakt mit dem Teufel

Zu spät merkt Harras, dass er sich auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen hat. Die Kenntnis über Verbrechen des Regimes bringt ihn in einen Gewissenskonflikt. Der schneidige Held, der zwar kein Blatt vor den Mund nimmt, auch wenn er ahnt dass er abgehört wird, zerbricht daran schon bevor ihn die Gestapo einem zweiwöchigen Verhör unterzieht. Silberbauer stellt diesen Verfall der Persönlichkeit des Generals mit beeindruckender Intensität dar.

Die Figur des Harras steht zwar im Mittelpunkt der Handlung, aber es lohnt auch ein Blick auf die anderen Akteure. Denn von der Überwachung sind nicht nur der General betroffen, sondern alle, die mit ihm zu tun haben. So entwickelt sich in seiner Umgebung ein Klima der Angst und des Misstrauens. Dabei hat Zuckmayer auch die kleineren Rollen mit einer jeweils eigenen Geschichte ausgestattet und auch allen, bis auf einen, ein ambivalentes, manchmal sogar hoch komplizierten Verhältnis zu den Machthabern zugeschrieben.

Den einen, nämlich den Spitzel Dr. Schmidt-Lausitz, stellt Markus Fisher mit einem widerlichen, menschenverachtenden Zynismus dar, dass einem schier übel dabei werden kann. Da ist der alte Parteigenosse und in der "Kampfzeit" erprobte Schlagetot Pfundtmeyer, von Peter Schmitt-Pavloff recht lebensnah gespielt, ein richtiger Sympathieträger - auch weil er zu denen gehört, die nicht mehr ganz so stark an die Versprechungen des Regimes glauben.

Eine Frage des Mutes

Auch eine recht zweispältige Natur ist Chefingenieur Oderbruch - dargestellt von Hans Machowiak - auf den Leib geschrieben. Der Widerstandskämpfer versucht für sich eine Rechtfertigung dafür zu finden, dass durch seine Sabotage, die zwar die Dauer des Krieges verkürzen soll, dennoch Menschen ums Leben kommen müssen.

Die Frage von Schuld und Verantwortlichkeit müssen sich somit fast alle Akteure, die im Dunstkreis von General Harras und damit in einer "kriegswichtigen" Funktion tätig sind, stellen. Damit wird gleich eine weitere Frage aufgeworfen, nämlich die des persönlichen Mutes. Wäre es anständiger gewesen, angesichts der Verbrechen der Nazis, sich zu verweigern, in die innere Emigration zu gehen oder sich gar einer Widerstandsgruppe anzuschließen?

Einzig des Teufels General Harras setzt zumindest symbolisch ein Zeichen, als er absichtlich mit seinem Flugzeug abstürzt. Der kaltschnäuzige Dr. Schmidt-Lausitz kann vermelden: "Reibungslos abgewickelt! General Harras soeben in Erfüllung seiner Pflicht tödlich verunglückt!" Was aus den anderen Beteiligten und ihren Gewissenskonflikten wurde, bleibt offen. Kleine Fußnote der Geschichte: Ernst Udet erhielt nach seinem Selbstmord ein Staatsbegräbnis!

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