12.09.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

50 Jahre TC am Schanzl, Teil 1: Fünf Meisterschaften hintereinander Gallier mit Tennisschläger

Wenn die ehemaligen Spieler Johannes Heckmann und Michael Sommer über vergangene Zeiten sprechen, vergleichen sie den TC am Schanzl gerne mit den tapferen Galliern. Und tatsächlich: Anstatt Haue für die Römer gab es von den Amberger Spielern herbe Klatschen für Großstädter und die Tenniselite. So schafften die Tennisspieler es, Amberg richtig bekannt zu machen.

Wir waren keine Eintagsfliege. Es kamen zu uns 4000 bis 6000 Zuschauer.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Die Historie des Vereins liest sich wie ein Sportmärchen. Der TC wird 1978 überraschend Deutscher Meister mit einer rein bayerischen Mannschaft und verteidigt den Titel auch in den kommenden vier Jahren (!). Heckmann fasst das in zwei Worten zusammen: "Ein Novum." Er erinnert sich an "sechs Bajuwaren, die sich gegen Mannschaften aus Berlin und anderen Großstädten behaupteten". Der Teamgeist sei für den Erfolg ausschlaggebend gewesen - und das, obwohl Amberg anfangs eine "Tennisprovinz" war.

Heimrecht für den Meister

Damals war es so geregelt, dass der Titelverteidiger, sollte er im nächsten Jahr wieder in die Finalrunde (also unter die letzten Vier) kommen, Heimrecht hatte. Heckmann erzählt: "1979 war das der Fall. Das heißt, die Tennisprominenz aus ganz Deutschland musste nach Amberg kommen." Viele hätten sich erst informieren müssen, wo das Oberpfälzer Städtchen ist. Amberg wurde aber in der Tenniswelt doch richtig bekannt. Heckmann: "Wir waren keine Eintagsfliege. Es kamen zu uns 4000 bis 6000 Zuschauer."

Dem Deutschen Tennisbund schien das ein Dorn im Auge zu sein. Der ehemalige Spieler und Verantwortliche berichtet: "Das Ergebnis war, dass man sich überlegt hat, ob man den Modus mit dem Heimrecht noch beibehält. Die anderen waren neidisch auf die Zuschauerzahlen." Das Erfolgsrezept beschreibt Heckmann wie folgt: "Glück und Engagement natürlich, aber auch gezielte Arbeit".

1969 bestritten die Schanzler ihr erstes Heimspiel in der damaligen Gruppenliga. Damals gab es die Bundesliga noch nicht. Die Amberger spielten gegen die zweite Mannschaft von Iphitos München. "Ein ganz vornehmer Verein für damalige Verhältnisse", blickt Heckmann zurück. Das Team sei sehr stark gewesen und mit bekannten Spielern angereist. Auf der Terrasse angekommen, trug sich laut Heckmann folgende Situation zu: "Ein Spieler sagte im Münchener Dialekt sehr abwertend: 'Endlich haben wir diesen Club hier gefunden. Schau ma', dass wir die schlagen und der Verein wieder absteigt.'"

Johannes Heckmanns Bruder hat daraufhin Petr Strobl angespornt: "Für jeden Satz, den du unter 30 Minuten brauchst, um die Nummer eins zu schlagen, bekommst du eine Flasche Champagner." Strobl fegte seinen Gegner innerhalb von 27 Minuten vom Platz: 6:0 und 6:0. Die TC-Spieler schickten die Münchener mit insgesamt 9:0 nach Hause. Sommer erzählt: "Dass wir aus der Provinz die geschlagen haben, dass war für die fürchterlich."

Auch sonst machte der TC durch außergewöhnliche Aktionen auf sich aufmerksam. Etwa, als der Club Ende der 60er eine aufblasbare Halle aufstellte. "Diese funktionierte mithilfe eines Gebläses, war von außen beleuchtet und innen saukalt", erklärt Sommer und ergänzt: "Es hieß, Tennis sei ein Sommersport, im Winter geht das nicht." Die Amberger haben es dennoch zustande gebracht, in der kalten Jahreszeit zu spielen. Zweimal ist die Halle laut Sommer sogar weggeflogen.

Europacup in Amberg

In Erinnerung bleibt auch der Europacup der Landesmeister 1983, der in Amberg ausgetragen wurde. Es kamen über 8000 Zuschauer. Der damalige Oberbürgermeister verfasste für eine Broschüre des TC ein Grußwort, das in drei Sprachen, Deutsch, Englisch und Französisch, abgedruckt wurde. Heckmann erinnert sich: "Weil wir 1982 noch Deutscher Meister waren, wurde uns das Gastrecht zugebilligt."

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