25.05.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

40-Jährige soll Vertrag zum Kauf eines Friseurladens nicht erfüllt haben - Prozess ausgesetzt Ein "haariger" Betrugsvorwurf

Betrugsobjekte gibt es in riesiger Zahl. Ob allerdings bisher jemals ein Friseurladen in den Mittelpunkt polizeilicher Ermittlungen rückte, ist höchst fraglich. Von daher kommt einem vor dem Amtsgericht Amberg laufenden Strafverfahren Interesse zu.

von Autor HWOProfil

Um es vorwegzunehmen: Der Prozess endete zunächst wie das berühmte Hornberger Schießen. Richterin und Verteidiger drängten auf Verfahrenseinstellung, die Staatsanwältin sah weiteren Klärungsbedarf. Folglich wurde die Verhandlung ergebnislos abgebrochen und mit der Andeutung "da müssen dann mehrere teuere Gutachten her" auf unbestimmte Zeit vertagt.

Vor nunmehr zweieinhalb Jahren interessierte sich eine 40-jährige Friseurmeisterin aus Weiden für den Kauf eines Friseursalons in einem Ort nördlich von Amberg. Sie nahm Kontakte zur Besitzerin auf, führte mehrere Gespräche und unterschrieb schließlich einen Vertrag, der sie nach Zahlung von 20 000 Euro zur neuen Inhaberin des Ladens hätte machen sollen. Wichtig dabei: Außerhalb des Kontrakts, so verdeutlichte sich nun vor der Richterin Jacqueline Sachse, soll es zur Vereinbarung von Ratenzahlungen gekommen sein.

Alles ohne Mietvertrag

Was dann geschah, war so wohl nicht vorauszusehen: Die 40-Jährige begann zwar mit ihrer Arbeit im Salon, doch einen Mietvertrag von der Hausbesitzerin bekam sie nicht. Die Eignerin des Gebäudes hatte herausgebracht, dass die Coiffeurin aus Weiden zuletzt von Unterstützung lebte, und bangte um ihre monatlichen Einkünfte. Dennoch begann die heute 40-Jährige mit ihrer Arbeit und tat dies quasi als Untermieterin der den Salon verkaufenden Frau. Anschließend stellte sich rasch heraus, dass Kunden eher spärlich kamen und nur ein paar Hunderter monatlich als Verdienst blieben.
Womit die 40-Jährige alle im Vertrag getroffenen Vereinbarungen für nichtig erklärte und die 20 000 Euro weder in bar noch in Raten zahlte. Grund: Von ihrer Tätigkeit konnte sie nicht leben, außerdem erhielt sie keinen Mietvertrag.

"Ein Fall für den Zivilrichter", befand Verteidiger Jörg Jendricke. In diese Richtung tendierte auch die Vorsitzende. Sie bezweifelte obendrein, "ob denn die Einrichtung des Ladens samt angeblich guter Lage 20 000 Euro wert waren". Womit sich eine Verfahrenseinstellung andeutete. Doch die Staatsanwältin befand, dass es noch Klärungsbedarf gebe. Schon allein deshalb, weil die Friseurin, die ihren Laden zum Verkauf angeboten hatte, wegen einer Krankheit derzeit vernehmungsunfähig ist.

Nicht ganz billig

Wie geht es weiter? Richterin Sachse deutete an, dass nun wohl bis zur Genesung der Frau abgewartet werden müsse und bei einer Neuansetzung des Prozesses auch mehrere Expertengutachten vorliegen sollten. Eine nicht eben billige Angelegenheit mithin. Doch sie wird sein müssen, um zu klären, "wer wen über den Tisch zog", wie Anwalt Jendricke formulierte. Vorerst einmal wurden sechs Zeugen unvernommen heimgeschickt. "Wann müssen wir wieder her?", wollten sie wissen. Doch diese Frage konnte die Richterin nicht beantworten.

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