26.08.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Angebliche Übergriffe in der JVA beschäftigen das Landgericht - Angeklagter weist Schuld von ... Straftäter oder psychisch erkrankt?

von Autor HWOProfil

Die Erste Strafkammer des Landgerichts steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie muss sorgfältig prüfen, ob ein 40-Jähriger in die Haftanstalt oder in eine psychiatrische Einrichtung gehört. Der Mann steht im Verdacht, als Insasse der JVA Amberg wiederholt körperliche und verbale Attacken gestartet zu haben. Er selbst weist jede Schuld von sich.

Gefesselt vorgeführt

Die ersten Zeugen in dem auf mehrere Tage angesetzten Prozess wurden gefesselt vorgeführt. Es handelte sich um teilweise zu längeren Haftstrafen verurteilte Männer, die im Sommer vergangenen Jahres mit dem Angeklagten in einer Acht-Personen-Zelle saßen. "Jeden Tag 23 Stunden lang zusammengepfercht", wie einer von ihnen der Richterin Roswitha Stöber sagte. In dieser Zelle soll der 40-Jährige mit einem Schlag ins Gesicht gegen anderen Mithäftling vorgegangen sein. "Eine Rangelei", wie der Beschuldigte jetzt sagte. "Nicht der Rede wert", ließ der angeblich misshandelte Mann wissen und fügte hinzu: "Da passieren ganz andere Dinge, die hier verhandelt werden müssten."

Bei einer weiteren Zeugenvernehmung stellte sich dann aber heraus: Das Opfer war wohl durch eindeutige Schlagspuren im Gesicht gezeichnet. Die Strafkammer hörte auch: "Der benahm sich seltsam. Er hat nachts immer Formeln aufgezeichnet." Dem allerdings stand konträr entgegen, was der im Gesicht verletzte JVA-Insasse wissen ließ: "Komisches Benehmen? Dort drin benimmt sich jeder komisch." Dann wandte er sich an den Angeklagten: "Ich nehme deine Entschuldigung an."

Es gibt noch weitere Vorwürfe, die in der von Staatsanwältin Manuela Zeller verlesenen Anklageschrift stehen. Der 40-Jährige soll durch eine geöffnete Türklappe mit einem spitzen Gegenstand nach einem Justizbeamten gestochen haben, ohne ihn dabei zu verletzen. Es geht um Beleidigungen gegenüber Anstaltsbediensteten, wobei einmal auch der Ausdruck "Blutrache" gefallen sein soll.

Der 40-Jährige, heute in der Haftanstalt Straubing untergebracht und von dort auch vorgeführt, hat bereits - wie am ersten Prozesstag deutlich wurde - eine psychiatrische Therapie hinter sich. Sein Steuerungsvermögen könnte zu den nicht weit auseinander liegenden Tatzeiten vermindert gewesen sein. Um seinen psychischen Zustand zu begutachten, ist eine Sachverständige im Gerichtssaal anwesend.

Unterschrift fehlt

Unmittelbar nach Verhandlungsbeginn hatte der 40-Jährige einen Antrag gestellt, das Verfahren gegen ihn einzustellen. Begründung: Die ihm zugegangene Anklageschrift sei nicht mit einer Unterschrift des sachbearbeitenden Staatsanwalts versehen gewesen. Die Strafkammer wies diesen Antrag zurück. In der bei den Gerichtsakten liegenden Original-Anklageschrift sei ein Signum vorhanden, hieß es.

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