18.01.2012 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Aggressivität erzeugt Gegenreaktion - Fahrer eines Behindertenbusses muss 1200 Euro zahlen Erst angespuckt, dann zugeschlagen

von Autor HWOProfil

Das ungewöhnliche Verfahren dauerte eineinhalb Stunden. Dabei kam ein 61-Jähriger aus Mittelfranken glimpflich davon. Er war in seiner Eigenschaft als Busfahrer tätlich gegen eine behinderte Jugendliche aus Amberg handgreiflich geworden, nachdem die 16-Jährige zuvor ihm gegenüber ein äußerst aggressives Verhalten an den Tag gelegt hatte. Der Mann muss nun 1200 Euro zahlen. Dann wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Der Vorfall ereignete sich an einem Aprilabend im vergangenen Jahr in Amberg. Nach einigen daheim verbrachten Tagen sollte die 16-Jährige mit dem Bus abgeholt und nach Altdorf (Kreis Nürnberger Land) zu einer Behinderteneinrichtung gefahren werden. Als der Bus kam, wurde zunächst der Rollstuhl eingeladen, dann sollte die junge Mitfahrerin auf einem Sessel den Sicherheitsgurt angelegt bekommen.

Augenzeugin war ihre Großmutter, die dem Amberger Amtsrichter Dr. Stefan Täschner nun alle ihre Beobachtungen schilderte. Die 61-Jährige erzählte dabei sofort, dass ihre Enkelin sich wieder abgeschnallt habe und aggressiv geworden sei. "Sie wollte offenbar nicht mitfahren und führte sich auf", erfuhr der Richter. Und dann? Auch das hörte Täschner: "Sie hat den Busfahrer beschimpft und angespuckt."
Augenblicke später lagen die Nerven des Mannes endgültig blank: "Er hat sie ebenfalls angespuckt und ihr dann eine Ohrfeige gegeben", beobachtete die neben dem Fahrzeug stehende Großmutter. Danach ertönte "Raus, raus!", habe sich der Busfahrer geweigert, die 16-Jährige mitzunehmen. Nach Altdorf wurde die Behinderte kurz darauf von Oma und Mutter in deren Auto gebracht. Tage später, als der Busfahrer sich noch immer nicht entschuldigt hatte, erhielt die Staatsanwaltschaft eine Anzeige, begann die Amberger Polizei zu ermitteln.

Wie sah nun der 61-Jährige den Hergang des Zwischenfalls? Er habe weder gespuckt noch geschlagen, versicherte der Mann zunächst dem Richter und fügte hinzu, dass er sich regelrechtem Terror durch das plötzlich völlig außer Fassung geratene Mädchen ausgesetzt sah. Bei dieser Aussage blieb er, bis die Großmutter vernommen worden war. Fast im gleichen Atemzug beantragte dann der Anwalt des Berufskraftfahrers eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage.
"Darüber kann geredet werden. Aber nur mit vorangegangenem Geständnis", ließ Richter Täschner wissen und bekam, was er angesichts drückender Beweislast hören wollte. "Ja, ich habe gespuckt", räumte der 61-Jährige nach einem Vier-Augen-Gespräch mit seinem Verteidiger ein und gab auch zu, mit seiner Hand eine "Abwehrbewegung" gemacht zu haben. Angesichts der Tatsache, dass der Beschuldigte keine Vorstrafe hatte und im vorgerückten Alter um seinen Job hätte bangen müssen, wurde das Verfahren, auch mit Zustimmung der Staatsanwältin, gegen Zahlung von 1200 Euro Geldauflage vorläufig eingestellt. Außerdem entschuldigte sich der 61-Jährige bei der Mutter der Behinderten.

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