08.10.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

41-jähriger Amberger rastet aus - "Wollte nur meine Ruhe" - Sechs Uniformierte bugsieren ihn in ... Attacke gegen Polizisten kostet 6000 Euro

von Autor HWOProfil

Wer den öffentlichen Frieden stört, ist ein Störenfried. Das lässt sich durchaus von einem Mann behaupten, der aus eher nichtigem Grund plötzlich ausrastet und aggressiv wird. Weil er sich mit sechs Polizeibeamten eine wirklich heftige Balgerei lieferte, muss der 41-Jährige aus einem Amberger Stadtteil jetzt 6000 Euro Geldstrafe zahlen.

An einem Januarabend dieses Jahres wollte der Amberger unbedingt seinen Arzt sprechen. Er rief ihn gegen 22.30 Uhr an, bekam zu solch nächtlicher Stunde keine Verbindung und wurde zum Callcenter der Kassenärztlichen Vereinigung durchgestellt. Was dann folgte, bestritt der 41-Jährige jetzt vor der Amtsrichterin Dr. Barbara Tutsch heftig.

Am Telefon sollen plötzlich Sätze gefallen sein, die sich drohend anhörten. Zum Beispiel: "Ich bringe mich um und andere." Daraufhin wurde von der ärztlichen Telefonzentrale aus vorsorglich die Polizei verständigt. Funkstreifenbeamte fuhren zur Wohnung des Mannes und bemerkten plötzlich, wie er sich mit einem großen Hund an der Leine seinem Anwesen näherte. Was folgte, galt jetzt vor der Richterin als fest stehender Sachverhalt.

Völlig uneinsichtig

Nach einem kurzen Wortwechsel und der Aufforderung, stehen zu bleiben, wurde der 41-Jährige sofort renitent. Daraufhin kam Verstärkung aus der Wache, mussten sich anschließend sechs Uniformierte intensiv abmühen, um den völlig uneinsichtigen Arbeiter in den Streifenwagen zu bugsieren. Es setzte einen Fußtritt gegen das Knie eines Polizisten, Ausdrücke wie "Deppen" fielen und es wurde gespuckt. Ein hartes Stück Arbeit für die außer Atem geratenen Ordnungshüter. Ihr Widersacher kam nicht unverletzt davon.

"Warum haben Sie sich so aufgeführt?", fragte Staatsanwalt Tobias Kinzler den Angeklagten, blätterte in einem Aktenordner und stellte fest, dass ein solch bedauerliches Intermezzo nicht zum ersten Mal stattfand. Die Antwort kam postwendend: "Ich habe niemandem gedroht und wollte nur meine Ruhe." Und deswegen dann eine solche Reaktion? Richterin Tutsch bohrte nach und erfuhr: "Warum haben die ein solches Trara gemacht?" Das, so fügte der 41-Jährige hinzu, sei doch nicht einsehbar gewesen.
War es doch. Nachträglich auch für ihn. Der Mann gab seine jähe Attacke gegen ein halbes Dutzend Polizisten zwar unumwunden zu, blieb aber dabei: "Drohungen hat es nicht gegeben. Warum ist dann die Funkstreife geholt worden?" Angesichts eines angefochteten Strafbefehls in Höhe von 6000 Euro startete Verteidiger Michael Schüll den Versuch, die Summe nach unten zu drücken. Doch da ließen weder Staatsanwalt noch Richterin mit sich reden. Anklagevertreter Kinzler gab zu erkennen: "Ich hatte zunächst bei der Bearbeitung des Falles an eine Haftstrafe gedacht, bin aber dann doch bei einer Geldstrafe geblieben." Und da, fuhr er fort, gebe es nun keinerlei Verhandlungsspielraum mehr.

Nach einem Vieraugen-Gespräch mit seinem Anwalt nahm der 41-Jährige den Einspruch zurück. Ihm wurde beim Abgang von richterlicher Seite aus eingeschärft: "Unterlassen Sie künftig solche Vorgehensweisen." Bleibt nachzutragen: Zum Zeitpunkt der Attacke auf die Gesetzeshüter hatte der Mann 1,1 Promille. Deshalb und auch wegen einer Krankheit attestierte ihm der Staatsanwalt verminderte Schuldfähigkeit. Den Polizisten wurde seitens der Justiz bescheinigt: "Sie haben völlig richtig gehandelt."

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