26.01.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

20-Jähriger stiehlt zur Drogenbeschaffung 1350 Euro - Schlüssel entwendet und nachts Geld geholt Erpresser-Story frei erfunden

von Autor HWOProfil

Typischer Fall von Beschaffungskriminalität: Ein 20-Jähriger brauchte Geld zum Drogenkauf, er stahl Schlüssel, gelangte damit in einen Getränkemarkt und holte sich 1350 Euro. Als der junge Mann unter Verdacht geriet, ging er mit einer leicht durchschaubaren Geschichte zur Polizei. Dort gab er zu Protokoll, er sei von drei Türken erpresst worden und habe deshalb den Diebstahl ausführen müssen.

Anwalt Ekkehard Zink hatte den Angeklagten gut beraten. Vor der Jugendrichterin legte der 20-Jährige jetzt ein umfassendes Geständnis ab. Er machte damit deutlich, dass er allein für den Gelddiebstahl verantwortlich war und Bares für den Kauf der Designerdroge "Crystal Speed" gebraucht hatte. "Und die", stellte Richterin Froschauer fest, "ist nicht gerade billig."

In einer Sommernacht

Der dreiste Coup ereignete sich in einer Sommernacht vergangenen Jahres. Der 20-Jährige beschaffte sich die Schlüssel zu einem Amberger Getränkemarkt, kam gegen 4 Uhr morgens über den Lieferanteneingang, gelangte ins Büro und holte sich dort aus einem Behältnis 1350 Euro. Interessant dabei: Eigentlich wäre noch einiges mehr an Geld vorhanden gewesen.
"Wie sind Sie an die Schlüssel gekommen?", wollte die Richterin wissen. Einfache Erklärung: Der Betreiber des Marktes wohnte seinerzeit im häuslichen Umfeld des Beschuldigten, hatte dort auch die Schlüssel aufbewahrt. Als der Geschäftsmann Tage später merkte, dass Scheine fehlten, geriet der 20-Jährige unter Verdacht und ließ wissen, er sei von drei Türken in erpresserischer Weise zu dem Diebstahl genötigt worden. Für seine Dienste habe er anschließend 220 Euro erhalten.

Noch am gleichen Tag wiederholte der junge Mann auf der Amberger Polizeiwache seine Geschichte. Als ihm dann der Vernehmungsbeamte vorhielt, dass "diese Story nie und nimmer stimmt", brach der 20-Jährige ein und gab zu, dass er bewusst auf eine falsche Spur führen wollte. Bei den als "Lohn" genannten 220 Euro handelte es sich um den Rest der im Getränkemarkt gemachten Beute.

Arrest und Arbeitseinsatz

Was tun mit einem, der bis zu diesem Vorfall keinerlei Vorstrafen hatte? Der Staatsanwalt beantragte zwei Wochen Dauerarrest und 80 gemeinnützige Arbeitsstunden. Der Verteidiger empfahl der Richterin, es bei einem unentgeltlichen Arbeitseinsatz zu belassen. Petra Froschauer beschritt einen Mittelweg. Sie schickte den 20-Jährigen in einen Wochenendarrest, er muss außerdem 120 Stunden gemeinnützigen Dienst leisten.

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