04.01.2018 - 13:58 Uhr
Oberpfalz

Zur Jahresaustellung der Gruppe Amberger Künstler Lauter Leises von Ulrike Lauter

Neujahr ohne Neuschnee? Man kann sich in diesen grauen Regentagen festhalten an der Erkenntnis des melancholischen Humoristen Kurt Tucholsky: "Es gibt keinen Neuschnee."

Ulrike Lauter taucht, wie hier in "Winter II" die Hügellandschaft um Amberg ins Licht der Romantik. Dabei orientiert sie sich an altmeisterlichen Bildkompositionen eines Caspar David Friedrich. Wer bereit ist, sich zu vertiefen in diese winterliche Landschaft, wird die Kraft spüren, die von solcher Inspiration ausgeht. Bild: Peter Geiger
von Redaktion OnetzProfil

Von Peter Geiger

Amberg. Tucholskys Begründung: "Immer sind da Spuren, und immer ist schon einer dagewesen. Und immer ist einer noch höher geklettert, als du es je gekonnt hast. Das darf dich nicht entmutigen. Klettere, steige, steige. Aber es gibt keine Spitze." Man besucht eingedenk solcher Trostworte die Jahresausstellung der Gruppe Amberger Künstler in der Alten Feuerwache an der Zeughausstraße. Und widmet sich dort dem ebenso schmalen wie feinen Oeuvre der Ulrike Lauter, gleich vorne an der Fensterfront. "Einsamer Baum", so heißt im Untertitel von Caspar David Friedrichs berühmtem Gemälde "Dorflandschaft bei Morgenbeleuchtung" aus dem Jahr 1822. Da steht im Bildzentrum eine vom Leben in der Natur gezeichnete Eiche, an manchen Stellen schon kahl, an anderen übersät von jungen Trieben.

Diskret im Hintergrund

Und während sich das titelgebende Dorfleben diskret im Hintergrund abspielt, in einer Senke, wird der Baum zum Symbol für Werden und Vergehen, für Sterben und Wiedergeburt. Ulrike Lauter scheint sich, was Farbwahl und Bildkomposition anbelangt, zu orientieren an diesem Romantiker mit dem altmeisterlichen Strich. Gleichzeitig aber hat sie ihr Bild schockgefrostet und mit Neuschnee ausgestattet, weshalb aus tiefverschneiter Landschaft vor Bergwaldhintergrund eine Baumgruppe herausragt. Und die behauptet sich gegen alle Widrigkeiten und Zumutungen der stiefmütterlichen Winternatur. Gleichzeitig aber verschwindet das allzu Konkrete.

Himmel und Erde

Die pensionierte Kunstpädagogin verschleift die Konturen und lässt so Himmel und Erde eins werden. Die ganze Welt, die greifbare wie auch das Unbegreifliche, alles ist in silber-schimmerndes Blaugrau getaucht. Und doch hat diese Winterlandschaft etwas Verführerisches, alles ist in seiner Flächigkeit rund und harmonisch. Und der Betrachter fühlt sich aufgefordert, Teil zu werden dieser Wintertraum-Szenerie, einzutreten und teilzuhaben an der Schneewanderung. Um so seine Spuren zu hinterlassen auf dem unberührten Weiß.

Denn wie wusste schon Kurt Tucholsky? "Wenn du aufwärts gehst und dich hochaufatmend umsiehst, was du doch für ein Kerl bist, der solche Höhen erklimmen kann, du, ganz allein. dann entdeckst du immer Spuren im Schnee. Es ist schon einer vor dir dagewesen." Nein, um originell zu sein und tiefsinnig, muss man nicht immer der Erste sein.

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