13.07.2013 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

25-Jähriger attackiert Mitgefangenen mit einem Stuhl - Haftaufenthalt um 17 Monate verlängert Angriff in der Gemeinschaftszelle

von Autor HWOProfil

Was sich an strafbaren Handlungen hinter Gefängnismauern ereignet, bleibt der Justiz oft verborgen. "Für uns", sagte Richterin Jacqueline Sachse, "ist es aber wichtig, davon zu erfahren". Danach verlängerte sie den Haftaufenthalt eines 25-Jährigen um 17 Monate. Er hatte einen Mitgefangenen erheblich verletzt.

Selbstjustiz ist in jedem Gefängnis an der Tagesordnung. Auch in Amberg. Wer als "Zinker" gilt, hat schwere Zeiten. Zumal in einer Gemeinschaftszelle. Acht Leute waren dort untergebracht, als ein 45-Jähriger aus einem Arrestaufenthalt in diese Gemeinschaftsunterkunft zurückkehrte und seinen Schrank aufgebrochen vorfand. Danach gab es Meinungsverschiedenheiten, bekam der heute in einer anderen Haftanstalt untergebrachte Mann nach eigener Darlegung "einen Schlag in den Rücken" und dann weitere Hiebe.

Sie stammten von einem hölzernen Stuhl, der nach ihm geworfen wurde. Später will der 45-Jährige mit dem Umbringen bedroht worden sein. Angesichts seiner Verletzungen erstattete die Anstaltsleitung Anzeige, er unterschrieb einen Strafantrag.
Den Täter holte die Staatsanwaltschaft vor Gericht. Bei der Verhandlung hörte die Richterin: "Er hat mich angegriffen. Da habe ich den Stuhl zur Abwehr benutzt." Eine Notwehrhandlung also? Sie wurde bei der Urteilsbegründung in den Bereich der Fabel verwiesen. Auch als die Rede auf später erfolgte Drohungen kam, stellte sich der 25-Jährige als unschuldig dar. Das, hörte Jacqueline Sachse, habe er nicht gemacht.

Das Opfer ("Wo ich heute einsitze, möchte ich nicht sagen.") schilderte die jähe Stuhl-Attacke in Einzelheiten. Danach hörte die Richterin einen Ex-Häftling, der sich damals mit in der Gemeinschaftszelle aufhielt. Er habe keine Beobachtungen gemacht, versicherte der Mann. Er bekommt nun ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage an den Hals.

Staatsanwältin Michaela Frauendorfer listete 14 Vorstrafen des Beschuldigten auf, sprach von gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung. Dafür verlangte sie 21 Monate ohne Bewährung. Dagegen stemmte sich Verteidiger Jürgen Mühl. "Der Geschädigte hat zu dieser Auseinandersetzung mit beigetragen", unterstrich er und hielt ein Jahr Haft für ausreichend.

"Nein", sagte Richterin Jacqueline Sachse in ihrer Urteilsbegründung, "das Opfer hat nichts getan, um eine solche Attacke zu rechtfertigen." Sie verlängerte den Haftaufenthalt des 25-Jährigen um 17 Monate.

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