Zwei Stunden "Blech und frech" im ACC
Wo Musik und Herz zu Hause sind

D'Woihausener Straßenmusikanten heizen dem Publikum mit Wirtshausliedern und Couplets ein. Doch nicht nur das: Sie fordern die Zuschauer auch zum Tanzen auf. Bilder: Huber (4)
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
03.04.2018
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Wer möchte, kann zur Musik der Gruppe auch nach Herzenslust tanzen. Wer tipps dazu benötigt, bekommt sie von Dieter Kohl.

"Blech und frech" im ACC: Das bedeutet Musik, Witz, Charme und Tanz. Kreisheimatpflegerin Martha Pruy und das Kulturreferat der Stadt verpflichten mit den Zupfer-Moidln, den Bauernseufzern und den Woihausener Straßenmusikanten Gruppen, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen.

Von Helmut Fischer

Amberg. Natürlich war das Kongresszentrum wieder ausverkauft, als D' Woihausener Straßenmusikanten die Veranstaltung eröffneten. Und diesmal war es OB Michael Cerny selbst, der die Zuhörer willkommen hieß. Cerny freute sich über das volle ACC, holte Organisatorin Martha Pruy auf die Bühne und dankte ihr mit einem Blumen-Präsent für ihr Engagement. Dann bat er Moderator Hans Meindl dazu, der die Zuhörer humorvoll auf die kommenden zwei Stunden einstimmte und neugierig machte.

Es folgte der Auftritt der Bauernseufzer Crissy Simon, Markus Moosburger und Stefan Brock. Die stellten sich gleich als "flotter Dreier" vor und heizten dem Publikum sofort mit einem Oberpfälzer Couplet ein: "Wenn i nachts von der Stanz hoam geh". Unglaublich, in welcher wahnsinnigen Geschwindigkeit sie singend aufzuzählen vermochten, was ihnen nachts beim Heimgehen von der Stanz dann so alles weh tat. Markus mit seiner Quetschn, Stefan mit dem Tenorhorn und Crissy als temperamentvolle Sängerin, sie fingen das Publikum bei ihren verschiedenen Auftritten sofort ein und würzten ihre tolle Musik mit witzigen und originellen Zwischentexten.

Mit Charme und Witz

Dem standen die Zupfer-Moidln mit Gerhard Reber an der Diatonischen in nichts nach. Waltraud und Renate sind so etwas wie Urgesteine der Oberpfälzer Volksmusik. Sie sangen bodenständige, vor allem lustige Lieder aus der Oberpfalz und dem Bayerischen Wald und hatten eine schier endlose Kette von witzigen Anekdoten in ihrem Repertoire. Schon ihre Schilderung von dem Autofahrer, der auf der Autobahn nur 73 fuhr, war so ansteckend, dass alle zumindest schmunzeln mussten. Der Mann sei gestoppt worden und habe er Polizei erklärt: "Ich fahr' auf der A 73, also fahr' ich 73." Auf dem Rücksitz hätten die Beamten zwei völlig verstörte ältere Damen entdeckt. Die Antwort: "Vorher waren wir auf der B 299."

In dieser Form ging es munter weiter. Zu bewundern war bei ihnen wie auch bei den Bauernseufzern die gelungene Balance der witzigen Beiträge. Derb waren sie oft, auch mit einem Schuss bodenständiger Erotik versehen, aber stets wurden diese mit dem Florett, nicht mit dem Holzhammer präsentiert. Das war Entertainment der ganz großen Klasse.

Und D'Woihausener Straßenmusikanten, eine kleine Blasmusikbesetzung von elf Musikanten, heizten mit Wirtshausliedern und Couplets nicht nur so richtig ein, sondern forderten auch zum Tanzen auf, was unter Anleitung von Dieter Kohl auch genutzt wurde. Urig sahen sie aus, die Woihausener, neun Männer und zwei Frauen, dekoriert mit bunten Hüten. Wert legten sie auf die Feststellung: "Wir spielen besser, als wir aussehen, denn wir wohnen an der Grenze, verdienen deshalb wenig und ziehen an, was wir aus dem Sack rausziehen." Das war noch untertrieben, denn sie brachten so richtig Schwung in den Saal und ergänzten singend ihre Zwiefachen und Schottischen dazu.

Flirt mit dem OB

Ein besonderes Tüpferl setzte Crissy mit den Bauernseufzern auf. Mit einem unwiderstehlichen Charme nahm sie sich selbst gewichtig auf die Schippe. Ihre Suche nach einem Mann, der als herausstechendes männliches Attribut einen Bierbauch haben sollte ("Ich vibrier' von Kopf bis Zeh, wenn ich nen Mann mit Bierbauch seh'"), war auch deshalb so vergnüglich, weil sie sich spontan den Oberbürgermeister ausguckte: "Komm' her, mein Bierbauch-Hase!"
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