36-Jähriger soll Zählerstände manipuliert haben - Prozess mit langer Beweisaufnahme - Zeugen ...
Mit sechs "Unrichtigen" auf die Anklagebank

Es geht um sechs Zähler, fünfstellige Zahlenreihen und den Verdacht, dass jemand Strom-, Gas- und Wasserrechnungen zu seinen Gunsten manipulieren wollte. Mit einer langen Beweisaufnahme wird nun gegen einen 36-Jährigen vor dem Amtsgericht verhandelt.

Ein halbes Dutzend Bedienstete der Amberger Stadtwerke waren am ersten Prozesstag als Zeugen aufgeboten. Die an sie von der Richterin Jacqueline Sachse primär gestellte Frage lautete: Kann es sein, dass es bei der Computereingabe von sechs dem Unternehmen genannten Zählerständen in jeder einzelnen Ziffernfolge zu Fehlern kommt? Für eine plausible Antwort hätte es eigentlich keiner langen Befragungen bedurft: "Ein Fehler kann schon mal sein. Aber bei jedem der sechs Zählerstände? Nein, das ist unmöglich."

Miete nicht bezahlt

Der auf die Anklagebank zitierte Mann versichert mit Nachdruck seine Unschuld. Er musste, weil über Monate hinweg die Miete schuldig geblieben, aus einem Haus im Stadtgebiet ausziehen. Samt bei ihm wohnender Lebensgefährtin begab er sich zu den Zählern für Strom, Gas, Wasser, zückte ein Notizbuch und schrieb die Verbrauchsstände auf. Anschließend wurden die Zahlenreihen bei einer persönlichen Vorsprache den Stadtwerken mitgeteilt.
Nicht lange darauf las auch der Wohnungsvermieter die Zählerstände ab und übermittelte sie dem Energielieferanten. Dabei offenbarte sich: In jeder der Ziffernauflistungen war jeweils eine Zahl unterschiedlich. "Und das", sagte die Richterin zum Angeklagten, "ist dann schon auffällig." Unter dem Strich summierte sich die augenscheinlich "geschönte" Bilanz auf mehrere Hundert Euro Rechnungsdifferenz zugunsten des Beschuldigten. Im Prozess bleibt der Mann bisher dabei: "Ich habe das so abgelesen und weitergegeben." Unterstützung findet er von seiner Lebensgefährtin, gegen die ebenfalls Ermittlungen wegen Betrugs laufen.

Einstellung vom Tisch

"Könnten wir das Verfahren einstellen?", fragte Verteidiger Dieter Spieß. "Nein", konterte die Richterin, dahin führe kein Weg. An einem zweiten Verhandlungstag soll noch ein Zeuge aussagen. Dann folgt das Urteil.
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