29.07.2004 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Amberger Klinikum gegen Münchner Architekten: Rund 350 000 Euro Schadensersatz für ... Justitias Geldsegen nach zehn Jahren

"Das ist ja Wahnsinn", stöhnt Klinikum- Vorstand Wilhelm Daller. "Nach zehn Jahren Rechtsstreit sind wir froh, dass wir jetzt endlich den Schaden ersetzt bekommen." Ein feuchter Estrich hatte 1994 zu Folgekosten von etwa 400 000 Mark geführt. Jetzt müssen die Beklagten inklusive Zinsen und Prozesskosten fast das Doppelte berappen.

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Im Mai hatte das Oberlandesgericht Nürnberg das Urteil des Amberger Landgerichts weitgehend bestätigt. Die Berufung kostet die beklagten Architekten Schuster und Pechtold aus München, eigentlich ausgewiesene Klinikumsplaner, zum Streitwert in Höhe von 225 000 Euro noch zusätzlich rund 125 000 Euro.

Riesige Blasen

Rechtsanwalt Dr. Konrad Wilfurth, Prozessbevollmächtigter des Klinikums, beschreibt gegenüber der AZ die Odyssee von der Verlegung des Bodens bis zum endgültigen Urteil: "Für den zentralen Funktions- und Behandlungsbau mit dem Operationstrakt war ein zehn Zentimeter starker Anhydritestrich ausgeschrieben und aufgebracht worden. Einige Tage nach dem Verlegen des PVC-Bodens warf der plötzlich riesige Blasen." Grund dafür: Der Estrich hatte eine Restfeuchte. Der gesamte Belag musste ausgewechselt, der Boden getrocknet und der Kleber entfernt werden.

Über die Ursachen wurde man sich lange nicht einig, Architekten und Handwerker schoben sich gegenseitig die Verantwortung zu. "Da waren fünf Gutachter beschäftigt, und jeder hatte eine andere Erklärung: Der eine machte eine Folie zwischen Betondecke und Estrich dafür verantwortlich, dass der Boden nicht austrocknete, der andere meinte, der Bodenverleger habe falsch gemessen - so standen 1000 Ursachen im Raum."

Gutachter-Schlacht

Zum Schluss kristallisierte sich freilich heraus, dass der Estrichleger zwei verschiedene Anhydritfließ-Estricharten verwendet hatte: Die harte Schicht oben hatte offenbar eine Trocknung der weichen unteren Schicht verhindert. Außerdem habe die Stärke zwischen acht und zwölf Zentimetern variiert, was einer DIN-Vorschrift zuwiderlaufe. "Das OLG hat uns in vollem Umfang Recht gegeben", atmet Wilfurth nach dem Ende der Gutachter-Schlacht auf. Die Architekten und die Estrich-Firma haften nun als Gesamtschuldner.

Klinikumschef Wilhelm Daller freut sich jetzt jedenfalls über den späten Geldsegen: "Ich erwarte die Überweisung in den nächsten Tagen."

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.