20.02.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

57-Jähriger beleidigt Schülerlotsen, die Autos aufhalten "Vogel" für 1250 Euro

von Autor HWOProfil

Auch Jugendliche müssen sich eine Beleidigung nicht bieten lassen. Zumal dann, wenn sie ein verantwortungsvolles Ehrenamt übernommen haben. Weil er zwei Schülerlotsen den "Vogel" zeigte, muss ein 57 Jahre alter Kaufmann 1250 Euro an die Staatskasse zahlen.

Als die Amberger Amtsrichterin Jacqueline Sachse erst den Beschuldigten und dann die Zeugen vernahm, bekam sie zwei vollkommen unterschiedliche Versionen des Vorfalls, der sich im September 2011 vor einer Schule im nördlichen Landkreis Amberg-Sulzbach zugetragen hatte. Der Angeklagte entrüstete sich mit Blick auf die bisherigen Ermittlungen, wollte nie und nimmer jemanden beleidigt haben.

Um 7.45 Uhr an jenem Tag standen zwei Schülerlotsen an einer Kreuzung unweit ihrer Schule, stoppten Autofahrer mit der Kelle, ließen Kinder über die Fahrbahn. Das, so berichtete der Beschuldigte, sei ein ganz normaler Vorgang gewesen, den er auch respektiert habe. Dann aber fühlte er sich irgendwie provoziert. Die beiden Lotsen hätten die Fahrbahn nicht wieder freigegeben, "obwohl sich kein Schüler mehr in der Nähe befand". Das sei dann auch mehrere Minuten lang so geblieben.

"Beide Hände erhoben"

Und dann? "Ich habe gehupt und anschließend beide Hände erhoben." Durch eine solche Gestik, ließ der Mann vernehmen, sei den Schülerlotsen bedeutet worden, den Verkehr doch bitte sehr wieder freizugeben. Kein zweifaches Tippen an die Stirn also? "Niemals", unterstrich der 57-Jährige und fügte hinzu, zu solchen Reaktionen neige er nicht.

Samt ihrem Rektor, der die Beleidigungen bei der Polizei gemeldet hatte, waren die beiden 15 Jahre alten Schülerlotsen nach Amberg gekommen. Ihre übereinstimmenden Aussagen ließ keinen Zweifel am Hergang: "Der hat gehupt und uns zweimal den Vogel gezeigt." Von bewusster Trödelei und provokantem Benehmen keine Spur. Im Gegenteil: "Wir mussten erst ein paar Erstklässler über die Straße bringen."

Keine Entlastung

Da wurde es eng für den 57-Jährigen, dessen mit im Auto sitzende Frau die Aussagen ihres Ehemannes bestätigt hatte. Ein von der Verteidigung benannter Entlastungszeuge konnte sich nur lückenhaft an die Ereignisse vor der Schule erinnern. Er wusste noch, seinerzeit als Fußgänger hinzugekommen, dass Kinder über die Kreuzung gingen und deswegen mehrere Fahrzeuge vor den Lotsen angehalten hatten. Mehr aber auch nicht.

Die Beweislast war erdrückend. Und so nahm der Kaufmann seinen Einspruch gegen den vor einigen Wochen ergangenen Strafbefehl auf Anraten seines Rechtsanwalts zurück und zahlt nun 1250 Euro. "Vernünftig", wie Oberstaatsanwalt Joachim Diesch befand. "Mein Antrag wäre höher ausgefallen."

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