26.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Amberg. Nächste Sperrung in der Innenstadt: Jeder weiß von nichts

Umfassende Behördendementis allerorten und dennoch existent: Wir haben diese Schilder nicht aufgestellt (Rathaus). Es gibt überhaupt keine Taubengrippe (Veterinäramt am Landratsamt). Was also dann? Bild: Hartl
von Redaktion OnetzProfil

(zm) Im Stadtplan trägt die schmale Passage keinen Namen. Im Volksmund heißt sie mit einem Anflug von Ironie bezeichnenderweise „Schiffgasse“. Obwohl es sich ausdrücklich nicht um die nur wenig entfernte richtige Schiffgasse, aber auch nicht um eine öffentliche Bedürfnisanstalt handelt, es dort aber oft so riecht. Seit Montag ist der Durchgang zwischen der Georgenstraße und dem Eichenforstgässchen gesperrt: „Wegen Taubengrippe“, steht da groß und breit auf einem improvisierten Verbotszeichen.

Eine Ambergerin, die offenbar gerne diese innerstädtische Fußgänger-Abkürzung nutzt und die AZ auf die Barriere aufmerksam machte, findet das schlichtweg „bescheuert“. Schon sie bemühte sich am Montag herauszufinden, was sich wohl hinter den beiden Absperrbaken am Anfang und Ende der Gasse verbergen möge, und scheiterte. Einen Tag später versuchte es die AZ – und scheiterte ebenfalls.

Im Rathaus heißt es: „Bei uns in der Stadtverwaltung ist davon nichts bekannt.“ Um diesen öffentlichen Fußgängerweg ordnungsgemäß zu sperren, würde es einer entsprechenden „verkehrsrechtlichen Anordnung“ durch das Ordnungsamt bedürfen. Die gibt es aber nicht, also gibt es in behördenlogischer Konsequenz aus der Sicht des Rathauses diese Absperrung gleichfalls nicht, obwohl sie auch noch am Dienstagvormittag dastand.

Am Nachmittag nicht mehr so ganz. Anfangs hatte jemand das Schild dezent etwas zur Seite geschoben, kurz darauf die Stadt es entfernt. Da hier ein Fall von „Taubengrippe“ vorliegt, gibt es noch eine Zuständigkeit. Die ist beim Veterinäramt angesiedelt, das dem Landratsamt angegliedert ist. Auch dort kenn keiner diesen Fall, doch das Dementi fällt deutlich temperamentvoller aus als im Rathaus: 1. Wir haben da gar nichts veranlasst. 2. Weder im Landkreis, noch im Stadtgebiet sind Fälle von Vogelgrippe oder Geflügelpest bekannt. 3. Eine „Taubengrippe“ gibt es überhaupt nicht. 4. Für die Bevölkerung besteht also keinerlei Anlass zur Beunruhigung in welcher Form auch immer. 5. Für eine ordnungsgemäße Sperrung der Passage wäre sowieso die Stadt und nicht das Landratsamt zuständig, ebenso für die Überprüfung, ob hier alles mit rechten Dingen zugehe.

Angesichts dieser klaren und verwaltungsjuristisch offenbar wasserdichten Positionen bleibt nur noch eine Möglichkeit: „Womöglich handelt es sich um groben Unfug.“ Der könnte natürlich auch strafrechtlich verfolgt werden. Das wäre aber wiederum Sache der Stadt. Gegenvorschlag der AZ: Vielleicht handelt es sich um eine Form des öffentlichen Protestes gegen zeitweilig nahezu unerträgliche Zustände wegen verwilderter Tauben, die rund um dieses Gässchen ebenso fröhliche wie unappetitliche Urstände feiern?

Ein Blick ums Eck – quasi in den Hinterhof dieser Passage – reicht, sollte man den potenziell gesetzesbrecherischen Mut aufgebracht haben, trotz Absperrbake diesen Weg zu nehmen. Zwei selbstgebastelte Verbotszeichen sind da noch ein harmloses Mittel, seinen Unmut zu äußern. Aber am allerwenigsten werden sich die Tauben davon beeindrucken lassen, selbst wenn ihnen mit der Grippe gedroht wird.

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